1. NRW
  2. Städte
  3. Erkrath

Erkrath/Wülfrath: Katy Sedna gewinnt den Krieg der Sterne

Erkrath/Wülfrath : Katy Sedna gewinnt den Krieg der Sterne

Im Observatorium Neanderhöhe macht sich die Sängerin ein Bild von dem Planeten, der ihren Namen trägt.

Vor zehn Jahren geriet die Wülfratherin Katy Sedna ganz unverhofft ins Zentrum eines galaktischen Konfliktes. Dabei ging es um nicht weniger als die Entscheidung, wer den Himmelskörpern ihre Namen geben darf. Es war die astronomische Sensation des Jahrhunderts, als damals Mike Brown den zehnten Planeten unseres Sonnensystems entdeckte. Der Amerikaner gab seinem Fund nach alter Tradition einen göttlichen Namen. Auf einer Pressekonferenz in Washington am 15. März 2004, verkündete er den internationalen Medien, dass er die kalte neue Welt nach der schwarzhaarigen Inuit-Göttin des Eismeeres 'Sedna' taufe.

Brown unterlief damit das offiziell geltende Regelwerk zur Namensgebung. Die Entscheidungshoheit über die Nomenklatur solcher Kleinplaneten liegt bei der Internationalen Astronomische Union (IAU) in Paris, welche auf Antrag die Namensvorschläge der Entdecker erst prüft und dann genehmigt. Eine Gruppe von Astronomen namens 'Himmelspolizei' protestierte gegen das eigenmächtige Handeln Browns. Allen voran stellte sich ihm Reiner Stoss von der hessischen Starkenburg-Sternwarte entgegen.

Da im Universum nicht zwei Flugkörper den gleichen Namen tragen dürfen, versuchte Stoss den Namen 'Sedna' für sich zu reservieren, damit Brown ihn nicht länger für seinen Sensationsfund nutzen könnte. Dazu beantragte Stoss bei der IAU formal korrekt, einen von ihm entdeckten und noch unbenannten Asteroiden (60175) nach der Göttin Sedna zu benennen. Die IAU lehnte ab, da Objekte im Hauptgürtel zwischen Mars und Jupiter nicht nach einer Gottheit benannt werden dürften.

Stoss versuchte es erneut: "Wenn eine Gottheit nicht akzeptiert wird, warum es nicht mit einer Sängerin versuchen." So beantragte Stoss am 16. März 2004 für seinen Asteroiden und zu Ehren der Wülfrather Sängerin Katy Sedna den Namen 'Sedna'. Sechs Monate lang wurde in den Gremien der IAU um die Entscheidung gerungen, ob nun Brown oder Stoss seinen Fund 'Sedna' nennen dürfe. Erst am 19. September 2004 teilte die IAU schließlich mit, dass man Stoss' Namensvorschlag für Asteroid 60175 von 'Sedna' in 'Katysedna' geändert habe. Verärgert zog Stoss daraufhin seinen Benennungsantrag zurück. Brown hatte sich endgültig mit seiner Handstreich-Taktik durchgesetzt. Sein Planet wurde offiziell als 'Sedna' anerkannt. Planetenrebell Stoss lebt heute an der luftigen Adria und nennt die Sedna-Affäre in der Rückschau "eine Geschichte von vorm Krieg." Brown hingegen verarbeitete den Namensstreit in seiner im Jahr 2012 erschienenen Autobiografie "Wie ich Pluto zur Strecke brachte": "Es war der Beweis, dass Namen in der Tat eine Rolle spielen." Das Time Magazine setzte Brown als "erfolgreichsten Planetenjäger in der Geschichte unseres Sonnensystems" auf seine berühmte Liste der 100 Menschen, die unsere Welt maßgeblich geprägt oder verändert haben.

Katy Sedna bekam seinerzeit von dem Krieg der Sterne um ihren Namen gar nichts mit. Sie erfuhr erst davon, als ein Besucher eines ihrer Konzerte ihr das im Jahr 2008 erschienene Buch "The Hunt for Planet X" des Historikers Govert Schilling überreichte, in dem die Vorkommnisse dokumentiert sind. Dass ein Asteroid nach ihr benannt werden sollte, überraschte sie sehr: "Ich finde die Sache wunderbar verrückt." Zumal die Musikerin einige sternenbezogenen Lieder mit Titeln wie "Star in the Sky" oder "Brightest Star" komponiert hat. Den Gestirnen ist sie seit Langem verbunden: "Ich kann mich erinnern, wie ich als kleines Kind mit meiner Mutter fasziniert aus dem Fenster geschaut und den Nordstern gesucht habe." Besonders beeindruckt hat sie die klare Sicht zum Firmament am Himmel Afrikas: "Dieses Staunen über das Wunder, etwas zum ersten Mal zu sehen, kann man beim Beobachten des Sternenhimmels zu verschiedenen Zeiten seines Lebens immer wieder erfahren."

(lard)