Solidarität mit der Ukraine Hand in Hand mit Geflüchteten aus der Ukraine

Erkrath · Dieter Thelen und Soroush Farshbaf vom Freundeskreis für Flüchtlinge wollen samstags von 10 bis 13 Uhr Anlaufstelle sein. In engem Verbund mit Erkraths Verwaltung und anderen Vereinen und Institutionen wird geflüchteten aus der Ukraine geholfen.

 Hand-in-Hand waren Olga Kosmina mit Sohn Timi (4), Lilija Zhimarin-Schlothauer (hilft beim Ausfüllen von Anträgen) und Juliya Kosmina Samstag für geflüchtete aus der Ukraine da - und wollen es auch zukünftig sein.

Hand-in-Hand waren Olga Kosmina mit Sohn Timi (4), Lilija Zhimarin-Schlothauer (hilft beim Ausfüllen von Anträgen) und Juliya Kosmina Samstag für geflüchtete aus der Ukraine da - und wollen es auch zukünftig sein.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

SUSANN KRÜLL
Lilija Zhimarn-Schlotheuer ist eine von sieben ehrenamtlich Helfenden, die in der Begegnungsstätte „Hand in Hand“ am Europaplatz ukrainischen Flüchtlingen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Dieter Thelen und Soroush Farshbaf vom Vorstand des „Freundeskreis‘ für Flüchtlinge in Erkrath, der seine Räume von nun an immer samstags zwischen 10 und 13 Uhr öffnet, um ukrainischen Kriegsflüchtlingen beim Ausfüllen von offiziellen Formularen für Behörden zu unterstützen, waren von der Resonanz dieses Premieren-Termins überwältigt: „Wir haben mit Hilfe eines Rechtsanwalts, Lilja und eines weiteren ukrainisch stämmigen Mannes als Übersetzer acht Familien bei der Stellung der Asylanträge, beim Ausfüllen der Registrierungen bei der Stadt Erkrath und der Anmeldung der Kinder in den entsprechenden Schulen und Kitas geholfen“, freute sch Dieter Thelen.

Doch nicht nur praktische Hilfe steht für die Ehrenamtler im Fokus. Menschen zusammenbringen, die Hilfe benötigen mit solchen, die sie anbieten, ist eine wesentliche Aufgabe für die Helfer. Deshalb war auch die über 70-jährige gebürtige Ukrainerin Elena aus Alt-Erkrath mit dem Bus gekommen, um ihre Hilfe anzubieten: „Als ich davon gelesen habe, musste ich einfach hierherkommen. Ich kann einfach nicht anders“, erklärte die studierte Physikerin, die vor mehr als 30 Jahren nach dem Tschernobyl-GAU im Atomkraftwerk nach Deutschland kam. „Da war ich bereits 46 Jahre und konnte keine Anstellung in meinem erlernten Beruf finden. Ich habe dann eine Ausbildung zur Pflegerin gemacht und 15 Jahre in diesem Bereich gearbeitet. In all den Jahren habe ich schon immer privat Ukrainern geholfen, die wie ich in Deutschland eine neue Heimat gefunden haben“, erzählt sie Benedikt Stobe, der sich aus demselben Grund mit seiner Freundin im Vorfeld bei Dieter Thelen gemeldet hat.

„Wir haben beide gerade ein wenig Kapazität im Studium, da wollen wir uns einfach einbringen“, sagte der Hochdahler, bevor er los eilt, um auf einer Liste Elena und viele weitere Hilfswillige zu notieren, die sich einbringen wollen. „Ich kann zwar nur wenig englisch, aber ich würde beispielsweise gerne bei der Betreuung von Kindern helfen, wenn wieder Familien ins Bürgerhaus kommen, wie schon vor ein paar Jahren“, erzählt eine andere Dame, die sich danach mit Kontaktdaten und ihrem Hilfsangebot einträgt.

Doch nicht nur Namen aus der Erkrather Bürgerschaft finden sich auf dieser „Liste der Hilfsbereitschaft“: Die Zwillingschwestern Olga und Juliya Kosmina, die mit ihren drei kleinen Kindern gerade erst aus der Ukraine in Erkrath angekommen sind, haben ihre Kontaktdaten dort ebenfalls notiert: „Wir haben Deutsch und Englisch studiert und beide Fächer zuhause an der Schule unterrichtet“, erklärt Olga in perfektem Deutsch. Sie möchten ukrainischen Flüchtlingskinder helfen, schnellstmöglich Deutsch zu lernen. „Vielleicht auch direkt als Lehrerinnen in einer Schule hier“, setzt Juliya hoffnungsvoll hinzu. Lilija Zhimarin-Schlotheuer, die beim Internationalen Kulturzentrum arbeitet und an den kommenden Samstagen die „Hand in Hand“-Kollegen ehrenamtlich unterstützt, hat den beiden Frauen beim Ausfüllen der Formulare unterstützt: Dabei unterhalten sich die drei Frauen auf Russisch.

„Ich selbst bin in Kasachstan geboren, aber in den ehemaligen GUS-Staaten haben wir ja alle Russisch in der Schule gelernt“, sagt Lilija Zhimarin-Schlotheuer. Sie erklärt, dass das ukrainische, russische und kasachische Alphabet, zwar alle kyrillische Buchstaben benutzen, sich einige aber stark unterscheiden. „Es sind alles eigenständige Sprachen. Sie sind zwar eng verwandt, aber es ist nicht so, dass man sich versteht, wenn jeder seine Muttersprache sprechen würde“, erklärt die studierte Sozialpädagogin und Kulturpädagogin/Kulturmanagerin, die selbst im IKZ Erkrath in der Integrations- und Projektarbeit tätig ist.

Der Freundeskreis ist via freundeskreis-fluechtlinge-erkrath.de erreichbar und ist wichtiger Ansprechpartner, der sich für Geflüchtete aus der Ukraine einsetzen möchte. Ehrenamtler werden gesucht und auch an andere Vereine und Institutionen vermittelt, eng ist der Austausch mit Erkraths Verwaltung und der Ausländerbehörde. Auch privat organisierte Sprachkurse sollen angeboten werden.

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