Erkrath: Mehr Recycling - aber auch mehr Müll

Erkrath: Mehr Recycling - aber auch mehr Müll

Helga Willmes-Sternberg ist seit 25 jahren Abfallberaterin in Erkrath. Am 7. März gibt es eine Infoveranstaltung.

Als vor 25 Jahren die Stadt Erkrath als eine der letzten Kommunen eine Abfallberatung einführte, gab es einen wahren Ansturm auf die ausgeschriebene Stelle. Helga Willmes-Sternberg konnte sich 1992 jedoch gegen ihre 106 Mitbewerber durchsetzen und berät die Bürger damals wie heute mit viel Freude und Engagement. "Das war damals wie ein Sechser im Lotto für mich, weil das Thema mich schon immer interessiert und beschäftigt hat", sagt die Abfallberaterin.

Dass diese Stelle durch die Pflicht der Verpackungsverordnung und die Einführung des Dualen Systems dringend benötigt wurde, zeigte der Beratungsbedarf der Haushalte deutlich. Denn mit diesen Änderungen reagierte man zwar auf ein Bedürfnis der Bürger, da die Deponien überfüllt waren und gleichzeitig nicht unzählige neue Müllverbrennungsanlagen vor den Haustüren entstehen sollten. Aber dieses Bedürfnis erforderte ein Umdenken: Es musste insgesamt weniger Abfall entstehen. Dies sollte auf zweierlei Art geschehen - erstens über mehr Recycling und zweitens durch Abfallvermeidung, die beispielsweise schon bei weniger Müll in der Produktion beginnt.

Rückblick. Die vielen Neuerungen erforderten, dass den Bürgern Hilfestellung geleistet wurde. So gab es ab 1993 neben der blauen Tonne für Altpapier auch die Trennung von Verkaufsverpackungen in gelben Säcken und Tonnen. Zudem wurde auch die Farbtrennung von Glas eingeführt. Die Recyclingquote, also der Anteil der gesamten Abfallmenge, der verwertet wird, stieg so von 18 Prozent auf mehr als 23 Prozent. Mit der Einführung der Biotonne 1996, die durch die Umstellung auf einen 14-tägigen Leerungsrhythmus fast kostenneutral geschehen konnte, stieg die Recyclingquote zwar auf 35,6 Prozent, der Beratungsbedarf erhöhte sich jedoch auch. Seit diesen grundlegenden Änderungen wurden neben Differenzierungen in der Sperrgutabfuhr auch die Leerungen von gelben und blauen Tonnen auf einen zwei-Wochen- Rhythmus umgestellt. Die Recyclingquote war so bis 2016 auf 58 Prozent angestiegen.

Helga Willmes-Sternberg gibt aber auch zu bedenken, dass die Gesamtabfallmenge trotz der steigenden Recyclingquote seit 1990 stetig zugenommen hat. Als möglichen Grund sieht sie den Anstieg der Konsumgütermasse: "Viele Konsumgüter sind nicht mehr wie früher langlebig, sondern werden in der heutigen Zeit zunehmend schneller weggeworfen." Kleidung werde zum Beispiel nach dem jeweiligen Trend gekauft und Elektrogeräte seien von Herstellern oft gezielt kurzlebig konstruiert. "Gegen diese Entwicklung zu wirken, ist leider schwierig, deshalb ist eine gute Beratung umso wichtiger", sagt Willmes-Sternberg.

Die Folgen, die 2019 mit der Änderung der Verpackungsverordnung in ein Gesetz münden könnten, sind noch unklar. Mögliche zukünftige Entwicklungen, mit denen die Potenziale der Wertstofftrennung weiter ausgeschöpft werden könnten, sind unter anderem eine Wertstofftonne und eine Alttextilsammlung. In der Bürgerinfoveranstaltung am 7. März soll über solche Vorschläge, aber auch über zusätzliche Serviceleistungen wie die Säuberung der Tonnen gesprochen werden. Willmes-Sternberg, die dort beratend aktiv sein wird, hat diesen Wandel von Beginn an begleitet. Sie hofft, "dass sie die Mülltrennung den Menschen immer wieder aufs Neue näherbringen kann, vor allem denen, die nicht mit diesem System aufgewachsen sind".

(RP)