Japans Klangfarben drängen auf die Leinwände

Erkrath : Ausstellung – Japans Klangfarben drängen auf die Leinwände

Auf seiner Vernissage „Die weiteren Ansichten“ stellte Maler Michael Oliver Flüß seine jüngsten Werke vor.Inspiriert hat ihn eine Reise nach Japan.

Bei dem stets im Spätherbst stattfindenden offenen Atelier des in der Willbeck beheimateten Bildermachers Michael Oliver Flüß zeichnet sich ein deutlicher Trend ab. Über das Jahr bricht er an und ab zu Reisen auf, deren Horizontleuchten sich dann in seiner Malerei widerspiegeln.

Einhundertfünzig Schaufreudige waren im Historischen Lokschuppen zur Ausstellung erschienen, um zu erfahren, von wo der Malerarzt nun wieder frisch Eindrückliches mitgebracht hat. Zwischen Tokio und Kyoto, und somit zwischen Moderne und Tradition, ist er unterwegs gewesen. Die knallende Buntheit der Kimonos führen das Farbenfeuerwerk weiter, welches Flüß schon bei seinen Expeditionen ins Tierreich gezündet hat. Aposematische Warnzeichen wurden in der menschlichen Gestalt zu werbendem Gewebe. „Die weiteren Aussichten“ hat Flüß seine Tableauschau genannt; von den asisatischen Impressionen ist also zukünftig noch mehr zu erwarten. „Es ist jedes Jahr neu und jedes Jahr spannend“, findet auch Hausherr und Verköster Ingo Hopmann.

Zum dritten Mal fand dieses Kunstereignis von regionalweiter Anziehungskraft in der Halle neben Hopmanns Restaurant „Olive“ statt. Ganz im Kunstsinne wurde aus der Küche Vernissagehaftes wie Belugalinsen-Salat mit Apfel und Frühlauch herbeigeholt. Den sinnliche Dreiklang neben Speis und Augenschmaus machte die Musik der vom Trio auf Duo geschrumpften Gruppe „Die feine Gesellschaft“ rund. Während Pianist Tim Jansen zuhause in Herten auskurierte, warfen sich Gitarrist Stefan Weituschat und Sängerin Anke Flüß mit der Energie von Dreien ins Zeug. Ein Lied stellten sie dabei besonders in den Vordergrund: „Count to Ten“ von Tina Dico. Darin heißt es sinngemäß und weise: „Manchmal kommt man am schnellsten an, wenn man langsam geht.“

Nein, diesen Rat mochte der fleißige Vielfarbverwender Flüß so gar nicht annehmen. Sein Credo ist energetisch: „Ich nehme mir immer viel vor. Man muss sich immer viel vornehmen. Dann klappt vielleicht ein Viertel davon.“ Der sichtbare Beweis für den Willen, schier Unfassbares zu schaffen, ist das Portrait eines Hirschen, den Flüß vor eine gigantische Kachelwand plaziert hat.

Die Vielzahl der Kacheln – eine jede in eigener Schattierung – hat ihm den Spitznamen „Der Kachelmann“ eingebracht. Der Künstler behauptet gar, dass es 13.587 Kacheln seien, die er im Schweiße seines Angesichts zur Leinwand gebracht habe. Die Zahl scheint fantastisch, aber vielleicht hat Flüß sie auch einfach mit den verwendeten Farbtönen oder den Stunden verwechselt, die er dafür vor seiner Staffelei verbracht hat.

Mehr zu dem Werk von Michael Oliver Flüß gibt es auf atelier-mof.de zu sehen.

(Von Lars Mader )