Film ab: Casting für das Projekt „Ein Quartier - viele Gesichter“

Casting in Erkrath : Filmprojekt geht in die nächste Runde

Am Casting für den Film „Ein Quartier – viele Gesichter“ nahmen Bewohner der Sandheide teil. Sie zeigten einen Einblick in ihr Viertel.

Sedcard ausfüllen, Nummer ziehen, Platz nehmen. Und dann heißt es: warten. Wie richtige Schauspieler fühlten sich die potentiellen Darsteller, die im Bürgerhaus Hochdahl am Casting für den Film „Ein Quartier – viele Gesichter“ teilnahmen. Das Projekt soll die Viefalt der Sandheide einfangen und Menschen abbilden, die in dem Quartier wohnen und arbeiten: „Das soll kein Imagefilmchen werden, sondern eine reale Darstellung über das Leben in dem Wohngebiet“, erklärt Integrationsbeauftragte Anna-Maria Weirauch. Mit ihren Kollegen Julia Zinn, Koordinatorin für das Großprojekt „Soziale Stadt Sandheide“, dem Integrationsbeauftragten Torsten Gumbrecht und der Quartiersmanagerin Saskia Göbel hat sie über den Fond „Demokratie leben“ Geld eingeworben, um das Projekt auf die Beine zu stellen. „Wir möchten Teilhabe stärken, Vorurteile abbauen und, wie der Name des Fonds schon aussagt, Demokratie fördern“, erklärt Weihrauch.

In einem privaten Gespräch möchten Weihrauch und Zinn ihre Casting-Teilnehmer besser kennen lernen. Dafür haben sie Leitfragen entwickelt, wie etwa „Was bedeutet Nachbarschaft in der Sandheide?“. Als erste dran ist Erkratherin Ute Hoppe. Seit 15 Jahren wohnt die 58-jährige in der Sandheide. Und dass, obwohl ihr davon abgeraten wurde: „Viele haben mir gesagt, dass ich in ein unsicheres Ghetto ziehen würde, in dem ich Gitter vor meiner Haustür brauche. Zum Glück habe ich nicht darauf gehört“, erzählt sie. Denn das Leben in dem Wohngebiet sei vor allem mit Vorurteilen belastet, die sie nicht bestätigen kann: „In unserer Straße leben Menschen aus sieben verschiedenen Ländern. Wir feiern Straßenfeste, veranstalten Grillabende und engagieren uns in der Nachbarschaftshilfe. Das Zusammenleben ist großartig.“ Sie nimmt an dem Projekt teil, weil es ihrer Meinung nach „noch ordentlich an Integration mangelt.“ Und auch, weil sie ihr Leben in der Sandheide authentisch und realistisch darstellen möchte - mit all den Macken aber eben auch mit all den schönen Seiten.

Auch die angehende Erzieherin Sadaf Jahad möchte an dem Projekt teilnehmen. Das Thema Integration habe die 20-jährige mit afghanischen Wurzeln sofort angesprochen. Auch ihr ist es ein Anliegen, die Vorurteile gegen ihr Zuhause abzubauen. „Bis auf die dreckigen Aufzüge in unserem Haus ist hier alles so, wie woanders auch“, sagt sie. Vor allem für Kinder biete die Sandheide eine ganze Menge: „Als ich mein Praktikum im TSV-Jugendzentrum gemacht habe, haben wir gemeinsam die Mülleimer in der Sandheide angemalt. Hier gibt es viele Möglichkeiten, wenn man genau hinguckt.“

Wer von den insgesamt elf Castingteilnehmern letztendlich in dem Film mitwirken darf, entscheidet sich Ende der Woche: „Wir möchten eine möglichst durchmischte Gruppe zeigen, mit verschiedenen Altersklassen, Religionen und Nationalitäten – so wie die Sandheide auch ist“, sagt Weihrauch. Für die Auserwählten geht es dann in die nächste Runde. Vor den offiziellen Drehtagen am 28. und 29. November findet ein Treffen mit allen Beteiligten statt. „Wir bereiten sie dann auf den Videodreh vor, sprechen über Lampenfieber, die richtige Kleidung und wie man sich vor der Kamera verhalten muss“, erklärt Goebel. Gezeigt wird der fertige Film im Januar 2020 auf dem Youtube-Kanal der Stadt sowie auf der Facebook-Seite „Lieblingsort Sandheide“. Eine offizielle Filmvorstellung mit allen Beteiligten ist noch in Planung.

(des)
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