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Erkrath: Stiftung hilft Senioren in Finanznot

Erkrath : Stiftung hilft Senioren in Finanznot

In Nordrhein-Westfalen sind mehr Menschen über 65 Jahre von Armut bedroht als im Bundesdurchschnitt. Nach jahrzehntelanger Beschäftigung bleibt einigen nur eine geringe Rente.

Altersarmut ist in Erkrath ein kaum öffentlich diskutiertes Thema. Dabei leben dort im Vergleich zu anderen NRW-Städten besonders viele ältere Menschen. Wie schwierig es ist, Bedürftige zu erreichen, weiß die Stiftung Abendsonne. Sie würde gerne helfen, doch sie erfahre nur selten, wo finanzielle Hilfe dringend gebraucht werde.

In Nordrhein-Westfalen sind mehr Menschen über 65 Jahren von Armut bedroht als im Bundesdurchschnitt. Der Anteil derer, die weniger als 60 Prozent des durchschnittlichen Einkommens haben, ist in NRW von 9,7 auf 15,8 Prozent gestiegen. In Erkrath, wo besonders viele ältere Menschen wohnen, wird das nicht anders sein, sagen Brigitte Albers und Erhard Tönjes von der Stiftung Abendsonne: "Immer mehr Menschen bekommen auch nach einem jahrzehntelangen Arbeitsleben nur eine sehr geringe Rente."

Das Leben dieser Menschen gerät schnell aus den Fugen, wenn auch nur eine Kleinigkeit dazwischen kommt", wissen sie. Den Betroffenen zu helfen, ist aber gar nicht so leicht, denn nur selten erfährt die Stiftung, wo "Not am Mann" ist. "Viele schämen sich, über ihre Situation zu sprechen", sagt Tönjes, und seine Vorstandskollegin fügt hinzu. "Wer gibt schon gerne zu, dass er sich beispielsweise die nötige neue Brille nicht leisten kann?" Hinweise erhalten sie meist durch Einrichtungen wie den Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer (SKFM), die Tafel und die Vernetzung am Runden Tisch für Senioren.

Als Anwältin für Patienten und Senioren weiß Brigitte Albers, dass Armut so weit führen kann, dass die Betroffenen Medikamente nicht abholen oder ihre verschriebene Physiotherapie nicht in Anspruch nehmen, weil sie das Geld für die Zuzahlung nicht haben. Genau das sind Fälle, bei denen die Stiftung Abendsonne einspringt. Aber auch die Kosten für Haushaltsgegenstände wie beispielsweise Waschmaschine, Bett, Kühlschrank oder Fernseher oder die Teilnahme an einer Seniorenfreizeit übernimmt sie bei Nachweis der Bedürftigkeit.

Neben der Unterstützung von Einzelpersonen fördert die Stiftung Abendsonne Projekte für Senioren. Für das Projekt "Kleine Marktmusik" des Demenz-Netzwerks Erkrath hat die Stiftung die Kosten für die Anschaffung von mehr als 30 Musikinstrumenten übernommen, dem Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) Langenfeld eine Musikanlage für seinen Seniorentreff finanziert und das Kirchentaxi initiiert, mit dem Senioren und Menschen mit Behinderung kostenlos zu Gottesdiensten fahren können. Das Taxi wird inzwischen jährlich für mehr als 400 Fahrten in Anspruch genommen. Auch an der jährlichen Wunschbaum-Aktion beteiligt sich die Stiftung, indem sie Wünsche älterer Bürger erfüllt.

Obwohl es die Stiftung seit sieben Jahren gibt, sei sie noch recht unbekannt, so Tönjes und Albers. Zu dem Stiftungskapital von 100.000 Euro, mit dem Gründerin Inge Sielaff die Stiftung ins Leben rief, seien nur kleine Zustiftungen hinzugekommen. "Das Kapital ist so gut wie gar nicht gestiegen. Auch Spenden bekommen wir nur wenig", bedauert Tönjes. Mit den Zuwendungen für die Jugendstiftung Erkrath, in deren Vorstand er ebenfalls ehrenamtlich tätig ist, sei das nicht zu vergleichen. Ist die Bereitschaft, für ältere Menschen zu spenden, tatsächlich so gering?

Es scheint so. Denn genau aus diesem Grund hatte Inge Sielaff die Stiftung damals gegründet: "Für die Jugend wird recht viel getan. Doch wer denkt schon an alte bedürftige Menschen?" Erhard Tönjes und Brigitte Albers hoffen, dass sich das gerade angesichts der wachsenden Altersarmut ändert - und freuen sich über jede Unterstützung.

(nm)