Pakistani lebt in Erkrath und schneidert für sein Leben gern

Erkrath : Pakistani schneidert für sein Leben gern

Der 35-jährige gelernte Schneider Tariq Hussain Mazahir sucht derzeit einen Praktikumsplatz.

Das Sozialkaufhaus Rundum des SKFM (Sozialdienst katholischer Frauen und Männer) in Erkrath kümmert sich auch um Tariq Hussain Mazahir. Insbesondere Matthias Königsberg vom dortigen Arbeitslosenzentrum begleitet und vermittelt den Job-Suchenden. Denn Mazahir sucht einen Praktikumsplatz in einer Schneiderei. Der 35-jährige Pakistani aus Karachi lebt seit zwei Jahren und vier Monaten in Erkrath.

Zusammen mit seiner Frau Kawarami (30) und seinen sechs Kindern wohnt er in der Flüchtlingsunterkunft am Steinhof. Die vorläufige Aufenthaltsgestattung ist zunächst bis Mitte 2019 gültig. Dann wird neu entschieden. Der jüngste Sohn ist eineinhalb Jahre alt und wurde im Mettmanner Krankenhaus geboren. Fünf Söhne hat Mazahir und eine Tochter.

Bis auf den kleinsten gehen alle Kinder in Erkrath zur Gundschule oder in den Kindergarten.

Zuhause in seiner Heimatstadt war Tariq Hussain Mazahir selbstständig. Der gelernte Schneider beschäftigte in seiner Schneiderei fünf Angestellte. „Ich möchte so gerne hier in Deutschland ein Praktikum als Schneider machen, um in meinem Beruf zu arbeiten und um Deutsch zu sprechen“, sagt Mazahir. Arbeiten durfte er schon, aber nicht in seinem Beruf. Er hat bei einem Düsseldorfer Caterer als Aushilfe gearbeitet. Die Bezahlung sei nicht korrekt gewesen, sagt Mazahir. Er würde auch ohne Bezahlung in seinem Beruf arbeiten. Ein Praktikum bei einer Änderungsschneiderei würde ihm gefallen.

Beim SKFM in Erkrath hat sich der Schneider schon nützlich gemacht. 20 Einkaufstaschen aus Stoff hat er auf der dortigen Nähmaschine genäht. Die hübschen und bunten Taschen wurden zum Teil von der Hochdahler Buchhandlung Weber gekauft. Dort können die Taschen für einen Obulus ausgeliehen werden. „In meinem Geschäft in Karachi hatte ich eine große japanische Nähmaschine“, erzählt der Schneider. Gerne würde Mazahir noch mehr Taschen nähen, wenn Bedarf besteht.

Überhaupt ist der sechsfache Familienvater sehr um eine Integration bemüht. Er besucht jetzt den dritten Deutsch-Kurs in einer Düsseldorfer Sprachenschule am Oberbilker Markt.

Das erforderliche Ticket für S-Bahn und Straßenbahn wurde ihm zur Verfügung gestellt. Zwar hat er noch Probleme, die deutsche Sprache zu verstehen, aber ein Gespräch ist möglich.

„Die pakistanischen Talliban erkennen sofort an unseren Vornamen, dass wir Schiiten sind“, sagt Tariq Hussain. „Daher hat die ganze Familie Repressalien erdulden müssen“, fügt er hinzu. Es kam sogar vor, dass man ihm eine Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln verboten habe.

Die Flugtickets von Karachi nach Berlin für seine damals siebenköpfige Familie hat Mazahir aus eigener Tasche bezahlt. Sehr beengt sind die Wohnverhältnisse in der Unterkunft am Steinhof. Mehrere Familienmitglieder müssen in einem Bett schlafen, die Mutter mit der Tochter und der Vater mit einem der Söhne. Seine Frau hat auch schon einen Deutschkurs besucht.

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