Senioren in Erkrath Wie Hundertjährige die Welt sehen

Erkrath · Im Hochdahler Rosenhof leben mehrere schon sehr betagte Senioren. Zwei von ihnen erzählten jetzt aus ihrem Leben. Auch zur Gegenwart haben sie etwas zu sagen.

Paul Neumann und Josefine Maria von Kürten gut aufgelegt beim Plauderstündchen im Rosenhof.

Paul Neumann und Josefine Maria von Kürten gut aufgelegt beim Plauderstündchen im Rosenhof.

Foto: Achim Blazy (abz)

Es ist schon etwas Besonderes, wenn man drei Bewohner der Hochdahler Senioren-Wohnanlage Rosenhof trifft, die es zusammen auf 307 Jahre Lebensjahre bringen. Eine winzige Episode in der Jahrtausende währenden Geschichte der Menschheit, aber eine sehr lange Strecke für jeden einzelnen der Senioren. Bei Besuchern weckt das Ehrfurcht und Respekt.

Nimmt man die Statistik zur Hilfe, lebten im Juni 2023 insgesamt 25.848 Menschen mit mehr als 100 Lebensjahren in Deutschland, 19.655 Frauen und 5193 Männer. Das ist wohl dem doch überwiegend sorglosen Leben in Deutschland geschuldet. Zu den über 100-jährigen Rosenhof-Bewohnern gehören Paul Neumann, geboren am 18. Juni 1923 in Kuchenheim (Stadtteil von Euskirchen) und Josefine Maria von Kürten, am 21. März 1922 in Düsseldorf zur Welt gekommen. Gemeinsam mit Rosenhof-Direktor Falck von Hahn und Hausdame Sonja Brune-Zaky, die die Runde betreuten, entwickelte sich ein interessantes Gespräch über die vergangenen mindestens 80 Jahre. Bedrückend waren die Erzählungen über die Nachkriegszeit und die Mühen, die man auf sich nehmen musste, um einen akzeptablen Lebensstandard wieder herzustellen. Berichtet wurde sachlich, ohne Wehklagen.

Josefina Maria von Kürten erzählte von Ihrer Bekanntschaft mit dem ehemaligen Düsseldorfer Oberbürgermeister Josef Kürten, auch schon fast 50 Jahre her, und betonte, dass sie ein Düsseldorfer Mädchen sei. Ihren Mann hat sie in einer Kneipe kennengelernt, beim „Ohme Jupp“, einer Wirtschaft, die es heute noch gibt. Paul Neumann, auf der anderen Rheinseite geboren und jahrzehntelang Mitarbeiter der Zuckerfabrik Pfeifer & Langen, erzählte interessante Geschichten aus seinem langen Arbeitsleben. Er hatte seine Frau mitgebracht, die auch im Rosenhof wohnt.

Es war ein gemütlicher kleiner Kreis, den die Rosenhof-Leitung mit Waffeln, heißen Kirschen, Vanilleeis und Sahne verköstigte. Man hätte noch stundenlang plaudern können. Fragen zu Betrachtung und Bewertung der Gegenwart wurden von den Senioren unisono mit dem Statement bewertet, dass man angesichts der Krisen wohl bilanzieren müsse, dass die Menschheit nicht viel, vielleicht sogar gar nichts Entscheidendes dazugelernt habe. Das jedenfalls sagen Menschen mit über einhundertjähriger Lebenserfahrung.

Das Beeindruckende an den Gesprächen war, dass alle 100-Jährigen geistig auf hohem Niveau waren und daher auch inhaltlich anspruchsvolle Gespräche zustande kamen. Man hätte noch viel länger plaudern können. Fazit der Runde: Alle betagten Bewohner sind froh und dankbar, im Rosenhof zu wohnen, eine der Damen bereits seit fast 30 Jahren. Sie wünschten sich, weiterhin stressfrei dort leben können.

(dtk)
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