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Saxofonist Dirk Trümmelmeyer swingt vor den Rosenhöfen

Erkrath/Remscheid : Saxofonist swingt vor den Rosenhöfen

Dirk Trümmelmeyer machte jetzt seinen Zuhörern in der Seniorenwohnanlage ein musikalisches Geschenk. Es ist nicht das erste Konzert des Musikers, er zählt bereits 13 solcher „Geschenkauftritte“.

Es ist 15 Uhr, als ein cremefarbener VW-Bus die steile Auffahrt zum Rosenhof in Hochdahl erklimmt. Gesteuert wird das Oldtimerstück von dem Saxophonisten Dirk Trümmelmeyer, der vor den Balkonen der Seniorenwohnanlage ein Konzert geben möchte. Durchs Hauptportal ist der Einlass schwierig, denn auch in dieser gemeinschaftlichen Unterkunft herrscht derzeit sicherheitshalber Besuchsverbot. Trümmelmeyer kurvt den schmucken Bus deshalb von hinten über die Feuerwehrzufahrt in den grünen Innenhof hinein. Dort gibt es eine Boulebahn, die an diesem Nachmittag als Bühne dienen soll. Trümmelmeyer rückt sich seine Sonnenbrille zurecht. Dann packt er die Instrumente, ein schmales Mischpult und drei Boxen aus. Das einzige, mit dem sich der Musiker nicht autark aus seinem Autobus versorgen kann, ist eine Steckdose. Doch die Haustechnik des Rosenhofs hält ein Verlängerungskabel parat.

Die ersten elektrisch verstärkten Klänge wirken wie Lockrufe. Auf etwa jedem zweiten Balkon erscheint ein horchlustiger Bewohner, und Balkone gibt es viele. Der Rosenhof zählt 243 Appartments und 45 Plätze auf der Pflegestation. Täglich gibt es über die Hauspost neue Sudokus, Kreuzworträtsel und Gedichte; auch ein Besucherfenster gibt es, doch die Einsamkeit ist groß. Trümmelmeyer spielt. Die Atmosphäre nimmt dank der unschlagbaren Mischung aus bestem Wetter und wohltuender Musik den Grad einer goldenen Euphorie an. „Wer von Euch steht auf Rock’n’Roll?“ ruft Trümmelmeyer. „Wir hier oben!“ schallt es umgehend zurück. Trümmelmeyer greift zum Mikrofon und singt eine fetzende Version von ‚Buona Sera‘. Allen Ohrenzeugen steht ein Lächeln ins Gesicht geschrieben

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Eigentlich sollte es eine einmalige Aktion sein. „Sofort machen ist immer die richtige Entscheidung. Immer aufschieben ist doof“, sagt Trümmelmeyer. Inzwischen hat der Eventmusiker aus Remscheid dreizehn solcher Geschenkauftritte absolviert, darunter auch vor Palliativstationen und Hospizen. Dabei hat er tiefgehend festgestellt: „Es gibt Momente im Leben, da braucht man schöne Musik, die die Seele umarmt.“ Es ist vorgekommen, dass einige Hörer Tränen der Rührung geweint haben.

Dass sich über den vierzehnten und sicherlich nicht letzten Termin nun Erkrather freuen durften, ist einer Freundin zu verdanken, die sich – wie Trümmelmeyer – ehrenamtlich um die Planung der Gastspiele kümmert. Sie kam gerne in den Rosenhof Hochdahl, um sich bei der hiesigen Friseurin die Haare pflegen zu lassen. Ein bisschen Zufall, Schiksal und Fügung haben die Stippvisite des Saxophonisten demnach möglich gemacht.

Wegen dieser herzvollen Initiative schaut dann auch Bürgermeister Christoph Schultz nach einer vielfrequentierten Bürgersprechstunde im alten Erkrath noch in der neuen Stadt Hochdahl vorbei, groovt ein wenig mit und dankt im Namen Erkraths für die Klangkunst. Um 17 Uhr nimmt der Bully mit RS-Kennzeichen wieder Fahrt nach Hause ins Bergische Land auf. Ein Wolkenbruch beginnt, doch die Sonnenserenade hallt noch länger nach in der Erinnerung der Zuhörer.