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Projektchor Hochdahl hat Petrus mal episch besungen

Projektchor Hochdahl : Petrus mal episch besungen

Der Hochdahler Projektchor begeisterte mit einem Gesamtkunstwerk.

Selbst eine Doppel-Langspielplatte dürfte nicht ausreichen, würde der Projektchor Hochdahl sein jetzt in der Kirche Heilig Geist uraufgeführtes Epos „Auf den Spuren des Petrus“ auf Vinyl veröffentlichen wollen. Satte zwei Stunden Eigenwerk wurde den treuen Choranhängern in der voll besetzten Kirche geboten. Mit einem derartigem Gesamtkunstwerk hatten wohl die wenigsten gerechnet, sonst hätten viele Sitzfleischkissen mitgebracht.

Clever ist die Idee, die Geschichte des Menschenfischers in das Erlebnis einer zeitgenössischen Reisegruppe zu betten. So konnte der Chor die Weite der Kirche erlaufen und sich vom Taufbecken bis zum Tabernakel in verschiedenem Licht präsentieren. Mindestens ein Hit für die Ewigkeit war herauszuhören, als bereits nach dem ersten Viertel Bassbariton Christian Berkenbusch den Petrus als zweifelnden Sucher in dem melancholischen Lied „In der Finsternis tanzen Schatten“ verkörperte.

Hier gelang das seltene Kunststück einer perfekten Symbiose aus Komposition und Interpretation. Die Perspektiven wechseln Schlag auf Schlag innerhalb des Stückes. Da erwies es sich als äußerst hilfreich, dass den Zuschauern sowohl ein umfangreiches Libretto an die Hand gegeben als auch der Text per Beamer an das Bühnenbild projiziert wurde.

Hochsopranistin Désirée Astor nahm für die Balladenklage „Ach, Petrus“ die Rolle des Gewissenengelchen auf der Schulter des Leugners von Jesus Christus ein. Der einstige Vorzeigejünger ist zur Mitte des Stückes in einem Sumpf auf Scham versunken. Das bietet Luft nach oben, die der Chor nutzte, um seine missionarische Botschaft zu platzieren. Dieses Oratorium setzt sich mindestens in diesem Punkt von schönfarbigen Musicals ab. Es transportiert Inhalt. Demnach gleiche die Spurensuche zu Gott einer Reise. Die seltenen Auftritte des Projektchores beschäftigen sich mit global gültigen Fragen, sind aber auch Feiern mit Lokalkolorit. Sie können als die inoffizielen Hochdahler Passionspiele gelten.

Mit dabei waren diesmal auch die Quasinachbarn Jona Teichmann, die im Programmheft eine schlüssige Interpretation der ansonsten wildkomplexen Storyline anbot und Jörg Schönenborn. Mit ihm vernüpft sich sonst sachlich politische Berichterstattung, doch als er, getragen vom Klangteppich der Chorcombo, mit einem traumhaften Text die Erweckung des Petrus umschreibt, zieht mit dem Bruch der Gewohnheit eine nachhaltende Überraschung ein.

Für den 30.Oktober bietet der Projektchor wegen zahlreicher Nachfragen eine weitere Veranstaltung zu seiner musikalische Reise „Auf den Spuren des Petrus“ an.