Tierschutzverein Erkrath ist seit 60 Jahre im Einsatz

Geburtstagsfeier : Tierschutzverein ist seit 60 Jahren im Einsatz

Bereits 1959 wurde die Verbindung in Erkrath gegründet. Hauptthema waren und sind Erkraths freilebende Katzen.

Wenn Christa Becker einen großen Wunsch frei hätte, wäre das ein Katzenrefugium, ein Grundstück, auf dem Erkraths verwilderte Katzen betreut werden. „Eine Fläche von rund 10.000 Quadratmetern, die eingezäunt werden könnte, wäre ideal. Das möchte ich in meinem Tierschutzleben noch realisieren“, erklärt die Vorsitzende des Erkrather Tierschutzvereins.

Die Katzen waren es auch, die Becker in den Vorstand des Vereins brachten, obwohl sie als Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft für Tiere (AGT) bereits alle Hände voll zu tun hat: „2011 hatte mich Monika Steinert, die seit 40 Jahren Mitglied des Tierschutzvereins Erkrath ist, dazu gebracht, mich im Vorstand zu engagieren. Sie wünschte sich mehr Unterstützung bei den Katzen.“ Die seien unter der vorigen Vereinsführung zu kurz gekommen.

Das Refugium würde auch das Leben der Tierschützer erleichtern, die inzwischen alle im Seniorenalter sind und täglich 74 Katzen an 17 Futterstellen versorgen. Der 2016 gefasste Beschluss des Stadtrats, eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Freigängerkatzen einzuführen, war ein wichtiger Schritt, um weiteres Katzenelend zu vermeiden, unterstreicht Christa Becker: „Dadurch ist die Zahl der unkastrierten Katzen deutlich gesunken. Die meisten sind heute gechippt.“

Dennoch ist die Versorgung freilebender Katzen weiterhin das zentrale Thema des Vereins. „Hier werden immer Ehrenamtliche gesucht, die bei Krankheit oder Urlaub einspringen“, so Becker. Die möglichst flächendeckende Ausdehnung der Kastrations- und Kennzeichnungspflicht auf den ganzen Kreis Mettmann war dann auch ein großes Thema bei der Jubiläumsfeier. Denn bisher haben nur Erkrath und Wülfrath die Freigänger-Regelung eingeführt. Regina Wedding, Vize-Bürgermeisterin und selbst Mitglied im Tierschutzverein Erkrath, regte an, Kontakt mit dem Kreisveterinäramt aufzunehmen. Für den Einsatz der Tierschützer dankte sie dem Verein auch im Namen von Bürgermeister, Rat und Verwaltung.

Als der Tierschutzverein Erkrath 1959 von der vor zwei Jahren verstorbenen Clara Kremer gegründet wurde, war der Begriff „Tierschutz“ für manchen noch ein Fremdwort. Viele Hinweise auf die Anfangsjahre konnte Christa Becker bei der Übernahme der Vorstandsfunktion 2014 nicht mehr finden. Neben Katzen beschäftigten damals aber auch ausgesetzte Hunde die 30 Mitglieder des neu gegründeten Vereins.

Das hat sich durch die vor vielen Jahren eingeführte Registrierungs- und Chip-Pflicht geändert. „Es gibt so gut wie keine Hundeaufnahmen mehr, nicht nur in Erkrath“, sagt Christa Becker. Aktuell zählt der Tierschutzverein 93 Mitglieder. 17 von ihnen feierten das 60-jährige Bestehen bei Kaffee und Kuchen auf dem Unterbacher Reit- und Pferdeschutzhof Gut Rodeberg. Inhaberin Christina Helm (50) ist selbst Mitglied des Vereins und zählt zu den wenigen Jüngeren. „Die Mitglieder sterben uns schlicht und ergreifend weg“, sagt Christa Becker. Junge Leute hätten nur noch wenig Zeit für den Tierschutz.

Bei einem Hofrundgang knüpften die Vereinsmitglieder erste Kontakte zu den Pferden, lernten deren Geschichten und die besondere Ausrichtung des Hofes kennen: Pferde und Ponys aus zum Teil schlechter Haltung und mit gesundheitlichen Problemen haben dort ein zeitlich unbegrenztes Zuhause gefunden. Wie schwierig Tierschutz besonders auch aus finanzieller Sicht ist, wissen die Erkrather Vereinsmitglieder nur zu gut, denn der Verein finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge und Spenden. Davon müssen Futter, Tierarztrechnungen und die Kastrationen der verwilderten Katzen bezahlt werden. Von der Stadt Erkrath gibt es dafür gerade einmal 155 Euro pro Jahr.

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