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Erkrath: Wenn im Eselsland Karneval ist

Erkrath : Wenn im Eselsland Karneval ist

20 Wagen, 30 Fußgruppen und zehn Kapellen sorgten gestern in Unterbach für gute Stimmung.

Die langen Fasananenfedern wippen im Takt der Musik und hoch oben vom Wagen mit dem goldenen Schlüssel grüßt Prinz Daniel I. seinen närrischen Untertanen mit einem dreifach "Unterbach I-Aaahhh". "Die Stimme ist geölt, alles ist voll mit Kamelle - es kann losgehen", sagt seine Hoheit und kann es kaum erwarten, neben seiner Prinzessin durch die Straßen zu rollen. "Wir freuen uns auf die vielen Menschen und den Höhepunkt unserer Session", betont ihre Majestät Jessica I .

Am Sonntag ist ganz Unterbach auf den Beinen und es gibt kaum noch jemanden, der nicht verkleidet ist. Foto: Janicki, Dietrich (jd-)

Da das Paar zum Abschluss des Karnevalszuges gehört, ließ es die vier Kilometer lange Reihe aus 20 Wagen, 30 Fußgruppen und zehn Kapellen an sich vorbeiziehen. Als Mexikaner mit Trompeten und Trommeln marschiert der Musikzug Wunstorfer Auetaler auf die Strecke. Seit 20 Jahren reist die Truppe aus Hannover an, um in Unterbach dat Trömmelche zu spielen. "Die Stimmung ist hier so toll und bei uns im Norden ist das viel kleiner", sagt Mareen Reschke.

Weitere Bilder vom Unterbacher Karnevalszug gibt es in der Fotostrecke.

Als blühende Landschaft des Garten Erkrath samt Adam und Eva rollen die Grünen vorbei, die Feuerwehr mit Blaulicht und Martinshorn hinterher. "Es ist keine Ente, der Rathauschef rockt in die Rente", prangt als Motto, auf dem die Einsatzkräfte in Lederjacke und Punkfrisur zu Schlagerklängen die Hüften schwingen. Mit Rose zwischen den Zähnen und gepunkteten Hosen fährt Radschläger Henk bei den fidelen Pinguinen vorweg. "Das ist unser Maskottchen", erklärt Dietmar Morr. Er hat ihn mit seinen kunterbunten Kollegen aus Gerresheim und Unterbach gemeinsam gebaut.

"Die ersten Jahre sind wir auch immer als Pinguine mitgelaufen, doch wir wollten mal etwas anderes ausprobieren." Eine außergewöhnliche Verkleidung haben sich die Kellerkinder aus Alt-Erkrath gebastelt. Die Gruppe aus Familien und Freunden ist als Achterbahn unterwegs. Auf Pfiff des Frontmanns legen sie sich in ihren Gondeln mal rechts und mal links in die Kurve und lehnen sich zurück, wenn es rasant abwärts geht. "Wir hatten im Sommer ein Treffen in unserer Kellerbar, bei dem wir uns einstimmig für dieses Kostüm entschieden haben. Dann haben wir vier Tage lang jeweils sechs Stunden lang gebaut", berichtet Tina Pless stolz.

"Das hätte bei uns länger gedauert", sagt Martin Beier vom Karnevalsausschuss Unterbach beeindruckt. Er hat die Gäste aus Erkrath ganz oben auf der Liste für den Preis der besten Fußgruppe. Sichtlich beeindruckt verfolgt Sarina Yamamoto den Zug der farbenfrohen Fröhlichkeit. "Die Wagen sind alle so schön dekoriert und die Leute sind sehr gut drauf. Das ist ansteckend", sagt die Japanerin bei ihrer Karnevalspremiere. An seine kann sich Jochem Schulte kaum noch erinnern.

Er war 1959 der dritte Prinz in Unterbach und hält noch immer die Fahne des Komitees hoch. "Inzwischen bin ich 81 Jahre, doch das ist noch kein Alter. Meine Oma hat schon immer gesagt, ,Jung, wenn de Spaß hast, biste ouch jesund' und so bin ich jedes Jahr dabei. Zu Hause zu sitzen, würde ich nicht aushalten." Tütü und Spitzenschuhe hat das Männerballett gegen Federschmuck und Sambarobe getauscht und kann es kaum erwarten, durch die Straßen zu tanzen. "Wir gehören dazu", sagt Peter Zinn. Blau sind dagegen die Spieler des TC 82 aus Unterfeldhaus.

"Aber nur im Gesicht", betont Britta Theisen. Sie haben sich dem Motto des Kinderprinzenwagens angeschlossen und sind als Schlümpfe unterwegs. Die blau-weißen Wesen bewegen sich munter vor Fynn I. und Joanna I., die auf ihrem Fliegenpilz thronen. Sie haben sich das Thema selbst ausgesucht. "Es passt perfekt zum Karneval", sagt Fynn. "Weil die Schlümpfe auch immer singen und tanzen", ergänzt Joanna, bevor die kleinen Majestäten mit einem dreifach "Unterbach I-Aahh" davon rollen.

(domi)