Erkrath/Mönchengladbach: Polizeipräsident Isenrath drohte Hitler 1932 mit Irrenanstalt

Polizeipräsident von Gladbach-Rheydt in Erkrath geboren : Er wollte Hitler in Irrenanstalt einweisen lassen

Der Erkrather Jakob Isenrath war als Polizeipräsident in Gladbach-Rheydt bis 1933 maßgeblich am Bau des Präsidiums an der Theodor-Heuss-Straße beteiligt und drohte Hitler vor einem Wahlkampfauftritt mit der Festnahme. Sein Enkel hat nun ein Buch über ihn veröffentlicht.

Jakob Isenrath war ein gestandener Zentrumsmann, der durch die Schule des Katholischen Volksvereins gegangen und in den Jahren 1927 bis zu seiner zwangsweisen Absetzung durch die Nazis im März 1933 Polizeipräsident in Mönchengladbach war. Durch einen Zufallsfund seines Enkels Wolfgang Isenrath sind wir jetzt informiert über das Leben eines überzeugten Demokraten und Verteidiger des Rechtsstaates, der in den Weimarer Jahren als Polizeipräsident der verstaatlichten Polizeibehörden in Städten des Ruhrgebiets und zuletzt in Gladbach-Rheydt Verantwortung trug.

Als der Vater von Wolfgang Isenrath im Jahr 2016 starb, hinterließ er seinem Sohn unter anderem eine Plastiktüte mit Akten und Schriftstücken, die sich für diesen bei der Durchsicht als eine unglaublich interessante und ergiebige Quelle für die Beschäftigung mit seinem Großvater Jakob Isenrath erwies, den er bislang aus der Familienüberlieferung kaum genauer kennen gelernt hatte. Die Auseinandersetzung mit dem Inhalt der Tüte regte Wolfang Isenrath dann dazu an, aus diesem Material ein Buch zu machen und zu veröffentlichen, damit auch andere Geschichtsinteressierte an dieser wirklichen Entdeckung teilhaben können.

Das Leben von Jakob Isenrath und seine berufliche Karriere wurden sehr geprägt von den Aktivitäten des in Mönchengladbach ab 1890 beheimateten Volksvereins für das katholische Deutschland. So wie der erste Gladbacher Oberbürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg und frühere Polizeipräsident in Krefeld, Wilhelm Elfes, war auch der im Jahre 1879 in Erkrath geborene Jakob Isenrath vor dem Ersten Weltkrieg Arbeitersekretär in einem Arbeiterverein des katholischen Volksvereins gewesen. Nach dem Krieg wurde Isenrath dann Leiter des Polizeiamtes in Buer, ab 1923 Polizeipräsident in Gelsenkirchen. Dort erlebte er dann den Einmarsch der Franzosen und Belgier ins Ruhrgebiet, der dann als „Ruhrkampf“ in die Geschichte einging. Für ihn endete dieses turbulente Jahr als preussischer Beamter mit einer einjährigen Haft in französischen Gefängnissen, was ihm insbesondere gesundheitlich dauerhaft zusetzte. Nachdem Jakob Isenrath von 1924 bis 1927 das Amt des Polizeipräsidenten in Hagen ausgeübt hatte, wurde er im Juli 1927 im Zuge der Verstaatlichung der kommunalen Polizei Polizeipräsident in Mönchengladbach. Hier hatte er die Zusammenführung der Polizeiorganisationen der kurz vor der Vereinigung stehenden Städte Mönchengladbach und Rheydt vorzubereiten. Auch der Neubau des nun gemeinsamen Polizeipräsidiums an einem zentralen Ort bereitete in den rivalisierenden Städten Probleme, da man zwei verschiedene Stadtorte favorisierte. Die Stadt Rheydt setzt sich dann mit dem zentralen Ort an der heutigen Theodor-Heuss-Straße durch (der heute bereits wieder Geschichte ist).

Jakob Isenrath war als Zentrumsmann ein überzeugter Nazigegner und ging mit den polizeilichen Mitteln des Rechtsstaates strikt gegen Übergriffe von links und rechts vor. Damit machte er sich bei der Gladbacher NSDAP Feinde, deren prominentester Akteur der in Rheydt geborene NSDAP-Gauleiter von Berlin, Joseph Goebbels, war. Ebenso war dessen Bruder aktiver Parteiaktivist in Gladbach-Rheydt. Diesen hatte Isenrath wegen Beteiligung an einer Mordsache an einem KPD-Mann einmal verhaften lassen.

Als die Ankündigung kam, dass die NSDAP im April 1932 im Rheydter Sportstadion Adolf Hitler als Wahlkampfredner auftreten lassen wollte, verlangte Isenrath einen von diesem „unterschriebenen Revers“, dass Hitler sich in sachlicher Form unter Vermeidung aller persönlichen Verunglimpfungen Andersdenkender zu sprechen verpflichten solle. Andernfalls drohte Isenrath ihm an, ihn sofort festnehmen zu lassen und ihn zur Feststellung seines Geisteszustandes in die Irrenanstalt zu Süchten überführen zu lassen. Daraufhin wurde von dem geplanten Auftritt Hitlers in Rheydt Abstand genommen.

Keine Frage, die Haltung Isenraths passte den Nazis ganz und gar nicht. Im März 1933 wurde Jakob Isenrath im Zuge der sogenannten Machtergreifung der Nazi-Partei als Polizeipräsident in den Ruhestand versetzt. Da er sich und seine Familie am Ort danach zahlreichen Anfeindungen durch die Nazis ausgesetzt sah, zog er mit seiner Familie in seine Geburtsstadt Erkrath um. Aber auch dort wurde er von der SA drangsaliert. Bis zu seinem Tode im Jahr 1951 gelangte Jakob Isenrath nicht wieder in ein öffentliches Amt. Für seine große Familie, er hatte sieben Kinder zu versorgen, waren die sehr geringen Ruhestandsbezüge ein großes Problem. Erst nach Ende des NS-Regimes verbesserte sich die materielle Lage etwas.

Im Jahr 1934 schrieb Jakob Isenrath einen langen Bericht über seine Zeit während der Ruhrbesetzung 1923 durch Franzosen und Belgier, der als Abschrift in das Buch übernommen wurde.

Der Gastbeitrag entstammt der Geschichtswerkstatt Mönchengladbach.