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Erkrath: Wer will das Herz an einen Baum verlieren?

Erkrath : Wer will das Herz an einen Baum verlieren?

Das Naturschutzzentrum Bruchhausen sucht Menschen, die die Patenschaft über Kirschen und Pflaumen übernehmen.

Zwei alte und knorrige Schätzchen gibt es noch auf der Obstwiese am Naturschutzhof "Feld". Dort, wo früher Schäfer Manfred Heimann lebte, liefern die beiden Birnenbäume seit beinahe 60 Jahren zuverlässig zur Erntezeit ihr Obst. Ringsherum ist es allerdings ziemlich kahl geworden. "Alle Apfelbäume sind gestorben, weil der Boden zu feucht ist", bedauert Karin Blomenkamp. Die Leiterin des Naturschutzzentrums Bruchhausen blickt mit Sorge auf die noch stehenden "Sorgenkinder". Denn auch die sind mit den Bodenverhältnissen nicht wirklich zufrieden und außerdem auch schon in die Jahre gekommen.

Deshalb will man dort nun auf das etwas robustere Steinobst umsteigen. Kirschen, Pflaumen, Mirabellen: Wenn alles gut läuft, könnten auf der Obstwiese gegenüber dem Naturschutzzentrum schon bald alte regionale Sorten in voller Blüte stehen. "Dafür suchen wir jetzt Paten", sagt Karin Blomenkamp und hofft auf Unterstützung für das Projekt "Obstbaumpatenschaft".

Gesucht werden Naturfreunde, die ihr Herz an einen Baum verschenken möchten. Der Aufwand richtet sich nach den Möglichkeiten. Pflanzung, Pflege, Ernte — wer möchte, kann dabei unter fachkundiger Unterstützung selbst Hand anlegen. Oder auch die Arbeit dem Naturschutzzentrum überlassen, um hin und wieder einfach nur nach seinem Schützling zu schauen. Allerdings macht Karin Blomenkamp kein Geheimnis daraus, dass man sich über aktive Paten freuen würde, die ihr Bäumchen selbst umsorgen. "Es soll ja auch eine Beziehung zum Baum entstehen", glaubt sie, dass die Pflege eines Obstbaumes mehr sein kann als bloße Verantwortung.

Sich über die erste Blüte zu freuen, die ersten Kirschen zu ernten, zum ersten Mal die Astschere zum Erziehungsschnitt ansetzen: Es gibt viele Höhepunkte im Miteinander mit einem Baum, der einen zudem auch noch treu und verlässlich immer am selben Ort erwartet. Der Pflegeaufwand hält sich in Grenzen: einen Tag für die Pflanzung und das Anbringen eines Verbissschutzes, im Winter und im Sommer jeweils eine Stunde für die Pflege und im Herbst ein gemütliches Stündchen für die Obsternte.

Ein wenig Geduld sollten die Obstbaumgärtner allerdings mitbringen. Mit den ersten Kirschen und Pflaumen ist erst in etwa drei Jahren zu rechnen. Bis dahin können Laien sich bei der Pflege unterstützen und beraten lassen. Denn einfach die Astschere ansetzen — dass geht bei der Obstbaumpflege nicht. "Der Erziehungsschnitt ist nicht ganz einfach", sagt Karin Blomenkamp. Aber wer sich dabei helfen lassen möchte, bekommt so ganz nebenbei auch wichtige Tipps für die Pflege des eigenen Gartens. Knabbern an der Obstbaumrinde ist übrigens auch für das letzte Schaf von Schäfer Heimann verboten.

Seit Jahren springt der Vierbeiner schon zwischen den Obstbäumen herum. Deshalb ist der Verbissschutz eine der ersten Aktionen, um die jungen Bäumchen vor hungrigen Weidetieren und Rehen zu schützen. Aber auch das ist schnell gemacht. Vier Pflöcke und einen Zaun: Mehr braucht man dafür nicht.

(magu)