Erkrath: Neues Konzept für die Neander-Stuben

Erkrath : Neues Konzept für die Neander-Stuben

Das historische Steinhaus mit der Adresse Neandertal 1 wird derzeit kernsaniert. Die neue Besitzerin will dort ein Gastronomie- und Kulturprojekt verwirklichen. Aber keine Sorge: Es gibt weiterhin Kaffee, Kuchen und Beerenweine.

Filmemacherin Caterina Klusemann ist Projektarbeit gewohnt. Aber das Großprojekt "Neandertal No1", Nachfolger der ehemaligen Neander-Stuben gegenüber des Museums an der Talstraße, bringt sie dann doch immer mal wieder um den Schlaf. Es ist ja auch noch unendlich viel zu tun bis zur Eröffnung, die für Ende März 2017 geplant ist. Bis dahin geben sich Schreiner, Elektriker, Maurer, Maler und Dachdecker in dem 1851 erbauten Steinhaus Werktag für Werktag die Klinke in die Hand.

Im Inneren des Hauses wird derzeit auf Hochtouren gearbeitet. Foto: Janicki Dietrich

Drinnen ist manches noch auf dem Stand von anno dazumal, zum Beispiel Decken und Böden, die den heutigen Brandschutzbestimmungen nicht mehr standhalten. Eine Zentralheizung gab es bis zuletzt auch nicht und die Bäder haben dringend Auffrischung nötig. Außerdem wird derzeit Verborgenes, Verbautes und Verspachteltes wieder freigelegt, zum Beispiel schmückende Rundbögen, dekorativ-tragende Balken, eine historische Höhle und ein Zimmer mit wildem Farn, der zwischen Steinen wächst. "Wir haben bei den Arbeiten viele positive Überraschungen erlebt und wollen möglichst viele Originaldetails erhalten", sagt Caterina Klusemann, die sich mit dem Hauskauf einen Traum erfüllt hat.

Den hegte sie, seit sie das Neandertal als Ausflugsziel entdeckt hat. Vor acht Jahren kam sie mit ihrer Familie, zu der mittlerweile drei Kinder und ein Hund gehören, nach Düsseldorf und suchte an den Wochenenden Erholung im Grünen. Bei Spaziergängen durchs Tal, die stets am Parkplatz nahe der damaligen Neander-Stuben endeten, sei ihr immer wieder "das imposante Steinhaus" aufgefallen, das sie so sehr an ihre Heimat erinnere.

"Ich bin in der Toskana in einem Natursteinhaus aufgewachsen. Mit diesem schönen Haus im Neandertal kann ich mein Heimweh besänftigen", sagt die Tochter des Malers Georg Klusemann und der aus Venezuela stammenden Soziologin und Fotografin Elena Hochman-Klusemann, die sich als Dokumentarfilmerin und Regisseurin einen Namen gemacht hat. In ihr auf die Bedürfnisse von Ausflüglern, insbesondere auf Familien ausgerichtetes Projekt "Neandertal No1" sollen persönliche Vorlieben - gutes, aber einfaches Essen, moderne Raumgestaltung, Kunst und Kultur - einfließen, ohne die Geschichte des Hauses aufzugeben oder die kulinarischen Produkte der Region aus den Augen zu verlieren, betont sie. Von einer offenen Küche aus sollen bald Frühstück, Suppen und Toasties, Kuchen und Kleingebäck, selbstgemachtes Eis und am frühen Abend an der Bar das italienische Trio Salamino, Pecorino und Oliven zum Aperitif angeboten werden.

Was Caterina Klusemann mit ihren Ersparnissen und einer wohlwollenden Bank verwirklichen will, ist ein Erdgeschoss voller gemütlicher, heller und freundlicher Räume, die zum Verweilen und Ausruhen einladen, mit Spiel- und Lese-Ecken, Sesseln und Sofas, Bücherregalen und Zeitungen in klassischen Caféhaushaltern. Es soll einen Wintergarten und eine große Terrasse mit Platz für 80 Gäste geben. Im Stockwerk darüber wohnt sie mit ihrer Familie und im zweiten Stock wird es eine Einlieger- und eine Ferienwohnung geben.

Im März 2017 will Klusemann aber erst einmal mit Kaffee und Kuchen und den traditionell in den Neander-Stuben ausgeschenkten Beerenweinen beginnen. Ihr ambitioniertes Großprojekt will sie dann Schritt für Schritt weiterentwickeln, mit eigenen und eingemieteten Veranstaltungen, mit Lesungen, Musikabenden, Kochveranstaltungen, Vorträgen über die Düssel, das Wandern, den Wald - um nur einige Themen des breiten Spektrums zu nennen, das Klusemann vorschwebt.

Auch für jene, die sich bei all den Konzepten von "sorgfältig kuratierter Schlichtheit" und "multidisziplinären Veranstaltungsreihen" womöglich um die Authentizität des Ortes sorgen, ist etwas dabei: Weil Vorbesitzerin Gerlind Hünecke ihr viele historische Papiere und Fotos überlassen hat, kann Caterina Klusemann die Geschichte des Hauses mit Höhle anschaulich dokumentieren: Vom Lebensmittelladen für Kalkarbeiter, Schutzbunker-Höhle im Krieg bis hin zum Ausflugslokal Neander-Stuben. Dass bei den Sanierungsarbeiten unter anderem Schuhe gefunden wurden, die wohl noch aus der Kalkarbeiter-Zeit stammen, hilft dabei.

(RP)