Erkrath Was Organisten alles wissen müssen

Erkrath · Die zweite Orgel, die Leser bei einer RP-Führung erkunden, schmückt die Kirche St. Johannes der Täufer.

 Mit Mathias Baumeister tauchten die RP-Leser in Erkrath in die spannende Welt der Königin der Instrumente ein.

Mit Mathias Baumeister tauchten die RP-Leser in Erkrath in die spannende Welt der Königin der Instrumente ein.

Foto: Janicki, Dietrich (jd-)

Kantor Mathias Baumeister hatte sich im Vorfeld der Orgelbesichtigung viel Mühe gemacht, die wichtigsten Bauteile einer Orgel aufgezeichnet und Kopien für die Besucher angefertigt. Die Erkrather Orgel aus dem Jahr 1970 verfügt über zwei Manuale mit jeweils 56 Tasten, das Pedal hat 30 Tasten, es gibt 21 Register, 1550 Pfeifen . Die größten Pfeifen messen acht Fuß, ein Fuß entspricht dabei 30 Zentimetern. Die Orgel ist barock disponiert.

Damit haben die Erbauer großen Einfluss auf ihren Klang genommen:  Der ist bei einer barocken Orgel hell und klar, während sich der Klang der romantischen Orgel weiter entwickeln, in die Breite gehen soll. Daher verfügt die Orgel in St. Johannes der Täufer über kein so genanntes Schwellwerk, das erst in der Romantik zu großer Bedeutung avancierte. Und überhaupt: Wenn man alleine das Vokabular betrachtet, über das ein Organist verfügten muss, um sein Instrument zu verstehen, wird einem schwindlig.

Da schwirren einem Wörter wie Oberlabium, Unterlabium, Kelle, Schnabel, Zunge, Löffel, Rinne, Pfanne, Mundstück, Schleiflade, Nuss, Kopf und Birne entgegen, dass der Kopf nur so raucht. Jede Orgel ist anders, denn auch jede Kirche ist anders und das Instrument muss den Raumgegebenheiten angepasst werden.

Die erste Orgel wurde im Jahr 246 vor Christus in Alexandrien erbaut und fand erst viele Jahrhunderte später den Einsatz in der christlichen Liturgie, wie Baumeister erklärte. Er demonstrierte im Laufe der Führung die unterschiedlichen Charakteristika: Bachs Toccata (ohne Fuge) als Beispiel der Barockmusik und ein Teil der Symphonie Nr. 5 von Charles Widor, dem großen Vertreter der französischen Romantik. Das für diese Musik notwendige Schwellwerk, das eine stufenlose Veränderung der Dynamik ermöglicht, ersetzte der Organist bravourös durch Spielstärke.

Eine Orgel ist ein empfindliches Instrument, das bereits Temperaturschwankungen von zwei bis drei Grad äußerst übel nimmt. Daher muss der Organist immer wieder zum Werkzeug greifen und die einzelnen Flöten nachstimmen. Dabei verlässt er sich ausschließlich auf sein Gehör.

Bei den kleinen Pfeifen, die in der Nähe des Spieltisches platziert sind, ist das Stimmen noch kein großes Problem, denn der Ton muss ja am Spieltisch angeschlagen und die Pfeife an ihrem Platz bearbeitet werden. Bei den großen Pfeifen, zu denen man erst hinaufklettern muss, ist eine zweite Person dann aber doch unverzichtbar.

Es war ein lehrreicher Vormittag, den die Gäste offensichtlich genossen. Doch auch Gastgeber Mathias Baumeister hatte sichtliches Vergnügen, denn er konnte einmal wieder von seiner Leidenschaft sprechen: Für seine Orgel tut er nämlich einfach alles.

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