Geistliches Wort aus Erkrath Recht auf Party?

Erkrath · In seinem Geistlichen Wort beleuchtet Pfarrer Lutz Martini das vermeintliche „Recht auf Party“, das einige derzeit für sich in Anspruch nehmen. Ist dies das Recht auf persönliche Freiheit und Entfaltung – oder einfach nur mangelndes Verantwortungsgefühl gegenüber der Gemeinschaft?

 Gottesdienst im Autokino: Pfarrer Lutz Martini

Gottesdienst im Autokino: Pfarrer Lutz Martini

Foto: "Köhlen, Stephan (teph)"/Köhlen, Stephan (teph)

Ich habe ein Recht auf Party!“ sagte jetzt voller Überzeugung eine Anfang Zwanzigjährige in die Fernsehkamera. Ort: Ein Hotspot der Feierszene in den Clubs der Ferienorte von Kroatien. Hundert Prozent geile Zeit. Hygiene und Abstandsregeln wegen Corona? – null Prozent.

Ein Recht auf Party? Wo ist das verankert? Ich habe mal in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, wie sie 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurde, nachgelesen.

Da heißt es im Artikel 27 (1): Jeder Mensch hat das Recht, am kulturellen Leben der Gemeinschaft frei teilzunehmen, sich der Künste zu erfreuen und am wissenschaftlichen Fortschritt und dessen Wohltaten teilzuhaben.

Ich habe leise Zweifel, ob sich die junge Dame in ihrer Feierlaune auf diesen Artikel der Allgemeinen Menschenrechte berufen wollte und in dem oben zitierten Artikel mit dem kulturellen Leben auch die Auswüchse von Erscheinungen der Jugendkultur unter Pandemie-Bedingungen erfasst wurden.

Zudem heißt es auch in Artikel 29(1): Jeder Mensch hat Pflichten gegenüber der Gemeinschaft, in der allein die freie und volle Entwicklung seiner Persönlichkeit möglich ist.

Da haben wir es: In unserem gesellschaftlichen Miteinander geht es nicht nur um den Einzelnen, sondern das Ganze der Gesellschaft muss im Blick bleiben.

Im biblischen Sprachgebrauch findet sich dazu das Jesuswort: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ – Den Nächsten zu lieben, das kann unter den Bedingungen von Corona auch heißen, von dem Nächsten Abstand zu halten, ihn und sich selbst vor Ansteckung zu schützen.

In diesen Zeiten, wo so viele Menschen auf vieles verzichtet haben, wo so viele Menschen vieles verloren haben, da ist Eigennutz, Eigensinn eine kurzsichtige Sinnlosigkeit. Das gilt für jeden im persönlichen Umfeld wie auch für die ganze Weltgemeinschaft.

Gerade jetzt in der Zeit der immer noch schlimm grassierenden Corona-Pandemie ist mein Nächster nicht nur der, der mit mir zusammen durch das Einhalten der Hygieneregeln, das Tragen einer Maske und Abstand halten das „Liebe deinen Nächsten“ verwirklicht.

Auch die Menschen in allen Ländern dieser Welt, die am Ende einer langen Infektionskette an Covid-19 erkranken, sind unsere Nächsten. Was ist jetzt wichtig?

Ein Recht auf Party?

Lutz Martini
Pfarrer in Hochdahl

(RP)
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