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Theater warnt Schülerinnen im Kreis Mettmann: Vorsicht vor dem „Loverboy“

Vorbeugung : Theater warnt: Vorsicht vor dem „Loverboy“

Ein Stück will junge Mädchen vor falschen Freunden bewahren. Mit Geld vom Inner Wheel Club wird es jetzt auch im Kreis gezeigt.

„Das Thema muss mehr in die Öffentlichkeit“, meint Andrea Bleichert vom Erkrather Sozialverband SKFM. Deshalb hatte sie sich an die Gleichstellungbeauftragte Annegret Pollmann und an Schulen im Kreis gewandt. Die sogenannten „Loverboys“ machen nämlich nicht an Großstadtgrenzen halt. Sie verkaufen sich als liebenswerte Jungs und verleiten junge Mädchen mit perfiden Methoden zur Prostitution. Wie das geschehen kann, wurde jetzt erstmalig in einem Theaterstück an einer weiterführenden Schule im Kreis Mettmann gezeigt.

Die drei Darsteller des „forumtheater-inszene“ verdeutlichten, wie sich kriminelle Männer mit einer subtilen Liebesmasche an junge Mädchen heranmachen. Meistens per Handy durch die sozialen Netzwerke: Da schwärmt plötzlich die 16-jährige Hanna von einem „süßen Typ“, der schon 25 ist und ein Auto hat. Den trifft sie dann irgendwann in der Stadt zum Eisessen, verliebt sich, geht mit ihm nach Hause und erlebt später ihr „Erstes Mal“.

Sogar der Mutter wird dieser „Janik“ vorgestellt. Die findet ihn aber nicht so toll. Die Tochter opponiert prompt, verbringt noch mehr Zeit beim Freund. Heimlich. Sie beginnt die Schule zu schwänzen, weil sie sich dem Geliebten immer stärker verbunden fühlt. Gleichzeitig verliert sie den vertrauensvollen Kontakt zu Freunden und Familie.

Janik beglückt sie mit Geschenken, macht dabei aber wie nebenbei Eltern und Freunde schlecht. Plötzlich klagt er über Geldsorgen und Bedrohungen – die Hanna durch einen hochbezahlten Beischlaf mit einem seiner Freunde begleichen könnte. Aus Liebe will sie ihm helfen. Am Schluss endet das Mädchen aber in der Prostitution.

Für die rund 30 Schülerinnen der Klassenstufen 8/9 war dieses besondere Unterrichtseinheit ganz offensichtlich bewegend, zumal sie nach einer Stunde aufmerksamer Stille Fragen stellen konnten. Und in Eigenregie an den Schlüsselstellen selbst in das Stück einsteigen durften. Etwa, wenn Hanna besser mehr mit ihrer Freundin geredet hätte. Oder die Mutter nicht gleich so schroff reagieren würde. Auch ein selbstbewusstes „Nein“- Sagen gehörte zur interaktiven Lektion.

Dass die Polizei bei solchen Verführmethoden ohne Zeugen nichts tun kann, war eine erschreckende Erkenntnis. Dirk, Vater einer Tochter, der dieses Schicksal tatsächlich widerfahren ist, konnte das bestätigen. Seine heute erwachsene Tochter hat es geschafft, nach fünf Jahren aus dem Sumpf der Szene wieder aufzutauchen. Aber immer noch sind Namen und Daten tabu. Dirk hat vor zehn Jahren eine Elterninitiative gegründet und stand jetzt den Schülerinnen für Fragen zur Verfügung und bestätigte: „Genauso wie im Stück hat es sich zugetragen.“

Es könne jedes Mädchen treffen, das ein Loverboy als Opfer ausgespäht habe. Nicht nur im Internet, sondern auch auf dem Schulweg oder im Schnellrestaurant um die Ecke. Die Schamgrenze für Eltern und betroffene Jugendliche sei sehr hoch. Die Dunkelziffer der Fälle, die auch Jungen betreffen können, entsprechend. So gesehen ist es ein Glücksfall, dass Sozialpädagogin Christina Enderlein sich schon viele Jahre in Erkrath engagiert – persönlich und auch mit Spenden.

Ihr Kontakt zum SKFM und ihre Mitgliedschaft im Inner Wheel Club Hilden-Haan-Neandertal haben es ermöglicht, dass das brisante Thema jetzt im Kreisgebiet auch auf zwei weiteren Schulbühnen auf den Stundenplan kommen kann. Für Gertrud Back, Präsidentin des IWC, stand es außer Frage, dass bei der Verteilung aller Spenden des IWC in diesem Jahr „ein solch besonderes Projekt an erster Stelle stehen muss.“