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Erkrath: Anträge ziehen Mammut-Prozess in die Länge

Am 31. Januar könnte das Urteil folgen : Anträge ziehen Mammut-Prozess in die Länge

Fünf Verhandlungstage waren angesetzt, mittlerweile sind es 22 sowie 40 Beweisanträge.

Aus fünf Verhandlungstagen sind mittlerweile 22 geworden im Vergewaltigungsprozess gegen einen Tunesier. Eine Welle von beinahe 40 Beweisanträgen war über das Gericht hinweg gerollt. Kurz vor Weihnachten gab es einen Befangenheitsantrag gegen die Kammer. Nach dessen Ablehnung ging’s am ersten Verhandlungstag nun weiter mit Anträgen. Man konnte sie förmlich sehen, die Schweißperlen auf der Stirn des Vorsitzenden Richters, der prompt eine Frist für weitere Anträge setze und die Prozessbeteiligten wissen ließ: „Irgendwann muss Schluss sein mit der Verfahrensverzögerung.“ Der 26-jährige Tunesier hat neben seinen beiden Pflichtverteidigern nun noch eine neue Verteidigerin damit beauftragt, die Glaubwürdigkeit des Opfers zu erschüttern und ihn aus der Sache „rauszuholen“. Und tatsächlich hatte es Momente gegeben, in denen man als Prozessbeobachter an seiner Schuld hätte zweifeln können. So hatte eine Polizeibeamtin im Zeugenstand davon erzählt, dass das Opfer mehr um die Entführung des gemeinsamen Sohnes nach Tunesien gefürchtet habe und die angezeigten Vergewaltigungen bei den polizeilichen Vernehmungen nicht das vordringliche Thema gewesen seien. Auch das Tagebuch war von der Ex-Frau des Angeklagten im Nachhinein angelegt worden: Eine Steilvorlage für dessen Verteidiger, um die Glaubwürdigkeit des Opfers anzuzweifeln. Dazu gab es nun nochmals neue Anträge – unter anderem den, den vierjährigen Sohn des Paares zu vernehmen.

Als der Angeklagte dann auch noch damit begann, eine seitenlange Einlassung zu verlesen, sank der Kammervorsitzende vollends in seinen Richterstuhl zurück. Üblicherweise rechnet man mit sowas am ersten Verhandlungstag, oder auch schon mal am zweiten. Keinesfalls jedoch kurz vor den Plädoyers, die auch diesmal wieder ausfielen. Denn vorlesen konnte der 26-Jährige nur die ersten sieben Seiten seiner Einlassung, in der es um das Kennenlernen seiner späteren Ehefrau ging.

Fortsetzung folgt am nächsten Verhandlungstag. Dann sollen weitere sieben Seiten der Einlassung verlesen werden. Weil es darin vermutlich auch um die angeklagten Taten gehen wird, soll auch erstmals die neu hinzugezogene Verteidigerin anwesend sein. Ihr erster Verhandlungstag wird dann wohl auch das Ende der Beweisantrags-Welle einläuten: Was bis dahin nicht eingegangen ist, wird das Gericht nicht mehr entgegennehmen. Am 31. Januar könnte das Urteil folgen – vielleicht.