Erkrath: Bürgerbus feiert neunten Geburtstag

Erkrath : In 110 Monaten zehn Mal um die Welt

Nicht nur Ältere, auch junge Leute nutzen den Bürgerbus. Das Gefährt ist eine Erfolgsgeschichte.

Anderswo rollt er bloß mau oder erst gar nicht an. In Erkrath aber ist der Bürgerbus eine einzige Erfolgsgeschichte. Ob nun der neunte Geburtstag oder der hunderttausendste Fahrgast gefeiert wird, der Erfolg lässt sich an verschiedenen Faktoren ablesen.

In Zahlen ausgedrückt absolvierte besagter Bus gerade seine 25.000 Runde, was in etwa 416.000 zurückgelegten Kilometern entspricht. „In knapp 110 Monaten sind wir zehn Mal um die Erde gefahren“, veranschaulicht Vereinsvorsitzender Harald Mars die beeindruckende Zahl. Beim jährlichen Bürgerbusgeburtstag stehen die Fahrgäste im Mittelpunkt und bekommen Geschenke, dieses Mal durfte der Verein sich selbst feiern.

Die Ehre, diese Geburtstagsrunde zu drehen, wurde per Dienstplan Sabine Habel zuteil, die seit dem Start 2010 als Fahrerin mit von der Partie ist. Als sie mit dem Bus um kurz vor halb elf wieder an der Haltestelle „Bouleplatz“ vorfuhr, wurde sie von ihren freudestrahlenden Kollegen mit Sekt und Orangensaft zum anstoßen empfangen. Eigentlich sollte es eine Überraschung werden, doch durch ein Missverständnis war das Jubiläum durch die Zeitungen gegangen und ein Fahrgast hatte geplaudert. „Ich freue mich trotzdem“, sagte Sabine Habel, „ich hätte nicht gedacht, dass so viele kommen.“ Der Bürgerbus-Verein beschäftigt derzeit 17 aktive Fahrer, von denen allerdings bloß zwei, nämlich Kassenwartin Sabine Habel und ihre Stellvertreterin Ulrike Haug, weiblich sind. „Die Frauenquote ist niedriger als bei anderen Bürgerbus-Vereinen“, wissen die beiden Quotenfrauen.

Weitere ehrenamtliche Busfahrerinnen sind also herzlich willkommen. Allerdings: „Wenn man Freundinnen anspricht, haben die alle einen Grund, nicht zu fahren“, weiß Ulrike Haug aus eigener Erfahrung. Dabei hat der Verein einiges zu bieten. „Der Bürgerbus ist ein super Angebot nicht für Ältere, sondern für alle Generationen“, sind sich Haug und Habel einig. Die Dankbarkeit der Fahrgäste gebe einem viel zurück. „Da kann man noch so schlechte Laune haben, wenn man in diesen Bus steigt, ist alles anders“, findet Fahrer und Ratsmitglied Detlef Ehlert. Und Sabine Habel erklärt: „Ich fahre seit 39 Jahren gerne Auto. Den Bus zu fahren, macht mehr Spaß als einen Pkw“. Deshalb habe sie sich vor neun Jahren als Fahrerin gemeldet, und auch, weil sie es als „gebotene Nachbarschaftshilfe“ empfindet.

Der Bürgerbus bedient seit Sommer 2010 Wohngebiete in Alt-Erkrath, die nach dem Kleeblatt-Prinzip in vier Schleifen unterteilt sind. Die Fahrer sind tatkräftig und kommunikativ, helfen beim Ein- und Aussteigen und haben immer ein offenes Ohr. Unter der Woche fahren die Ehrenamtlichen in drei-vier-drei-Stunden-Schichten, donnerstags und freitags kommt zusätzlich der alte Bus zum Einsatz. Senioren lassen sich so bequem zum Wochenmarkt oder Arzttermin chauffieren, auch neues Klientel kommt dazu: „Wir freuen uns über den Zuspruch von Müttern mit Kinderwägen“, sagt Detlef Ehlert, und Ulrike Haug ergänzt: „Junge Mädchen fahren mit dem Bus zum Shoppen, total niedlich“. Sabine Habel fasst zusammen: „Wenn man Erkrath und seine Menschen kennenlernen will, muss man Bürgerbus fahren“.