Immer mehr offene Fragen im Vergewaltigungsprozess

Gericht verhandelt zu Fall in Erkrath : Immer mehr offene Fragen im Vergewaltigungsprozess

Mittlerweile sind es beinahe 30 Anträge, die die Verteidigung des Angeklagten ins Feld geführt hat.

An diesem Gerichtsprozess scheiden sich die Geister. Zunächst hatten die Verteidiger des wegen Vergewaltigung angeklagten Tunesiers noch vor Beginn des mittlerweile 20. Verhandlungstages angekündigt, dass sich der Prozess noch weit in den Januar hinein hinziehen werde. Jetzt schloss der Vorsitzende Richter die Verhandlung nun schon zum wiederholten Male mit der Ankündigung, dass man am kommenden Prozesstag nun endgültig das Urteil verkünden wolle. Ob es dazu kommen wird? Fraglich. Mittlerweile sind es beinahe 30 Anträge, mittels derer die Verteidigung neue Entlastungszeugen laden oder weitere psychiatrische Gutachten in Auftrag geben wollte.

Aus Sicht der Verteidiger leide das Opfer an den Folgen einer Posttraumatischen Belastungsstörung, ausgelöst durch die Geburt des mittlerweile dreijährigen Sohnes und dessen Behinderung. Als Ursache dafür sieht die Frau des Angeklagten eine von mehreren Vergewaltigungen, bei der sie ihr Ex-Mann mit dem Bauch gegen die Kommode gestoßen haben soll.

Aus Sicht der Verteidigung ist allerdings nicht nur das Opfer, sondern auch der Angeklagte traumatisiert. Nachdem der Tunesier gehört habe, was seine Ex-Frau ihm vorwerfe, habe er sich in psychiatrische Behandlung begeben. Die behandelnden Ärzte hätte die Verteidigung nun gerne im Zeugenstand gehört – die Kammer lehnte den Antrag ab.

So wie auch weitere Anträge, mittels derer die Verteidiger gerne noch Entlastungszeugen aus Frankreich hätten einreisen lassen wollen. Auch dass der Angeklagte einer Bekannten gesagt haben soll, er habe mit den ihm vorgeworfenen Vergewaltigungen nichts zu tun, führte nicht zu deren Ladung durch das Gericht. Dort ist man längst zu der Ansicht gelangt, dass der 26-Jährige die sexuellen Übergriffe begangen hat.

Aus Sicht der Verteidigung geht es bei den Tatvorwürfen hingegen auch um Sorgerechtsstreitigkeiten für den gemeinsamen Sohn. Denn angezeigt hatte die 43-jährige Erkratherin ihren Ex-Mann offenbar erst lange nach den ihm nun vorgeworfenen Vergewaltigungen. Damals habe der Angeklagte einen tunesischen Pass für den Sohn anfertigen lassen wollen – was bei der Kindsmutter die Angst davor genährt habe, dass er das Kind außer Landes habe bringen wollen.

Von Beginn an standen auch die Tagebuchaufzeichnungen der Frau im Fokus der Verteidigung. Die sollen nachträglich korrigiert und verändert worden sein – was deren Glaubwürdigkeit in Frage stelle.

Tatsächlich gilt es mittlerweile als erwiesen, dass die 43-Jährige nach den Übergriffen diverse Sprachnachrichten auf dem ihrem Handy aufgenommen hatte, um diese später an die eigene E-Mail-Adresse zu schicken und daraus ein Tagebuch zusammenzustellen.

Die Anwälte des Angeklagten halten ihren Mandanten für unschuldig – sie hatten im Prozessverlauf wiederholt dessen Entlassung aus der U-Haft gefordert, da kein dringender Tatverdacht mehr bestehe. Das Gericht folgte dieser Auffassung nicht, der Angeklagte blieb in Haft.

Der nächste und möglicherweise letzte Verhandlungstag wurde nun für Mittwoch, 18. Dezember, kurz vor Weihnachten angesetzt und es dürfte spannend werden: Entweder der Richter verkündet das Urteil – oder es hagelt neue Anträge und der Prozess läuft weiter.