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Freundeskreises für Erkrath - eine Stadt lebt Integration

Erkrath : Freundeskreis – eine Stadt lebt Integration

Vor vier Jahren stellte eine Welle an Flüchtlingen Erkrath vor Herausforderungen. Es haben sich etliche ehrenamtliche Helfer hervorgetan, Unterkünfte eingerichtet und lebensnotwendige Utensilien zusammengetragen.

Dieter Thelen, Vorstandsmitglied des Freundeskreises für Erkrath e.V., lässt in einem Gespräch die vergangenen vier Jahre Revue passieren und sieht sich heute einer gut aufgestellten Organisation gegenübergestellt, die das Leben der Flüchtlinge, die hundertfach ihren Weg in die Neandertalstadt fanden, grundlegend verändert und verbessert hat. „Ich erinnere mich noch an die beiden Tage, als wir das Bürgerhaus Hochdahl als Notunterkunft herrichten mussten und an einem Nachmittag 150 Menschen zu uns kamen“, so Thelen, der gemeinsam mit weiteren Helfern, aber auch dem DRK, der Stadt Erkrath und der Feuerwehr eine zumindest für den Anfang annehmliche Wohnsituation schaffte.

Seitdem sind die Mitglieder des Freundeskreises in vielen Bereichen rührig geworden, haben Sprachangebote vermittelt, helfen bei bürokratischen Fragen oder unterstützen einfach nur die Netzwerkbildung der Neubürger. „Integration ist für uns ein fortlaufender Prozess, keine einmalige Hilfeleistung.“ Und so hat sich der Verein 2017 mit der Begegnungsstätte „Hand in Hand“ am Europaplatz (Beckhauser Straße 16G) in Hochdahl einen Treffpunkt für Menschen aus Erkrath geschaffen. Schon längst zählt zur Integration nicht mehr nur der „Flüchtling“. „Alle Menschen sind bei uns herzlich willkommen. Hier wird allen Erkrathern gleichermaßen geholfen.“

Die Notwenigkeit der Hilfestellungen hat sich in den vergangenen Jahren natürlich deutlich geändert. Waren es primär die materiellen Dinge, die fehlten, zählt heute umso mehr der ideelle Wert der Hilfeleistung. So mahlen für Dieter Thelen besonders die bürokratischen Mühlen erschreckend langsam. „Wir haben keine Flüchtlingskrise, sondern eine Verwaltungskrise.“ Als Beispiel nennt er dafür mitunter das fehlende WLAN in den noch immer stark besetzten Unterkünften. „Seit Jahren bitten wir darum, das Internet für diese Einrichtungen freizustellen. Das hätte gleich mehrere Vorteile, können sich die Flüchtlinge auf diese Weise doch selbst um Wohnraum und Arbeit bemühen.“ Für Stefan Freiberg, Leiter des Fachbereichs Soziales, ist nicht die Verwaltung Schuld an der Misere. „Wir sind leider von Dritten abhängig. Der Breitbandausbau hat noch nicht an allen Ecken gleichermaßen stattgefunden“, so der Fachmann, der jedoch zeitnahe Abhilfe schaffen möchte. „An der Gruitnerstraße wird die Installierung des WLANs in Kürze realisiert. Auch die Bereitstellung an der Falkenstraße und die Wohnung am Klinkerweg dürften nicht mehr lange dauern. An der Hochdahler Straße sowie am Thekhaus dauert es auf Grund des Ausbaus noch etwas länger.“

Fehlender Wohnraum stellt ein weiteres Ärgernis für Dieter Thelen dar. Besonders Großfamilien mit mehreren Kindern und Singles finden in Erkrath keine geeignete Wohnung. „Das Problem war auch vor vier Jahren schon bekannt. Warum hat man nicht direkt neu gebaut“, fragt sich Dieter Thelen, der sich beinah täglich die Sorgen der Menschen anhört, die sich noch immer in den Unterkünften befinden. „Dort leben Familien teilweise auf 15 Quadratmeter, ohne eigener Küche oder Bad. Und das zum Teil sogar seit Beginn des Flüchtlingsstroms 2015.“ Mit einem langfristig angesetzten Maßnahmenplan reagieren Verwaltung und Politik gleichermaßen auf das Problem. „Wir machen uns durchaus Gedanken. Lösungen könnten in Unterfeldhaus, am Wimmersberg, aber auch im Neubauvorhaben Erkrath Nord realisiert werden. Ein konkretes Vorhaben am Maiblümchen musste jetzt kurzfristig verschoben werden. Da kamen uns Kita- und Grundschulbrände dazwischen, die jetzt oberste Priorität haben“, reagiert Freiberg auf die Forderung des Freundeskreises für Flüchtlinge.

Dass man jede Situation individuell betrachten muss und keine Pauschallösung für alle Personen geschaffen werden kann, erläutert Dieter Thelen anhand einer jungen Mutter, die auf Grund der Betreuung ihrer Kinder kein Sprachangebot wahrnehmen kann. „Hier müssten passende Angebote für Betreuung geschaffen werden. Die Sprache ist und bleibt der Schlüssel zu einer gelungenen Integration.“ Dass Sprachangebote zwar gefördert werden, Betreuungsmaßnahmen aber nicht, gibt Stefan Freiberg in diesem speziellen Fall zu bedenken.

„Mittlerweile hat man Fehler in der Realisierung der Angebote durchaus erkannt und versucht darauf zu reagieren. Mit Rückblick auf die vergangenen vier Jahre sind wir in der Erkrather Integrationsarbeit allerdings gut aufgestellt. Wir haben drei Betreuer in den Einrichtungen, zwei Integrationshelfer und etliche, freiwillige Angebote. Viele Ziele wurden in Erkrath bereits erreicht, um die uns andere Kommunen beneiden“, ist sich Stefan Freiberg abschließend sicher.