Erkrath: Flüchtling steht wegen Brandstiftung vor Gericht

Erkrath/Wuppertal : Flüchtling wegen Brandstiftung vor Gericht

Der junge Syrer hatte im April wohl aus Frust Möbel von einem Erkrather Balkon geworfen und zweimal Feuer gelegt.

7. April 2019, Kreuzstraße: Ein Mann steht auf dem Balkon seiner Wohnung und wirft Möbelstücke aus der zweiten Etage auf die Straße. Dazu qualmt es um ihn herum, Nachbarn alarmierten die Polizei. Als die Beamten dort eintreffen, finden sie den Kühlschrank, einen Fernseher und Schranktüren vor dem Mehrfamilienhaus.

Der Mann ruft den Polizisten vom Balkon aus zu, sie mögen beiseite gehen. Dann wirft er eine Tüte mit brennendem Papier über die Brüstung. Es dauert nicht lange, bis sich der Randalierer stellt – er war von den Rauchgasen aus seiner Wohnung getrieben worden. Der 19-Jährige wurde in Handschellen auf die Polizeiwache nach Hilden und von dort aus in die LVR-Klinik nach Langenfeld gebracht.

Derweil ziehen Feuerwehrleute den Löschschlauch durchs Treppenhaus, während Kollegen von der Drehleiter aus den Brand auf dem Balkon löschen. Am Ende liegt das demolierte Mobiliar vor dem Haus und an der Balkontüre gibt es erhebliche Brandschäden. Insgesamt entstand ein Schaden von 10.000 Euro. Der Brandstifter ist noch immer in der LVR-Klinik untergebracht, er gilt wegen einer psychischen Störung als vermindert schuldfähig.

Nun hat vor dem Wuppertaler Landgericht der Prozess begonnen, dem Angeklagten wird schwere Brandstiftung vorgeworfen. In dem Haus in der Kreuzstraße wohnen 15 Mietparteien, die er in Gefahr gebracht hat. Verletzt wurde niemand - der Brand konnte sich nicht über den Balkon hinaus ausbreiten. Vermutlich auch, weil Nachbarn schon die Polizei gerufen hatten, als der Angeklagte seine Möbel auf die Straße warf. Warum?

Dazu sagt der als minderjähriger Flüchtling eingereiste Syrer, dass er sich über vieles geärgert habe. Er sei auf der Straße von Fremden angesprochen worden, die ihm gesagt hätten, dass er früher kein Geld gehabt habe und er jetzt hier in Deutschland alles bekomme. Hinzu sei gekommen, dass er in der Nacht vor der Tat in der Düsseldorfer Altstadt beleidigt worden sei.

Ein Mann, dessen Namen er nicht kenne, soll zu ihm gesagt haben: „Ich f... Deine Mutter.“ Dem sei er dann nachgelaufen, um ihn zu schlagen. Dabei sei er der Polizei in die Arme gelaufen, die ihn eine Stunde lang ohne Wasser auf der Wache festgesetzt habe. Sein Handy habe er am gleichen Abend auch noch verloren – und all das habe schließlich dazu geführt, dass er seine Wohnung demoliert habe.

Zuvor habe er noch seinen Bruder besucht, der ihn eigentlich hätte in die Psychiatrie bringen wollen. Das habe er abgelehnt, stattdessen habe diese Vorstellung seinen Ärger noch anwachsen lassen. „Ich wollte kein großes Feuer machen“, erklärte der Angeklagte gegenüber dem Vorsitzenden Richter, dass das so nicht geplant gewesen sei.

Der lässt sich daraufhin erzählen, was genau dem Feuer zum Opfer gefallen war. Schulmitschriften, Amtspapiere – das alles hatte der 19-Jährige brennend über die Balkonbrüstung geworfen. „Mir war das einfach zu viel“, ließ der junge Mann das Gericht wissen.

Der Prozess wird fortgesetzt, unter anderem soll auch eine psychiatrische Sachverständige gehört werden.

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