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Erkrath: Grüne und BmU sehen Projekt "Höhlenblick" kritisch

Erkrath : Grüne und BmU sehen Projekt „Höhlenblick“ kritisch

Umstritten ist die Idee, in Nähe des Neanderthal Museums einen Aussichtsturm zu installieren, der noch dazu eine überdimensionierte Kalotte, also die Schädeldecke eines Neandertalers trägt.

(hup) Der Plan, die unweit des Neanderthal Museums gelegene Fundstätte des Neandertalers durch einen 25 Meter hohen Aussichtsturm attraktiver zu machen, stößt bei der Erkrather Politik nicht auf ungeteilte Zustimmung. Das Thema stand noch einmal auf der Tagesordnung des Planungsausschusses, da nun der nächste Schritt, die Offenlegung des dazugehörigen Bebauungsplanentwurfs, ansteht. Grüne und BmU nutzen die Gelegenheit noch einmal zur Kritik. So bereitet es den Grünen grundsätzlich Sorge, dass Freiflächen immer kleiner werden und Bäume weichen müssen. Ein „massiver Kahlschlag“ wie jetzt vor dem Neanderthal-Museum dürfe sich nicht wiederholen, unterstrich Peter Knitsch. Das Tal müsse als Erholungsfläche geschützt werden. Für die Feuerwehrzufahrt zum Turm würden allerdings keine Bäume gefällt, gaben Experten Entwarnung.

Wolfgang Sternberg vom Nabu-Kreisverband kritisierte, der Turm erfülle seinen Zweck nicht, weil es gar keine Höhle mehr zu sehen gebe. Das gesamte Vorhaben passe nicht in das enge Neandertal. Der Materialeinsatz – geplant ist eine filigrane, nach allen Seiten Durchblick gewährende Doppelhelix-Konstruktion aus Stahl – sei hoch, der Zweck fragwürdig.

  • Mettmann/Erkrath : Besser parken am Neanderthal Museum
  • Kreis Mettmann : Besser parken am Neanderthal-Museum
  • Kreis Mettmann : Besser parken am Neanderthal-Museum

Auch die BmU findet den Entwurf enttäuschend. Ihr missfällt zum einen „die überdimensionierte Kalotte“, sprich das Riesenmodell der Schädelplatte des Neandertalers, das den Turmbau krönen soll. Sie warnte auch davor, der Fundstätte einen Event- und Freizeitcharakter zu verleihen. Der Ort solle einen Bildungsauftrag erfüllen, aber genau dieser werde mit den Planungen zur Überarbeitung verfehlt, sagte Bernhard Osterwind. Der Beschluss zur Offenlegung der Pläne wurde schließlich gefasst, lediglich die BmU votierte dagegen. Die Grünen stimmten „unter Vorbehalt“ zu.

Der Turmbau soll die Fundstelle als Teil des „Masterplans Neandertal“ zu einem Publikumsmagneten machen. Hoch hinaus zur ehemaligen Lage der Feldhofer Grotte – dort wurden 1856 die Knochenreste des Neandertalers entdeckt – soll es den Plänen der Stiftung Neanderthal Museum nach gehen. Dort sollen Digital-Fernrohre den Blick auf Darstellungen des Orts zur Eiszeit oder im 19. Jahrhundert ermöglichen. Zudem soll es unterhalb des Geländeniveaus einen Felssockelgraben geben, in dem die südliche Felswand des Fundorts fossiler Knochenreste aus der Feldhofer Grotte freigelegt und begehbar wird. Das Museum reagiert mit seinen Plänen auf Klagen von Besuchern, die historisch so bedeutsame Fundstelle sei langweilig gestaltet, und arbeitet an seiner Modernisierung. Für das Projekt gibt es Geld aus einem Heimattopf des Landes NRW.