Umweltschutz und Genuss in Erkrath Lasst mehr Wildblumen sprießen

Erkrath · Bei den nächsten beiden Feierabendmärkten will Sandra Hoitz an einem eigenen Stand zeigen, wie man heimische Wildpflanzen zu Leckereien verarbeiten kann.

 Mag es gerne wild: Sandra Hoitz sammelt und verarbeitet Grünes aus dem eigenen Garten und aus der Umgebung.

Mag es gerne wild: Sandra Hoitz sammelt und verarbeitet Grünes aus dem eigenen Garten und aus der Umgebung.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Üppige Hortensien sind etwas fürs Auge, hungrigen Insekten nützen sie aber nichts – es sei denn, es handelt sich um Tellerhortensien mit leicht zugänglichen und fruchtbaren Blüten. Also Augen auf beim Pflanzenkauf, wenn man auf Artenvielfalt aus ist. Viele Händler kennzeichnen mittlerweile Pflanzen, die zum Beispiel als besonders bienenfreundlich gelten. Man kann aber auch einfach die Augen aufhalten beim Spaziergang an heimischen Wildwiesen und schauen, was dort so alles gedeiht und wo es am heftigsten brummt und summt.

Genau so macht es die Düsseldorferin Sandra Hoitz, die vor ein paar Jahren nach Trills gezogen ist. Die bildende Künstlerin mag es beim Gärtnern wild und verlässt auch nie ohne Dosen und Tütchen das Haus. Irgendwo gibt es schließlich immer Saatgut, Blätter oder Beeren zu ernten, aus dem in heimischen Beeten, Kübeln oder Töpfen etwas werden kann, was nicht allein Insekten, sondern auch Menschen recht gut schmeckt.

Gerade erst hat Sandra Hoitz frische Brennnesselsamen gesammelt, die reich an Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen und eine perfekte Garnitur für selbst gerollte Energiebällchen aus zerkleinerten Datteln und Mandeln sind. „Sehr lecker und gesund“, schwärmt die experimentierfreudige Hobbyköchin und -bäckerin. Die Hauptzutat für die selbst eingekochte Brombeermarmelade hat sie natürlich auch gesammelt, aber dort, wo Hunde nichts mit ihren Hinterlassenschaften verderben können.

Auch wenn sie streng darauf achtet und zum Ernten stets tief in die Natur hineingeht, wäscht Sandra Hoitz alles Gesammelte erst einmal gründlich in Natronwasser, bevor es weiter verarbeitet wird oder einfach nur in der Salatschüssel landet. Wie die Brunnenkresse, die sie in Hochdahl in der Nähe eines Bachs entdeckt hat. „Ich wusste gar nicht, dass es so etwas hier gibt“, freut sich die Sammlerin. Sie lässt sich derzeit zur Trainerin für essbare Wildpflanzen ausbilden. Lehrer ist der Wildpflanzen-Experte und Bestsellerautor Markus Strauss. Sein Credo: Essbare Wildpflanzen aus der direkten Umgebung sind Superfood vor der Haustür, stecken voller Vitalstoffe und bedeuten ein Plus an Lebensqualität.

Sandra Hoitz hat das verinnerlicht und stellt aus Garten-, Wald- und Wiesenfunden Aufstriche, Gebäck, Gewürz- und Teemischungen her. Trinkwasser aromatisiert sie mit Malvenblüten, wilde Hirse und Wiesenbärenklau (nicht Riesenbärenklau, der ist gefährlich) wandern in den Keksteig und Knoblauchraukenblätter in die Butter. Ihre Produkte will sie demnächst auf den Erkrather Feierabendmärkten vorstellen und dafür werben, es ihr gleichzutun und zu lernen, was man alles essen kann aus dem Wildblumenreich und wie sich ein Wildpflanzengarten strukturiert gestalten lässt.

In ihrem eigenen kleinen Gartenreich lässt sie Raum für Wildpflanzen, die sich zwischen Fetthennen, Lavendel, Gurken, Tomaten und Zucchini ansiedeln dürfen, wie etwa der verbreitungsfreudige Gundermann, der Salate, Öle, Essig und Süßspeisen würzt. Wildes Grün sucht sich den passenden Standort selbst, erweist sich dann als robust, pflegeleicht, klimafest und sehr prachtvoll, sagt Sandra Hoitz. Ihr üppiger Garten hat mittlerweile sogar eine Wildbiene angelockt. Das solitär lebende, hummelgroße und blau schimmernde Wesen ist in einem kapitalen Stück Totholz heimisch geworden.