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Trillser Hospiz will Familie in Not helfen

Erkrath : Trillser Hospiz will Familie in Not helfen

Bei der gerade erst gestarteten ambulanten Kinder- und Jugendhospizarbeit wird auch über den Tellerrand geschaut – und zum Beispiel eine größere Wohnung für eine armenische Familie mit zwei kranken Kindern gesucht.

 Hospiz-Koordinatoren lernen viele Familien kennen und merken in der Regel sehr schnell, an welchen Stellen der Schuh drückt. Ein Problem kommt selten allein, sagt Hospizkoordinatorin Kornelia Smailes, die seit mehr als zehn Jahren (und seit Anfang des Jahres auch in Erkrath) Familien berät, deren Kinder eine lebensbedrohliche Krankheit haben. Nicht selten nähmen diese Familien ihr Schicksal klaglos auf sich und verharrten in sozialer Isolation.

Das soll durch den für Erkrath neuen ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst mit vielen ehrenamtlichen Helfern aufgebrochen werden. Denn „etwa 75 Prozent der Ehen halten es auf Dauer nicht aus, wenn schwerkranke Kinder ohne weitere Hilfe versorgt werden müssen“, berichtet Kornelia Smailes. Familien, die sich an das Hospiz wendeten, würden ehrenamtliche Begleiter zur Seite gestellt.

Diese Begleitung umfasst alle Bereiche, die zum psychischen, emotionalen und sozialen Wohlbefinden der Familienmitglieder beitragen. Die Begleiter sind keine Pfleger, sondern Helfer bei alltäglichen Dingen, betreuen zum Beispiel ein Kind, wenn Mutter oder Vater zum Arzt müssen. Sie helfen bei der Beantragung von Leistungen und haben ganz allgemein ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte. Daraus ergeben sich bisweilen auch die klassische Hospizarbeit überschreitende Hilfestellungen, wie Kornelia Smailes berichtet. Ein Familienschicksal hat die Wuppertalerin besonders berührt. Es geht um eine Familie aus Armenien, Vater, Mutter und drei Kinder. Zwei von ihnen, 13 und 14 Jahre alt, leiden unter einer genetisch bedingten Muskelschwäche. Die Familie habe viele Baustellen, halte sich aber trotzdem tapfer über Wasser, berichtet Kornelia Smailes.

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Ihr imponiert die ungebrochen positive Haltung der Familie, die seit sechs Jahren in Deutschland lebt, ihr Versuch, aus der Misere das Beste zu machen. Der Vater, ein examinierter Krankenpfleger, arbeite derzeit in einem Mettmanner Altenheim – weit unter seiner Qualifikation, weil sein Abschluss in Deutschland nicht anerkannt wird, für eine Weiterbildung aber noch keine Gelegenheit war. Die Mutter, eine examinierte Krankenschwester, kümmere sich derzeit ausschließlich um die Kinder, die krankheitsbedingt zuweilen sehr unruhig und sehr unzufrieden wären, komme dabei aber zusehends an die Grenzen ihrer Kräfte. Eines der größten Probleme sei die enorme Enge ihrer 60-Quadratmeter-Mietwohnung im fünften Stock. „Dort quetschen sich fünf Menschen, der elterliche Schlafplatz liegt in einer Garderoben-Nische. Es kann nur ein E-Rollstuhl genutzt werden, da kein Platz für den zweiten da ist. Der Rollstuhl steht notgedrungen mittig in der Diele, damit fünf Personen ihre Küche, Kinderzimmer und Bad überhaupt betreten können. Gleichzeitig bietet die Mutter einer anderen armenischen Familie ihre nachbarschaftliche Hilfe an und beklagt sich keineswegs über ihr eigenes Los“, berichtet Smailes.

Die fünf bräuchten dringend eine größere Wohnung und ein Auto, besser gesagt einen Bus mit Platz für zwei Rollstühle. Einen Wohnberechtigungsschein hat die Familie mittlerweile, das Hospiz hat bei den Formalitäten geholfen. „Die Eltern sprechen gut Deutsch, die Kinder noch viel besser. Aber selbst unsereiner kommt nicht immer gleich klar mit dem Amtsdeutsch“, sagt Kornelia Smailes.