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So schützen sich Erkrather Seniorenheime in der Corona-Krise

Haus Bavier und Rosenhöfe : Schutzzaun und Balkon-Gymnastik

Die Senioren-Wohnheime schotten sich wegen des Virus so gut es geht ab. Dahinter gibt es viele Bemühungen, die Bewohner aufzumuntern.

Die Corona-Krise stellt alles auf den Kopf. „Wir hatten hier im Haus immer eine offene Atmosphäre. Damit ist jetzt erst einmal Schluss“, bedauert Philipp Kohn, Leiter das Altenheims Haus Bavier an der Bahnstraße. In der Einrichtung der Diakonie dürfen aktuell nur noch die Palliativfälle, also sterbende Menschen, ihre (in Schutzkleidung verpackten) Besucher empfangen.

Ansonsten sind Bewohner und Pfleger weitestgehend unter sich. Es werden nur noch Ärzte, sofern keine Video-Visite möglich ist, sowie Physio- und Ergotherapeuten empfangen, die mit Mundschutz arbeiten müssen. Alles, was medizinisch verordnet ist, geht noch und muss auch sein, um die Gesundheit der Bewohner nicht zu gefährden, sagt Kohn. Ansonsten stünden die Zeichen auf Abschottung, ebenfalls um der Gesundheit willen.

So gibt es neuerdings einen Holzzaun mit Stoppschild, der das Außengelände der Einrichtung abgrenzt, damit die Bewohner sich dahinter, wenn auch in gebührendem Abstand zueinander, im geschützten Raum frei bewegen können. Dieser Zaun behagt Philipp Kohn gar nicht. Er widerspreche allem, was im Haus vorher gang und gäbe war.

Aber „90 Prozent unserer Bewohner kommen mit der Situation gut zurecht und reagieren verständnisvoll auf die Einschränkungen“, berichtet er. Dennoch vermissten sie natürlich die Besuche ihrer Angehörigen, die Angebote und das Miteinander im Haus und sein ansonsten stets lebendiges Café. Gegessen wird momentan nicht mehr im großen Verbund, sondern auf den Etagen, dort aber immer noch gemeinsam. Verpflegung per Tablett aufs Zimmer wäre im Fall einer Infektion die nächste Stufe, sagt Philipp Kohn.

Was sich in der Krise als Glücksfall erweist: Im Haus Bavier arbeiten sowohl eine Frisörmeisterin als auch eine Frisörin, normalerweise in der Pflege, jetzt aber, weil der Hausfrisör nicht mehr kommen darf, auch wieder ein bisschen im ursprünglichen Beruf. Zur Freude der Bewohner, die es genießen, vom Profi gebürstet zu werden.

Zum Krisen-Programm gehören auch ein Vorleseservice für Mails mit Antwortservice, das gemeinsame Singen von Liedern zu Gitarrenmusik auf der Etage und am Wochenende der heimische Ostergottesdienst, der live über schon vorhandene Lautsprecher eingespielt wird. Leidlich gut ausgerüstet ist das Haus auch noch mit Schutzausrüstung, aber „es könnte mehr sein“, sagt Kohn. Immerhin habe der Kreis Mettmann etwas geschickt und ein Apotheker frage auch immer wieder mal nach und biete Material an, sobald es wieder vorrätig sei.

Auch die Erkrather Rosenhöfe haben bereits Ende Februar umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um Infektionen zu verhindern. Zusätzlich zu den – wie im Haus Bavier – ohnehin hohen Hygiene-Standards für Mitarbeiter und Pflegekräfte gibt es jetzt Desinfektionsmittel an allen Ein- und Ausgängen, in den Sanitäranlagen, im Küchenbereich, in den Personalumkleiden und verschiedenen Aufenthalts- und Essensräumen. Das Besuchsverbot sei bereits vor Inkrafttreten der gesetzlichen Vorschriften eingeführt worden, inklusive Wachpersonal am Eingang der Seniorenwohnanlage, berichtet Geschäftsführer André Aue. Sämtliche Veranstaltungen sind abgesagt und die Bewohner werden jetzt in ihren Appartements verpflegt. „Urlaubs- und Krankenhausrückkehrer begeben sich grundsätzlich in eine zweiwöchige Quarantäne, auch wenn sie keine Symptome aufweisen. Das gilt auch für Neuzugänge“, berichtet Aue.

Was die Rosenhof-Bewohner am meisten vermissen, sei der enge persönliche Kontakt zu den Angehörigen, aber auch der Besuch beim Frisör stehe weit oben auf der Wunschliste. Zur Aufmunterung gebe es jeden Tag mit dem Mittagessen ein Extrablatt mit Wissenswertem und Denksportaufgaben. Zusätzlich werde Balkongymnastik angeboten, bei denen Mitarbeiter im Innenhof die Übungen vormachen und die Bewohner auf ihren Balkon en mitmachen.

Beliebt sind auch Hofmusik und Lesungen, die ebenfalls im Innenhof stattfinden. „Zusätzlich sind wir gerade dabei, die Häuser mit Smart Tablets auszustatten, um die Kommunikation mit den Angehörigen zu intensivieren. Hierüber kann Videotelefonie betrieben werden, damit es auch einen optischen Kontakt zu den Angehörigen gibt“, erzählt Aue. Und für demenziell Erkrankte gebe es besondere Betreuungsangebote.