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Hochdahler Schüler sind jetzt Genossen

Engagiert : Hochdahler Schüler sind jetzt Genossen

Seit 2017 setzen sich einige Schüler des Hochdahler Gymnasiums für Nachhaltigkeit ein. Nun haben sie eine Schülergenossenschaft gegründet.

Erik ist ganz in seinem Element: der Siebtklässler empfängt an diesem wichtigen Abend, der offiziellen Gründung der Schülergenossenschaft „unifairsell.eSG“, die zahlreichen Gäste am Eingang der Schulaula. „Hier, diese Schokolade schmeckt wirklich ganz ausgezeichnet“, lässt er ein Ehepaar wissen und weist auf eine in blau-weißem Rycyclingpapier eingepackte Schokoladentafel mit dem Aufdruck „Vollmilch“. „Garantiert fair trade. Normal kostet sie zwei Euro, heute dürfen sie sie gegen eine kleine Spende erwerben.“ Und: Erik weist noch auf die ausliegende Liste hin. „Wenn sie mögen dürfen sie sich hier eintragen. Es könnte ja sein, dass auch sie Genossenschaftsanteile kaufen möchten.“

Vorab aber wollen die rund 50 interessierten Zuhörer mehr erfahren über dieses recht einmalige Projekt im Kreis Mettmann. „Wir hatten im Sommer 2017 Projekttage in der Schule zum Thema Nachhaltigkeit“, erklärt Neuntklässlerin Melissa, die an diesem Abend gemeinsam mit ihrem Klassenkameraden David die Moderation übernimmt. „Das hat uns so interessiert, dass wir im November 2017 damit begonnen haben, in einigen Pausen kleine Snacks und Getränke zu verkaufen, die entweder nachhaltig, regional oder fair gehandelt sind.“ Zwölf Schüler kümmern sich seitdem um die Logistik rund um Ein- und Verkauf, um Buchhaltung und das Sortiment. „Wir haben recht klein angefangen“, erinnert sich die 14-jährige Hannah. „Mittlerweile bieten wir zum Bespiel auch belegte Brötchen von einem Biobäcker an. Der Verkauf läuft richtig gut, was aber sicher auch daran liegt, dass der schulinterne Kiosk seit einiger Zeit nicht mehr betrieben wird.“

Was als gut gemeinte Idee gestartet ist, soll nun also offiziell Form einer Schülergenosssenschaft annehmen, mit Unterstützung vom Genossenschaftsverband der Regionen, in diesem Fall konkret von der VR Bank als Kooperationspartner. Die Entscheidung dieser Verbandsform ist den Jugendlichen nicht schwer gefallen: In einer Genossenschaft geht es um Demokratie und Solidarität, die Schüler gewinnen Eindrücke in konkrete wirtschaftliche, soziale und ökologische Zusammenhänge, sie verlangt Teamgeist, Eigenverantwortung, Innovation und Kreativität.

„Für 15 Euro kann jeder einen Geschäftsanteil erwerben, gerne auch mehr, wir handeln nach dem Kostendeckungs- und nicht nach dem Gewinnprinzip, Überschüsse werden in Ware investiert“, berichtet David. Anscheinend überzeugen die jungen Menschen die hauptsächlich älteren Besucher, darunter viele Eltern, Lehrer, aber auch Bürgermeister Christoph Schultz: In einer kurzen Pause kaufen 39 von ihnen spontan Geschäftsanteile.

Bei den anschließenden Wahlen werden Lehrer und Schulleitung zum Aufsichtsrat gewählt. Den Vorstand bilden sechs Schüler aus den Klassenstufen 7 bis 9. Bürgermeister Schultz zeigt sich sichtlich beeindruckt. „Ich finde, ihr seid absolut auf der richtigen Fährte in Erkrath, unserer Stadt, die ja bereits seit 2016 Fair Trade Stadt ist. Eure Aktivitäten für mehr Nachhaltigkeit ermöglichen dem Konsumenten, aktiv mitzuentscheiden, was er unterstützen möchte. Das ist extrem wichtig.“