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Wie Erkrath den Alltag mit Corona meistert

Schulen und Geschäfte im Ausnahmezustand : Wie Erkrath den Corona-Alltag meistert

Die Maßnahmen gegen das Coronavirus haben zahlreiche Folgen für den Erkrather Alltag. Helfer bieten jetzt Einkaufsdienste an.

Nachdem bereits in der vergangenen Woche die Johanniter alle Veranstaltungen in ihrer Begegnungsstätte an der Hildener Straße bis auf weiteres abgesagt haben, haben nun auch die Awo-Begegnungsstätte im Bürgerhaus sowie die der Caritas in der Gerberstraße ihre Türen geschlossen.

Per Mail informierte Leiterin Monika Thöne über die Maßnahme und forderte zu „nachbarschaftlicher Unterstützung“ auf. Wie sie diese anbieten könnten, das hätten ihn einige seiner Schüler am Montag auch gleich gefragt, erzählte Christof Krügermann, Schuleiter des Gymnasiums Hochdahl, nicht ohne Stolz: „Heute waren die Kinder und Jugendlichen ja da, um Bücher und andere Unterrichtsmaterialien abzuholen. Einige haben überlegt, wie sie es organisieren können, zum Beispiel für Ältere einzukaufen. Ich habe sie an die Taschengeld-Börse verwiesen, denn es ist uns wichtig, dass versicherungstechnische Fragen geklärt sind. Dort hat man die  Kontakte und kann direkt vermitteln.“

 Nicht nur am Gymnasium, auch an den beiden anderen Schulen an der Rankestraße haben alle Klassenstufen die bis zu den Ferien anstehenden Aufgaben per Mail erhalten. „Wir haben es den Klassenlehrern freigestellt, ob sie die Aufgaben wochenweise weiterleiten oder gleich alles, was bis zum Beginn der Osterferien ansteht“, berichtet Andreas Lösche, Schulleiter der Carl-Fuhlrott-Schule. Wie in der Realschule Hochdahl auch, würden die unteren Jahrgänge eher wochenweise das Material erhalten.

„Alles auf einmal überfordert die Jüngeren zu sehr. Die Situation ist auch so schon ungewohnt genug“, so Lösche, der sich wie sein Kollege Uwe Heidelberg von der benachbarten Realschule besonders um die Abschlussklassen Gedanken macht: „Wir warten noch auf einen Erlass der Schulbehörde, wie in Bezug auf die Prüfungen verfahren wird. Nach den Osterferien bleiben nur noch rund zweieinhalb Wochen bis zu den Abschlussprüfungen. Nicht genug Zeit, um die noch ausstehenden Arbeiten schreiben zu lassen“, so Uwe Heidelberg.

Er ist von den Reaktionen vieler seiner Schüler überrascht: „Ich habe keine laute Freude über ‚Corona-Ferien‘  gehört. Viele scheinen den Unterschied zu spüren zwischen ich muss in die Schule und dem plötzlichen ich darf nicht mehr in die Schule“, so der Pädagoge. Weder an den drei Hochdahler weiterführenden Schulen noch am Gymnasium am Neandertal haben sich bisher Alleinerziehende oder Eltern gemeldet, die in Berufen arbeiten, die der „Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens“ zugeordnet sind und denen somit eine Betreuung ihrer Kinder in der Schule zusteht.

„Wir bitten dies dringend nachzuholen, damit wir den Bedarf an Lehrern vor Ort planen können“, so Hans Gruttmann, Schulleiter der Gymnasiums am Neandertal. Anders sieht es an der GGS Sechseckschule aus. „Bisher sind es fünf Kinder, die wir bis zu den Osterferien in der Schule betreuen“, sagt Schulleiterin Katja Gebauer. Auch ihr Kollegium und sie haben die Eltern mit dem bis zu den Ferien zu erarbeitenden Unterrichtsmaterialien versorgt. „Wir recherchieren für unsere Eltern gerade, was es an alternativen Lern-Formaten in TV und Internet gibt. So hält die Redaktion der ‚Sendung mit der Maus‘ gute Materialien bereit“, so die Pädagogin, die voll des Lobes über die Zusammenarbeit mit der Erkrather Verwaltung ist.

Ansonsten sieht sie es wie Jutta Block, Leiterin der benachbarten Kita Trills, positiv, dass Eltern nun zusätzlich zu Ferien oder Wochenenden Zeit mit ihren Kindern verbringen: „Entschleunigung tut uns allen gut, gerade jetzt. Ich hoffe, dass viele Eltern einfach mal mit ihren Kindern in den Wald gehen, gemeinsam Gesellschaftsspiele spielen oder ein Hörbuch und einen Film genießen.“

Entschleunigung täte sicher auch vielen Supermarkt-Kunden gut. „Sonst bekommen wir eine Lkw-Lieferung pro Tag. Jetzt sind es drei“, sagt der Vize-Marktleiter bei Lidl an der Röntgenstraße, während er eine Palette mit Mineralwasser am Eingang platziert. „Ich verstehe die Hysterie absolut nicht. Aber Klopapier, Mehl, Zucker oder auch alle Arten von Konserven werden seit Tagen wie verrückt gekauft.“

Auch das eine oder andere Elternteil kam gemeinsam mit seinem Nachwuchs zum Einkaufen. „Gerade haben wir die letzten Unterrichtsmaterialien abgeholt, jetzt kaufen wir schnell ein paar frische Lebensmittel ein. Dann bringe ich meinen Sohn zu meinen Eltern, bevor ich in die Bank zum arbeiten fahre“, so eine Mutter auf die Nachfrage, ob sie denn im Homeoffice sei.