Ratingen: Rocker wollen ihre Harleys zurück

Kreis Mettmann : Rocker wollen ihre Harleys zurück

Vor Gericht wehren die Rocker sich gegen Beschlagnahmungen ihres Eigentums.

Gehören die Harleys der Hells Angels zum Vereinsvermögen? Oder sind die Mitglieder des Motorradclubs damit privat unterwegs? Unter anderem mit dieser Frage beschäftigt sich gerade das Düsseldorfer Verwaltungsgericht, nachdem Vereinsmitglieder gegen die Sicherstellung der bei einer Razzia im Oktober 2017 eingezogenen Gegenstände geklagt hatten. Damals waren der Erkrather Rockerverein „Hells Angels MC Concrete City“ und die Teilorganisation „Clan 81 Germany“ verboten wurden. „Die Hells Angels versuchen, Macht- und Gebietsansprüche aggressiv gegen verfeindete Klubs durchzusetzen. Der Rechtsstaat nimmt nicht hin, dass Parallelgesellschaften wuchern, in denen seine Autorität und das Gewaltmonopol missachtet werden“, hatte NRW-Innenminister das Vereinsverbot damals begründet.

Bei der Großrazzia in 16 NRW-Städten – unter anderem in Erkrath, Wülfrath, Ratingen und Heiligenhaus – waren nicht nur Motorräder, sondern auch Kutten und Bargeld sichergestellt worden. Das Verfahren um deren Rückgabe läuft seit zwei Jahren – nun werden die Einzelklagen verhandelt. „Die Behörde ist bereits eingeknickt und hat die konfiszierten Gegenstände teilweise wieder herausgegeben“, war von Anwalt Wolf Bonn zu hören. Seine Kanzlei vertritt 39 Vereinsmitglieder gegen das Land NRW. Dass die Vereinsmitglieder auf Harleys zu Cafés gefahren sein sollen, um dort eine Drohkulisse aufzubauen, bestreiten sowohl die Kläger als auch deren Anwalt. „Dass eine Horde von Rockern auf ihren Motorrädern sitzt und brummend an anderen Chartern vorbeifährt – das ist ein Klischee. Sowas gibt es nicht“, so Anwalt Wolf Bonn. In Erkrath gebe es auch keine Konkurrenz der Hells Angels zu libanesischen Clans, einige Familienmitglieder seien dort sogar Mitglied. Und der Besitz einer Harley sei auch keine Voraussetzung für die Vereinsmitgliedschaft - auch deshalb müsse davon ausgegangen werden, dass sich die Motorräder im Privatbesitz befinden würden.

Beim Land sieht man das anders, dort betrachtet man die Zweiräder als Teil des Vereinsvermögens. Es sei davon auszugehen, dass sie benutzt worden seien, um Drohkulissen aufzubauen und die rechtswidrigen Zwecke des Vereins zu fördern. „Die Mitglieder des Vereins sind nachweislich kriminell. Ihr Alltag besteht aus Gewalt, Waffen, Drogen und Zwangsprostitution“, hatte NRW-Innenminister Herbert Reul im Zuge des Vereinsverbotes erklärt. in Klage gegen die Verbotsverfügung ist noch immer beim Oberverwaltungsgericht anhängig. Ob das Land die sichergestellten Gegenstände zurückgeben muss, steht noch nicht fest. Den Klägern sollen die Gerichtsentscheide in den kommenden Wochen zugestellt werden.

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