„Karlsson auf dem Dach": inklusives Theatervergnügen in Erkrath

Barrierefrei : „Karlsson“ als inklusives Theatervergnügen

Das Kindertheater im Hochdahler Bürgerhaus ist stets sehr gefragt. Damit auch alle Kinder etwas davon haben, war wieder ein Gebärdendolmetscher dabei.

Ausverkauft war der große Saal im Bürgerhaus Hochdahl, als das Wittener Kinder- und Jugendtheater jetzt mit einem Klassiker der Kinderliteratur, „Karlsson vom Dach“  von Astrid Lindgren, dort gestierte. Das Besondere an diesem Nachmittag: Die Aufführung war als barrierefrei angekündigt worden, denn dank der Unterstützung der Kreissparkasse Düsseldorf konnte dieses bezaubernde  Theater auch Kindern mit Hörproblemen angeboten werden.

Die Gebärdensprachdolmetscherin Ramona Kahl aus Düsseldorf vermittelte durch ihre Simultanübersetzung diesen Kindern den Inhalt des Stückes. Ganz konzentriert folgten sie der Dolmetscherin, die ihre Aufgabe mit viel Herzblut wahrnahm. Vielleicht war die Bühne ein wenig zu breit, denn anfangs konnten nicht alle betroffenen Kinder, für die Plätze ganz vorne reserviert worden waren, der Mimik und Gestik von Ramona Kahl folgen. Aber das änderte sich bald und dem Vergnügen waren keine Grenzen mehr gesetzt.

Und darum ging es: Svante, genannt Lillebror, weil er ja der kleine Bruder von Betty ist, fühlt sich einsam, die Mama ist im Krankenhaus, die Schwester Betty will lieber mit ihrem Freund zusammen sein, Papa (viel Ernsthaftigkeit ausstrahlend von Thorge Busch)  muss arbeiten und es gibt jeden Tag Tütensuppe. Da kommt Karlsson (ein Tausendsassa der Philipp Winkler) ins Zimmer geflogen, der lustige Kerl mit dem Propeller auf dem Rücken, dem ständig irgendwelche Streiche einfallen. Aber leider geht dabei Papas  Dampfmaschine kaputt und Schuld ist Lillebror, denn niemand glaubt an die Existenz des ominösen Karlsson. Auch Ermahnungen, immer die Wahrheit zu sagen, bringen nichts: Lillebror (ein herrliches Kerlchen, diese Hannah Kirsch) weiß ja, dass es Karlsson gibt.

Tage später muss der Vater verreisen und engagiert eine Erzieherin, die auf Lillebror aufpassen soll. Das grässliche Fräulein Bock, herrlich gespielt von Dorothea Booz, schließt den Knaben ein, um in Ruhe Kaffee zu trinken und Mandelplätzchen essen zu können. Da hat sie aber nicht mit Karlsson vom Dach gerechnet, der mit einer Angel Plätzchen und Kaffeebecher durchs Fenster entführt. Und auch Einbrecher werden vom Gespenst, in das sich die beiden Freunde verwandelt haben, verscheucht. Endlich kommt Mama aus dem Krankenhaus und zum Geburtstag gibt es das heißersehnte Hündchen.

Kinder, Eltern und Großeltern hatten viel Spaß an dem  Stück und der munteren Schauspieltruppe. Und die Dolmetscherin war ein Segen. Denn wer schlecht oder kaum hört, dem entgeht bei einer Theateraufführungen einiges, Stimme und Ausdruck machen die Figuren auf der Bühne ja erst wirklich lebendig. Erkraths Behindertenbeauftragte Marion Kremerius macht sich deshalb für Dolmetscher am Rande der Kindertheaterbühne Bühne stark. Auch für die neue Kultursaison der Stadt. Die Verwaltung hat schon zugesichert,  sich erneut um einen Gebärdensprachdolmetscher zu kümmern, wenn es wieder, wie jetzt bei „Karlsson“, einen Sponsor gibt.

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