Erkrath: "In Europa geht es drunter und drüber"

Erkrath : "In Europa geht es drunter und drüber"

Der Präsident des EU-Rechnungshofs war im Gymnasium am Neandertal, um mit Schülern zu debattieren.

Die Europäische Union (EU) ist eine spannende Sache und ein komplexes politisches Thema. Das finden auch die Schüler der Sozialwissenschaftskurse am Gymnasium am Neandertal. Gemeinsam mit ihrer Lehrerin Christine Demmer haben zwei der Kurse anlässlich des gestrigen Europa-Projekttages eine Podiumsdiskussion unter der Fragestellung "Gemeinsamer EU-Haushalt - Chance oder Risiko?" vorbereitet. Besonderer Gast der Diskussion war Klaus-Heiner Lehne, der Präsident des Europäischen Rechnungshofes. Der Vorschlag, an dem europaweiten Projekttag an die Schule nach Erkrath zu kommen, stammt von ihm. Denn er lief vor 42 Jahren selber mit seinem Ranzen über diesen Schulhof.

Mit der Feststellung "in Europa geht es drunter und drüber" startete die Debatte. Die prominente Stellung des Ehrengastes schreckte die Schüler der Q1 in keiner Weise ab. "Als wir die Information zu dem Projekttag bekommen haben, waren wir erst überfordert", berichten Frederik (18) und Mark (16), "aber jetzt sind wir gut vorbereitet." Die Schüler leiteten die Diskussion, stellten Fragen, warfen Thesen auf und tauschten Argumente aus. Klaus-Heiner Lehne wurde aktiv in die Gespräche eingebunden und erzählte, wie innerhalb von Fraktionen kommuniziert wird und wie er die Arbeit der EU einschätzt. Der Diskurs über einen gemeinsamen EU-Haushalt führte schnell zu grundsätzlichen Fragen: Sollte Deutschland national oder europäisch denken? Einige Schüler sind der Meinung, die geforderte Erhöhung des EU-Haushalts sei notwendig: "Wenn Europa gestärkt wird, stärkt das auch Deutschland." Ein anderer Schüler merkt an: "Aber zu welchem Preis würde Deutschland von der gewonnen Stabilität profitieren? Das Land könnte Souveränität und Macht einbüßen." Rechnungshofpräsident Lehne warf ein, dass das Konzept von einem souveränen Staat mittlerweile veraltet sei. Die Globalisierung fordere internationales Denken. "Wir haben durch die Erhöhung des EU-Haushalts einen positiven Effekt, der in keinem Verhältnis dazu steht, was wir ausgeben."

Die Schüler hakten nach: "Aber ist nicht geplant, dass Deutschland im Rahmen der Haushaltserhöhung mehr Geld für das Militär ausgeben will? Würde man dadurch nicht Konflikte provozieren?" Lehne erwiderte: Das Land zeige dadurch, dass es sich verteidigen könne. Die "goldenen Friedenszeiten" seien vorbei. Ein Schüler stimmte zu: "Deutschland ist nicht abgeschottet von Konfliktherden, da sollte man einigermaßen gewappnet sein."

Die Schüler stießen bei der Debatte auf das Thema "Brexit". Lehne berichtete, dass der Ausstieg Großbritanniens die übrigen EU-Länder zusammengeschweißt habe. Das beeindruckte die Schüler: "Durch die Medien haben wir den Eindruck, dass es nur Krisen und Probleme in der EU gebe." Lehnes Beitrag habe sie erkennen lassen, dass die EU viele Vorteile habe und an Lösungen für Konflikte arbeite. Ihr Fazit: "Die EU braucht eine bessere Vermarktung und muss transparenter werden."

(RP)
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