Hochdahl: Messe wirbt für mehr Toleranz

Hochdahl: Messe wirbt für mehr Toleranz

Der Erkrather Gendertreff unterstützt Menschen, die das Gefühl haben, mit dem falschen Geschlecht zur Welt gekommen zu sein, sowie deren Angehörige. Jetzt gab es für Betroffene viele Informationen im Bürgerhaus.

Xenia und Ute Eßbach sind seit 35 Jahren verheiratet. Doch erst nach 19 Jahren Ehe leben sie als Frau und Frau zusammen. Xenia Eßbach kam als Frau im Körper eines Mannes zur Welt. Sie sei transident, wie sie betont: „Frau zu sein – damit gehe ich nicht meinem Wunschgeschlecht nach. Ich bin immer eine Frau gewesen.“ Xenia Eßbach ist Vorsitzende des Vereins Erkrather Gendertreff.

„Unter Transition verstehen wir keine Geschlechtsumwandlung, sondern die körperliche Angleichung an das innere Wesen“, erklärt Eßbach. Der Gendertreff ist eine Aufklärungsorganisation für Transgender sowie deren Angehörigen. Der Verein versteht sich als Informations- und Austauschplattform. Darüber hinaus betreuen die Mitglieder in vielen Orten im Bundesgebiet regelmäßig Selbsthilfetreffen, die in sichtbar in öffentlichen Lokalen stattfinden.

Ob nun Transidentität, -sexualität, - vestismus, Crossdressing – der Verein betreibt zu den Facetten des Transgender Aufklärungsarbeit. „Transpersonen sind ganz normale Menschen, die sich nicht verstecken brauchen“, pflichtet Ute Eßbach bei, die ebenfalls im Verein aktiv ist. Die Vereinsmitglieder betreuen eine umfangreiche Homepage mit einem Forum und treten bundesweit auf Tagungen und Messen in Erscheinung. Schon seit 14 Jahren, doch erst seit November 2017 als eingetragener Verein. „So werden wir noch besser wahrgenommen und können die Interessen von transidenten Menschen noch stärker in die Öffentlichkeit tragen“, weiß Ava Haupt, die Vize-Vorsitzende des Vereins, zu berichten.

Derzeit sind 43 Mitglieder im Verein aktiv. Im Bürgerhaus Hochdahl lud der Gendertreff jetzt zur zweiten Fach- und Informationsmesse rund um das Thema Transgender und Transition. Bürgermeister Christoph Schultz erklärte in seiner Begrüßungsrede, wie wichtig es sei, dass sich Betroffene und Angehörige mit Experten austauschen können. „Von Seiten der Öffentlichkeit gibt es noch viel Bedarf, um dem Thema die Aufmerksamkeit zu schenken, die es verdient“, fügt Schultz hinzu.

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Die Aussteller auf der Messe waren Ansprechpartner für vielerlei Belange. Hinter den Ständen standen Endokrinologen als Experten für hormonelle Behandlungen und zwei professionalisierte Psychologinnen standen zum Gespräch bereit. Mehrere Aussteller widmeten sich rein kosmetischen Belangen: Perücken und Haarentfernungen. Hinzu kamen 14 Fachvorträge. In ihnen ging es um geschlechtsangleichende Operationen – egal ob von Frau zu Mann oder umgekehrt – um Logopädie sowie Wellness.

Die medizinischen Vorträge wurden von Vertretern mehrerer Spezialkliniken abgehalten. Sie sind an der Urologischen Klinik München-Planegg, dem Klinikum Landkreis Erding oder dem Klinikum Essen-Mitte als Mediziner tätig. Xenia Eßbach freute sich, im Rahmen der Fachmesse ein deutliches Statement in Form einer grünen Postkarte in Umlauf zu bringen zu können.

Auf der Karte steht geschrieben: „Die Grüne Karte für Diversity – Für Vielfalt und Toleranz.“ Der Gendertreff hatte sich das Konzept hinter der Karte ausgedacht. „Als Gegenteil zum Platzverweis, wie man ihm beim Fußball durch die rote Karte kennt“, schmunzelt Eßbach.

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