Erkrath: Im Kunsthaus gibt es richtig was zu gucken

Erkrath : Im Kunsthaus gibt es richtig was zu gucken

Zehn Studierende und Absolventen der Freien Akademie der Künste in Essen fügen Bilder zu großen Tafeln zusammen und laden zur Betrachtung ein.

Welches ist das zentrale Möbelstück eines Klassenzimmers? Immer die Tafel. Die Künstlergruppe K1.10 aus Essen hat sich daran erinnert, als sie ihre Ausstellung für das Erkrather Kunsthaus plante, das einmal eine Dorfschule war - und sich als Tribut an den Ort für eine ungewöhnliche Präsentationsform entschieden.

Einfach etwas der Reihe nach an die Wände hängen kann man schließlich immer, aber dutzende Arbeiten zu einer großen Bildertafel zusammenzufügen, in der trotzdem jedes Einzelstück zur Geltung kommt, ist eine Aufgabe, der sich die Vereinigung mit Freude gestellt hat, "weil wir gerne etwas Neues ausprobieren und für jede Ausstellung auch etwas Neues malen", wie Mitglied Claudia Nebgen erzählt.

Gezeigt werden Abstraktes, Figuratives (zum Beispiel auf Plexiglas, Mitte) und Fotomalerei - das Publikum entscheidet, ob die Klasse gut gearbeitet hat. Foto: hup

In der Schau kommt - vorbildliche Gruppendynamik - jeder der Ausstellenden gleichberechtigt zum Zug, denn die Grundmaterialien (Alu-Dibond- und Plexiglasplatten) und die Bildgröße waren vorgegeben, nur zwischen Hoch- und Querformat durfte gewählt werden. "Eigentlich male ich immer großformatig und auf Leinwand", sagt Claudia Nebgen, die im Hauptberuf Kita-Leiterin und Kunsttherapeutin ist. Sie habe sich dennoch in die Klassengemeinschaft gefügt und bei der Arbeit dann doch Spaß am Ungewohnten entwickelt. Durch den Wegfall von Größe und Form als Unterscheidungsmerkmale hätten sich die Schüler der Kunst-Klasse, darunter viele Spätberufene, noch einmal besonders in ihrer Kreativität herausgefordert gefühlt.

Rolf Abendroth etwa, Kardiologe im Ruhestand, hat mit Lack experimentiert und dabei ein zartes, schwarzweißes Gebilde geschaffen, das an die Formensprache des Jugendstils erinnert. Gleich daneben hängt, ebenfalls in Schwarzweiß und ebenfalls von Abendroth, eine Szene, die mit Hilfe einer Rakel aus der Farbe gekratzt wurde und Erinnerungen an Wachsmalstiftbilder weckt, die wohl jeder einmal als Schüler im Unterricht angefertigt hat.

An streng gezogenen Linien und perspektivischen Schachtelungen kann man unschwer die Handschrift von Architektin Monika Droste erkennen, ebenfalls Mitglied der Künstlergruppe und beim Aufbau der Ausstellung sehr besorgt, dass auch nichts aus dem Tafel-Rahmen fällt, jedenfalls nicht buchstäblich. Alle Bilder wurden schließlich fixiert, aber auf Widerruf, denn alles, was gezeigt wird, ist käuflich, Preise nach Verhandlung irgendwo zwischen 200 und 400 Euro, sagt die Gruppe.

Zur Wahl stehen Abstraktes, Figuratives und Fotomalerei und das Publikum entscheidet, ob die Malklasse gut gearbeitet hat. Gefunden hat sie sich 2015 an der Freien Akademie der bildenden Künste in Essen und stellt seither unter dem Namen K1.10 in der Region aus, in Düsseldorf, Meerbusch und zuletzt in der Solinger Südpark-Galerie. Note bisher immer "sehr gut".

(RP)