Kunst in Erkrath Wie eine Fahrt mit der Achterbahn

Erkrath · Balljunge, Pilot, Moderator, Künstler: Lothar Guderian vereint all diese Stationen in seinem Lebenslauf. Nun ist ihm eine Einzelausstellung in Unterfeldhaus gewidmet.

 Lothar Guderian stellt seine Werke in der Galerie Neuhouse 27 aus.

Lothar Guderian stellt seine Werke in der Galerie Neuhouse 27 aus.

Foto: Köhlen, Stephan (teph)

Nach der Eröffnung seiner Galerie „Neuhouse 27“ am Neuenhausplatz in Unterfeldhaus im Juni konnte Rainer Timmen jetzt eine erste Einzelausstellung eröffnen. Werke von Lothar Guderian sin zu sehen, einem langjährigen Freund von Timmen und international bekannten Künstler.

Das Leben des Menschen Guderian, der nie ein Maler sein wollte, liest sich wie eine Fahrt mit der Achterbahn; ein zu Teilen beklemmendes Dokument, geprägt durch die Kriegs- und Nachkriegszeit. Erst mit 28 Jahren erfuhr er infolge der Kriegswirren, dass er nicht als Sohn eines Kellners im Erzgebirge zur Welt gekommen war, sondern sein leiblicher Vater Dirigent in Frankfurt /Oder war. Seine Mutter hat er nie kennengelernt. Vom Vater hatte er wohl die künstlerischen Gene.

Aber bis diese tatsächlich real wurden und sein Leben bestimmten, arbeitete er als Balljunge auf Tennisplätzen, Tennislehrer, Privatpilot, der wichtige Leute zu wichtigen Terminen flog, Radiosprecher bei RTL unter Frank Elsner, WDR 3 und ARD. Er lebte immer nur auf Abruf – hatte nie eine feste Anstellung und doch ließ ihn die Kunst nicht los. Lothar Guderian sammelte Antikes, auch in den Souks nordafrikanischer Städte. Er sammelte französische Möbel, Figuren, aber auch Bilder der Düsseldorfer Malerschule und verkaufte sie in seinem Antiquitätengeschäft in Düsseldorf.

Er lernte die Düsseldorfer Künstler kennen, Immendorff, Lüppertz und weitere, doch erst die Begegnung mit Günther Uecker ließ den gordischen Knoten platzen und Lothar Guderian begann seine künstlerische Laufbahn. Die Nagelkunst von Uecker, die Wirkung von Licht und Schatten faszinierte ihn. Er begann Streifen von Büttenpapier zu verflechten und es entstand Dreidimensionales – Licht und Schatten, auch hier. Ästhetik war ihm sehr wichtig. Viele Jahre lang arbeitete Lothar Guderian nur in Weiß.

Doch Düsseldorf ignorierte den Künstler. Guderian wich aus nach Frankreich und besuchte die Académie des Beaux Arts in der Bretagne. Ein Zufall führte ihn nach Monaco. Dort, in der Opera Galerie, die weltweit in den Metropolen wie Paris, London, Hongkong, Dubai zu Hause ist, wurden seine Arbeiten geschätzt und es folgten viele Ausstellungen. Er traf die Großen der Welt wie Theo van Doesberg, Piet Mondrian, Wassilij Kandinski. Der Galerist der Opera wollte, dass er Farbe in seine Bilder bringt und es entstanden die ersten neuen Bilder nach der weißen Periode.

Die Entrepôt Galerie in Monaco stellte seine Bilder von der Formel 1 aus. Davon hat Lothar Guderian für den Wiederaufbau Haitis nach der Erdbebenkatastrophe drei Bilder gestiftet, die Prinz Albert von Monaco persönlich in Empfang nahm. Er ließ sich von der Werbung inspirieren und man begegnet Werken aus Originalkartons von Gordon’s Dry Gin, Pims Likör, Vodka Gorbatschow. Diese Werke konnte er dann in Düsseldorf ausstellen. Auch eine Werbung der Toten Hosen für das „Hosen Hell“ ziert die Ausstellung in der Neuhouse Galerie. Und trotzdem hat der Künstler wie etwa auch Winfried Gaul, der überall in der Welt gefragt war und ausgestellt hat, keine Lobby in Düsseldorf. Es bleibt ein gespanntes Verhältnis.

Ob dieses jetzt vielleicht durch die Ausstellung im Nachbarstädtchen eine Kehrtwendung erfährt? Manchmal geschehen Zeichen und Wunder. Rainer Timm und Lothar Guderian konnten mit dem Besuch der Ausstellung in der Neuhouse Galerie 27 jedenfalls richtig zufrieden sein.

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