Erkraths Bahnhof erhält schlechte Noten

VRR veröffentlicht Stationsbericht : Erkraths Bahnhof erhält schlechte Noten

Der schlechte Stationsbericht hat Experten im Kreis „kalt erwischt“. Kreisdirektor Martin M. Richter will Druck machen.

Norbert Stapper, Vorsitzender des Ausschusses für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÜPNV) im Kreis Mettmann, hat seine Akte für die nächste Sitzung in der kommenden Woche schon zusammen gestellt. Darin liegt auch der aktuelle Stationsbericht des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR), den Stapper im Ausschuss ansprechen will. Denn dass dieser jährlich erstellte Bericht diesmal so schlecht ausfällt, „das hat mich kalt erwischt. Das hätte ich nicht gedacht“, sagt Stapper.

Viermal im Jahr verschaffen sich so genannte Profi-Tester einen Überblick über den Zustand aller Bahnhöfe und Haltepunkte im Gebiet des VRR. 61 Stationen weisen dem aktuellen Bericht zufolge erhebliche Mängel auf. Im Vorjahr waren es nur 54. Im Städtedreieck Mettmann-Erkrath-Wülfrath erhielt einzig die Station Erkrath einen roten Punkt: „Nicht akzeptabel“ heißt das in der Bewertung der Tester. Schlecht bewertet wurden dabei die Kriterien „Graffiti“ und „Sauberkeit“ im Zugangsbereich und am Bahnsteig. Hier gab’s drei mal ein „nicht akzeptabel“ und ein mal ein „noch akzeptabel“. Positiv sei im Zugangsbereich und am Bahnsteig lediglich das Kriterium „Funktion“ zu bewerten: Hier gab’s zwei mal grün.

Ulrich Schimschock, Mitglied im Verkehrsausschuss der Stadt Erkrath und seit 1972 Mitarbeiter der Deutschen Bahn – aktuell als Fahrdienstleiter – ist von dem schlechten Ergebnis ebenfalls überrascht. „Dass die Bahn in Sachen Sauberkeit und Aussehen immer weniger auf ihre Stationen achtet, kann nicht im Sinne des Erfinders sein“, sagt er. Allerdings könne der Verkehrsausschuss einer Kommune daran nicht viel ändern: Sein Votum habe lediglich appellierenden Charakter – wie übrigens auch das des Kreisausschusses. Wirklichen Einfluss auf die schlechte Lage könne nur der VRR selbst ausüben, betonen beide Fachmänner. Denn die Kommunen zahlen über den VRR an die Deutsche Bahn Stationengebühren. Der VRR könne Druck machen, indem er diese Leistungen kürzt, sagen Schimschock und Stapper.

Einen entsprechenden Einfluss darauf hat der VRR-Verwaltungsrat – und ein Mitglied dieses Gremiums ist Kreisdirektor Martin M. Richter. Der hält den Bericht für „in hohem bis höchstem Maße ernüchternd. Ich hätte geglaubt, dass es besser geworden wäre“, sagt er. Wobei einschränkend zu bemerken sei, dass dem Thema „Graffiti“ in diesem Jahr offenbar eine größere Bedeutung eingeräumt wurde als in den Jahren zuvor. „Das hat gerade für die Bewertung der Station in Erkrath besondere Auswirkungen“, glaubt Richter. Aber: „Graffiti nerven mich auch total. Doch viel wichtiger finde ich es, wenn beispielsweise ein Bahnhof barrierefrei zu erreichen ist und die Aufzüge, so vorhanden, nicht immer wieder ausfallen.“

Bahnstationen_Mettmann_DPA. Foto: RP/Podtschaske , Alicia

Gleichwohl will sich Richter im Verwaltungsrat zu diesem Thema „zu Wort melden“ und Druck ausüben. Darüber hinaus hoffen die Beteiligten auf eine Verbesserung der Situation durch die Modernisierungsoffensive (kurz „Mof“) der Bahn: Erkrath ist eine von 21 Stationen im VRR-Bezirk, die überarbeitet werden soll. Der Bahnsteig wird auf 76 Zentimeter abgesenkt, Personenunterführung und Bahnsteigausstattung werden erneuert. Allerdings ist Geduld angesagt: Die Modernisierung soll bis zum Jahr 2023 erfolgen.

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