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Sara Kajak und Hanna Walter sind Hegemeisterinnen im Wildgehege des Neandertals

Frau(en) der Woche : Sie sind die Hegemeisterinnen vom Tal

Sara Kajak und Hanna Walter gehören zu einem Team, das sich mit viel Herzblut um Auerochsen, Wisente und Tarpane im Neandertal kümmert. Wenn sie Urlaub haben, werden sie sogar von „Gehegeweh“ geplagt.

Gut behütet können sich Auerochsen, Tarpane und Wisente im Neandertal fühlen. Denn vier Hegemeister kümmern sich tagaus, tagein um ihr Wohlbefinden. Es sind Sara Kajak, Hanna Walter, Wilhelm Meyer-Meiser und Markus Schink. Die zwei Damen trafen wir in ihrem Büro im Wildhüterhaus neben der Steinzeitwerkstatt.

„Wir sind vier sehr unterschiedliche Menschen. Die Zusammenarbeit funktioniert toll“, sind sich die beiden einig. Ihre Tätigkeit mit und für die Tiere im Neandertal führen sie seit vielen Jahren aus. Von Hobby wollen sie nicht sprechen, denn es ist Arbeit. Aber eine, in die jeder von ihnen Herzblut hineinsteckt. „Wenn ich Urlaub habe“, erzählt Sara Kajak, „habe ich zuweilen Gehegeweh und ich besuche meine Tiere“.

Gelernt haben die Hegemeister nicht immer verwandte Berufe: Sie sind Landwirte, Schreiner, Druckereitechnik-Fachleute. Viele Lehrgänge, Weiterbildungen und Fachseminare haben die Hegemeister besucht. Die Berufsbezeichnung ist kein Lehrberuf. Berufen aber fühlen sich alle. Vielfältig sind die Aufgaben.

Für das Füttern der Auerochsen, Tarpane und Wisente sind alle abwechselnd verantwortlich. Die Grünflächenpflege des etwa 29 Hektar großen Neandertal-Geheges (für die Auerochsen allein 18 Hektar) erledigen auch alle vier Kollegen. Weitere Tiere stehen in Bruchhausen (Erkrath) und in Velbert.

Sara Kajak ist neben der Administration auch für die Absolventen des Freiwilligen Ökologischen Jahres zuständig. Vom Hauptschulabsolventen bis zum Abiturienten sind diese jungen Menschen Angestellte der Unteren Naturschutzbehörde – genauso wie die vier Hegemeister. Tiermanagement wie Zuchtauswahl oder Verkauf der Jungbullen an andere Züchter oder Schlachtbetriebe sind Aufgaben, die Sach-, Fach- und Tierkenntnis erfordern.

Morgens zwischen 7.30 und 8 Uhr werden die Auerochsen gesichtet, gefüttert und gezählt. Fehlt ein Tier, muss gesucht werden. „Das werden leicht mal zwischen fünf und acht Kilometer“, sagt Hanna Walter. Meistens bedeutet es, dass eine Kuh gekalbt hat. Die Kälber werden in versteckten und geschützten Ecken abgelegt. „Das ist die Strategie von Wildtieren“, sagen die beiden. „Wenn wir das Kalb gesichtet haben, lassen wir es in Ruhe. Die Mutter kümmert sich darum.“

Mit großem Respekt und Zuneigung sprechen sie von „Albrecht“. Er ist der Zuchtbulle der Auerochsenherde, stammt aus Brandenburg nahe der polnischen Grenze. Die Neandertaler Herde ist eine der ältesten in Europa. Und darum ist es von großer Bedeutung, dass immer wieder frisches Blut dazukommt, um Inzucht zu vermeiden. Wie nah die Hegemeisterinnen am Wohl ihrer Tiere sind, zeigt sich am Bruchhausener Altersheim. Hier leben die alten Kühe, die alle über 20 Jahre alt sind. Sie werden beobachtet und dürfen in Ruhe ihr Rentendasein genießen. Eingeschläfert werden sie erst, wenn es ihnen nicht mehr gut geht. „Das Gelände hat keine Berge“, sagt Sara Kajak, damit sie nicht zu viel kraxeln müssen. Zwei andere Seniorinnen sind die Wisent-Damen, die im oberen Teil des Neandertal-Geheges leben. Sie seien robuster als die Auerochsen. Man könne fast sagen, sie seien unsozial, lernen wir. In naher Zukunft wird es im Neandertal eine neue Wisent-Herde geben. Das Gelände ist bereits vorbereitet und eingezäunt. Die Anzahl der Tiere schwankt noch zwischen vier und sechs.

Die neuen Bewohner werden eine Attraktion im Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet sein. Tatsächlich ist die Zusammenführung von Menschen und Natur im Neandertal die zentrale Aufgabe der Hegemeister. Sie lehren und werben dafür, dass die Besucher für mehr Natur-Verständnis sensibilisiert werden. Und dafür, dass die Besucher Verantwortung übernehmen. Die Symbiose von Naturschönheit und den hier lebenden Wildtieren verpflichtet, sind sich die Hegemeister und ihre Naturschutzbehörde einig.