Vom 1. März bis 30. Juni hat das Bergische Land in Tilmann Strasser wieder einen Regionenschreiber mit Sitz in Erkrath

Literaturprojekt des Landes NRW : Kommen, schauen, schreiben

Vom 1. März bis 30. Juni hat das Bergische Land wieder einen Regionenschreiber. Von Erkrath aus wird Autor Tilman Strasser Land und Leute erkunden.

Er war schon einmal drei Monate als Stadtschreiber in Hamburg und bemüht sich gern um Aufenthaltsstipendien. Raus aus dem Gewohnten, sich frischen Wind um die Nase wehen lassen, andere Leute kennenlernen – darauf freut sich Tilmann Strasser (35), wenn er sein Erkrather Quartier im Neandertal bezogen hat und ausschwärmen kann ins Bergische.

Wie gut, dass dafür Stipendien existieren, wie sie das landesweite Literaturprojekt „stadt.land.text NRW“ vergibt. Es finanziert Strassers Aufenthalt in der Region – und parallel den von neun weiteren Autoren in neun anderen Regionen – mit jeweils 7200 Euro, um „die unterschiedlichen Facetten der Kulturregionen auf literarische Weise lebendig werden zu lassen,“ wie Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen unterstreicht.

Ab 1. März steht das Bergische also unter besonderer, unter literarischer Beobachtung. Wie es sich für einen Regionenschreiber gehört, wird Strasser vom Neandertal aus Ausflüge unternehmen, um „mit interessanten Bewohnern“ ins Gespräch zu kommen. Die Region will er über Menschen erschließen: junge und alte, Zufallsbekanntschaften und Zugeführte, die er befragt und eventuell auch portraitiert, aber stets mit dichterischer Freiheit. Sollte man zu den Auserwählten gehören, kann man seinen Namen nennen, muss es aber nicht.

Im Bergischen hat Strasser viel zu entdecken. Nur einmal sei er bislang zum Wandern dagewesen, habe sich dabei aber auf „die schöne Natur“ konzentriert und weniger die Städte wahrgenommen. Mit viel Muße will er bald auch in den hiesigen Cafés sitzen, dort „versinken und wieder auftauchen“, Gespräche aufnehmen, abtippen und abwägen, was davon zu literarischer Verarbeitung taugt.

Ein geübter Beobachter und Schreiber ist der gebürtige Münchner, der seit acht Jahren in Köln zuhause ist, allemal. Nach seinem Studium (kreatives Schreiben, was sonst) in Hildesheim war er für verschiedene Film- und Fernsehproduktionsfirmen als Geschichten-Entwickler tätig. Heute schlägt er sich als freier Autor und Literaturvermittler durch, gestaltet Lesereihen und Workshops, moderiert und leitet Schreibseminare für Autoren, unter anderem drei Jahre lang im Auftrag des Literaturhauses seiner Wahlheimat Köln.

Ein Buch hat er auch schon geschrieben, es heißt „Hasenmeister“ und verquickt seine bevorzugten Themen, klassische Musik und Medizin. Mit einem Co-Autor hat er zudem ein Hörspiel verfasst, „Der V-Komplex“, und arbeitet derzeit an seinem zweiten Buch, das sich mit Verschwörungstheorien beschäftigt. Nicht ausgeschlossen, dass er dafür auch im Bergischen Stoff findet.

 Seine in hiesigen Gefilden entstehenden Texte werden zum Abschluss seiner viermonatigen Wanderzeit übrigens sowohl als Internetprojekt verbreitet als auch in Form einer Abschlusspublikation, die dann im Buchhandel zu haben ist. Wer sich einhören möchte in Stil, Ton und Gedankenwelt des Gastautors, kann dies bei der öffentlichen Auftaktlesung am 13. März im Neandertal (siehe Infokasten) tun. Strasser hofft schon mal auf reges Interesse: „Ich bin wahnsinnig gespannt und freue mich auf die Menschen im Bergischen.“