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Piloten-Enkelin aus Kanada besucht Absturzstelle im Stinderbachtal bei Erkrath

Im Stinderbachtal : Piloten-Enkelin besucht Absturzstelle

Lori Williams' Großvater war an Bord eines Bombers, der im März 1945 im Stinderbachtal abgeschossen wurde.

Selbst am idyllischen Stinderbachtal, zwischen Mettmann und Erkrath gelegen, ist der Zweite Weltkrieg nicht vorbei gegangen. Was hier aber geschildert wird, war nahezu 72 Jahre nicht bekannt.

Erst drei engagierte Hobby-Archäologen, die ehrenamtlich ihre Kraft und Ausdauer dem LVR-Amt für Bodendenkmalpflege zur Verfügung stellen, begannen im November 2017 eine Wiese nahe der Stindermühle systematisch umzugraben und abzusuchen. Durch längst vergessene Zeitzeugenberichte neugierig geworden, hörten sie von dem Absturz eines amerikanischen Bombers, nahmen Kontakt auf mit verschiedenen Behörden im In- und Ausland  und erfuhren, dass tatsächlich am 26. April 1945 exakt um 16.22 Uhr eine „Flying Fortress“, ein Bomber der US Luftwaffe dort abgestürzt sei.

Nun galt es, Beweise zu suchen und zu sichern. In mühsamer Kleinarbeit wurden in zirka 30 Zentimeter Tiefe Einzelteile der Maschine gefunden und nach und nach stellte sich heraus, dass die abgestürzte Maschine nicht zur amerikanischen Luftwaffe, sondern zur British Royal Airforce gehörte und eine kanadische Halifax war. Kanada gehört zum British Commonwealth und war somit in das Kriegsgeschehen eingebunden.

Es beginnt eine umfangreiche Recherche, bis hin nach Kanada, um so viel wie möglich aufzuklären, über die Besatzung zu berichten, die teils bei dem Absturz tödlich verunglückte, einige aber auch überlebten und in Gefangenschaft genommen wurden.

Unter den Überlebenden war ein 23-jähriger Mann, Eiler Villy Andersen, der als Bordfunker und -schütze an Bord der Halifax seinen Dienst tat. Und nun kommt eine Frau ins Spiel – Lori Williams, die Enkelin von E.V. Andersen, die die Archäologen bei ihren Recherchen in Burlington Ontario ausfindig gemacht haben und die seit vielen Jahren am Schicksal ihres Großvaters interessiert war. Sie ist mit ihrem Mann Clint nach Deutschland geflogen und besuchte mit zwei der Ehrenamtler beim Landschaftsverband Rheinland die Stelle am Stinderbach, an der ihr Großvater abgestürzt, aber doch mit dem Laben davongekommen war.

Lori erzählte, dass ihr Großvater 1921 in Odense geboren wurde als Kind dänischer Eltern, die wohl auf Grund der Weltwirtschaftskrise 1929 nach Kanada auswandert waren. Für Lori war es ein Schock, als sie von den deutschen archäologischen Untersuchungen hörte, die sich um die Einzelheiten des Absturzes bemühten. Auch beim Anblick der so lieblich ausschauenden Wiese und dem Geplätscher des Bächleins kommen ihr ein paar Tränen.

Zu Hause hat sie alle möglichen Gegenstände ihres Großvaters verwahrt, die an seine Dienstzeit bei der Kanadischen Luftwaffe erinnern – Orden und Ehrenzeichen. Sie bewahrte alles, ohne die wahren Hintergründe zu kennen, denn Eiler Andersen hat nie von seinen Erlebnissen im Krieg erzählt. Doch nun stand Lori auf derselben Wiese wie einst ihr Großvater.

Auch der Kameraden, die nicht das Glück hatten, den Absturz zu überleben und nach Hause zurückkehren zu können, sollte gedacht werden. Die beiden Mitarbeiter des LVR, Jürgen Stecher und Sven Polkläser, fuhren mit dem Ehepaar Williams noch nach Kleve, wo im Reichswald ein Soldatenfriedhof die letzte Ruhestätte der verstorbenen Besatzungsmitglieder geworden ist.