Experten informieren Erkrather Eltern über die Masche von "Loverboys"

Aufklärung : Experten informieren Eltern über „Loverboys“

Anfangs liebevolle Männer verführen junge Frauen und drängen sie in die Prostitution. Zu dieser Masche gab es jetzt einen Infoabend.

Jungen Frauen wird die große Liebe vorgespielt, um sie dazu zu zwingen, ihren Körper zu verkaufen. Annegret Pollmann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Erkrath, setzt sich zusammen mit dem Sozialverband SKFM Erkrath dafür ein, vor dieser so genannten Loverboy-Methode zu warnen. „Wir wollen in erster Linie flächendeckend darüber aufklären, dass es das Thema gibt“, erklärt Pollmann.

In der Stadthalle Erkrath gab es dazu am Mittwochabend ein Informationsabend für Eltern, Pädagogen und Interessierte. Ende Januar wurde das Thema bereits für Schülerinnen der achten und neunten Klasse des Gymnasiums am Neandertal in einem interaktiven Theaterstück aufgegriffen. „Loverboys sind Zuhälter, die vor allem minderjährige Frauen durch eine emotionale Abhängigkeit in die Prostitution drängen“, hieß es in einem Fernsehbeitrag, der zu Beginn der Informations-Veranstaltung gezeigt wurde. Sie sind zunächst liebenswert und erschleichen sich durch Komplimente, Aufmerksamkeit und Geschenke das Herz ihres Opfers. „Ein Loverboy arbeitet daran, dass die junge Frau sich in ihn verliebt“, erklärte Anita Pavlovska von der Fachstelle für Opfer von Frauenhandel in der Frauenberatungsstelle Düsseldorf. So entstehe mit der Zeit eine emotionale Abhängigkeit .

„Eines Tages kommen zu dieser emotionalen Abhängigkeit auch soziale und finanzielle Abhängigkeit dazu“, berichtete Pavlovska weiter. Der Zuhälter dränge sein Opfer anschließend dazu, sich zu prostituieren. Pavlovska weiß durch ihre eigene Arbeit mit Opfern sexueller Ausbeutung, dass die jungen Frauen diesen Gedanken zunächst ablehnen, doch durch die geschickte Manipulation des Loverboys schließlich einwilligen. Gefährdet seien laut Pavlovska vor allem junge Frauen, die durch ein geringes Selbstwertgefühl, allgemeine Verunsicherung oder Instabilität auffallen. Im Grunde genommen könne es jeden treffen.

Genau das befürchten auch die überwiegend weiblichen Besucher, die sich in der Erkrather Stadthalle eingefunden haben. Die Eltern interessierte vor allem eins: „Was können wir als Eltern konkret tun? Wie schütze ich mein Kind?“ Andrea Bleichert vom SKFM Erkrath wusste Rat: „Aufklärung ist ein sehr wichtiger Schritt für die Prävention.“ Eltern sollten mit ihren Kindern über die Gefahr reden, die gerade auch in den sozialen Netzwerken lauert, und gleichzeitig eine vertrauensvolle Bindung zu ihnen aufbauen. Die ist auch dann wichtig, wenn ein junger Mensch tatsächlich in die Hände eines Loverboys gerät.

Dirk, der 2011 die Elterninitiative für Loverboy-Opfer gründete, nachdem seine Tochter in die Fänge eines solchen jungen Mannes geriet, erzählte ausführlich von seinen Bemühungen, seine Tochter von diesem Einflauss zu befreien. Letztlich hatte er Erfolg. Die Veranstaltung leiste einen wichtigen Beitrag zur Präventionsarbeit. Annegret Pollmann will sich damit jedoch noch nicht zufrieden geben. „Das soll keine einmalige Veranstaltung sein“, betonte sie. Auch durch zusätzliche Aufführungen des Theaterstücks will sie noch mehr Menschen über Loverboys aufklären.