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Hupkonzert bei Poetry Slam im Autokino in Erkrath

Premiere unter freiem Himmel in Erkrath : Hupkonzert bei Poetry Slam im Autokino

Gastgeber Jan Schmidt und seine vier eingeladenen Wortakrobaten lösten beim Wettstreit der Dichter auf dem Parkplatz am Neanderbad Begeisterungsstürme aus – auch per Warnblinker. Die Poetry-Slamer hatten voller Vorfreude nach acht Wochen Corona-bedingter Auftrittspause neben der Bühne sitzend verfolgt, wie sich der Parkplatz mit etwa 60 Autos füllte.

Wie gut sich ein Autokino auch als Austragungsort für einen Poetry Slam-Wettbewerb eignet, bewiesen am Samstagabend Gastgeber Jan Schmidt und die vier Wort-Akrobaten, die sich auf der eigens errichteten Bühne auf dem Parkplatz am Neanderbad präsentierten. Alle fünf waren voller Vorfreude, nach acht Wochen „Abstinenz“ aufgrund des Corona-bedingten „Kultur-Shutdowns“ wieder vor Publikum zu stehen. Mit ihren Texten stritten in zwei Durchgängen sowie in der entscheidenden dritten Runde die zwei Finalisten um den Sieg beim 3. Poetry Slam, der sonst im Mettmanner Weltspiegel-Kino stattfindet. Jan Schmidt, der sich als Poetry-Slamer bundesweit einen Namen gemacht hat, hatte bei der Auswahl seiner Kandidaten darauf geachtet, das gesamte Spektrum dieser auf Kleinkunst-Bühnen entstandenen Literatur-Form abzubilden.

Jean-Philipp Kindler, der Gewinner des Abends, beeindruckte mit zahlreichen zungenbrecherischen Alliterationen, die er in Versform aus dem Gedächtnis vortrug. Ganz überraschend kam sein Sieg nicht, ging er 2017 als NRW-Meister und im Folgejahr als deutschsprachiger Meister von der Bühne.

Luca Swieter, die sich mit ihren Texten als die angekündigte ‚Slam Poetin‘ erwies, sprach in ihrem Beitrag „Darüber“ über die derzeitige Krise, ohne sie beim Namen zu nennen. „Ich habe lange überlegt, ob ich über Corona sprechen soll, und fand dann, dass es bei einem aktuellen Auftritt gar nicht anders geht“, so die Teilnehmerin des NDR-Comedy-Contests, die ihre Kunst zum Beruf gemacht hat.

Erst seit November bereichert Morgaine Prinz aus Düsseldorf die Poetry-Szene. Mit ihren sehr persönlichen, äußerst eindringlichen Texten hat sie sich bereits eine Fangemeinde geschaffen, die nach ihrem Autokino-Auftritt noch gewachsen sein dürfte. „Ich habe bei ihrem ersten Text weinend dagesessen. Schade, dass sie nicht ins Finale gekommen ist“, zeigte sich Nicole Junggeburth aus Erkrath beeindruckt. Diese Ehre kam neben Gewinner Jean-Philipp Kindler allerdings Malte Küppers, dem Mann mit dem Turtels Cap, zu. Der Sozialarbeiter, der an einer Duisburger Gesamtschule Schulabbrechern hilft, einen Job zu finden, hatte außer einem Text aus dem Berufsalltag auch Biografisches dabei. Mit Wortwitz und Situationskomik beschrieb er, wie Mutters Forderung, Vater und Onkel, beide Handwerker durch und durch, auf der Baustelle zur Hand zu gehen, endete.

Alle vier Poetry-Slamer hatten mit einer gewissen Skepsis ob des exotischen Auftrittsortes, aber voller Vorfreude nach acht Wochen Corona-bedingter Auftrittspause neben der Bühne sitzend verfolgt, wie sich der Parkplatz mit etwa 60 Autos füllte. Deren Kennzeichen verrieten, dass neben Zuschauern aus dem Kreis Mettmann auch welche aus Wuppertal, Neuss und Düsseldorf gekommen waren. Moderator und Organisator Jan Schmidt betonte in seinen kurzweiligen Überbrückungen zwischen den Auftritten nicht ohne (berechtigten) Stolz, dass die Erkrather Veranstaltung im Autokino erst die zweite dieser Art deutschlandweit sei. Das Publikum jedenfalls meisterte seine Aufgabe, statt durch Klatschen oder Pfiffen nun mit Warnblinker, Hupe und dem Aufblenden der Scheinwerfer darüber abzustimmen, wen sie im Finale wiedersehen wollten, ebenso bravourös wie die vier Künstler „ihren ersten Auftritt vor Windschutzscheiben“.