Einkaufen in Alt-Erkrath

Einkaufskonzept für Alt-Erkrath fehlt: Ein wenig Hoffnung für die Bahnstraße

Totz der Schlussverkaufsaktionen einzelner Händler erinnert die Einkaufsstraße in Alt Erkrath an eine Geisterstadt: unbelebt, ungepflegt, viele Leerstände. Es gibt nur wenige florierende Geschäfte.

„Wintersale“, „Sale“ oder Prozentschilder mit bis zu „70%“ in Signalrot hängen nur in wenigen Alt-Erkrather Schaufenstern. Wundern tut das hier niemanden – klassischerweise bieten gerade Bekleidungsgeschäfte Nachlässe an und davon gibt es auf der Bahnstraße gerade mal drei oder vier. Eines davon ist ein Discounter, T-Shirts für 4,99 sind hier ohnehin an der Tagesordnung. Jetzt kosten sie 2,99 Euro. Eine Jacke wird jetzt für 9,99 Euro angeboten.

„Wir sind gar nicht extra wegen der Schlussverkäufe hergekommen“, erklärt eine Kundin, die an der Kasse viele Einzelteile auf den Tresen legt, „aber es ist natürlich schön, dass alles jetzt noch günstiger ist.“ Gut besucht ist der für Alt-Erkrather Verhältnisse flächenmäßig recht große Laden trotzdem nicht, gerade mal drei Kundinnen halten sich hier auf, ähnlich sieht es bei einem alteingesessenen Bekleidungsgeschäft aus, das bekannte Marken führt, obwohl auch hier die Verkäuferinnen fleißig dabei sind, die Ware mit Schlussverkaufspreisen auszuzeichnen.

Draußen ist es kalt und regnerisch, alles wirkt trist, trotz einiger geschmückter Weihnachtsbäume, ein paar Lichterketten. Aufgeweichte Plakate, Unrat in den Gebüschen, alles wirkt schmuddelig, die vielen Leerstände reihen sich mittlerweile aneinander, auch das inhabergeführte Schuhgeschäft von Einzelhändlerin Monika Norden ist Vergangenheit: „Aus persönlichen Gründen bleibt mein Geschäft geschlossen. Danke für Ihr Vertrauen“, steht auf einem kleinen Zettel, der an der ehemaligen Eingangstüre klebt. Das ist alles, was geblieben ist von dem einzigen Schuhladen in oder an der Fußgängerzone.

Und dass, obwohl eine in Auftrag gegebene Machbarkeitsanalyse der Stadt Erkrath bereits 2014 ergeben hatte, dass sich rund 60 Prozent der befragten Bürger mehr Angebote im Bereich Schuhe und Lederwaren wünschten. Nun gibt es gar kein Angebot mehr. „Mich wundert hier gar nichts mehr“, sagt Silke Alberga, Mitarbeiterin bei Floristik Vavpotic. „Wir haben hier mit unserer Lage direkt an der Kreuzstraße noch Glück, man sieht uns bei der Durchfahrt von oder nach Mettmann und wir achten auf eine ansprechende Außenpräsentation, so dass viele Kunden auch deshalb den Weg zu uns finden. Aber wenn man sich die Innenstadt anschaut – schrecklich.“

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Dann zeigt die Blumenfachfrau in Richtung eines Discounters. „Da war früher Netto drin. Für die vielen alten Leute, die hier leben, ist das eine Katastrophe, weil sie jetzt nicht mehr fußläufig ihre Lebensmittel einkaufen können.“ Gegenüber, wo ein Matratzengeschäft sein Glück versucht hatte, kleben jetzt große Pappen in den Schaufenstern. In Handschrift geschrieben informieren sie darüber, bald ein Sonnenstudio einziehen will.

Die 2014 erstellte Studie hat ergeben, dass viel passieren muss, um die Bahnstraße zu beleben, Laufkundschaft und Kaufkraft zu gewinnen. Zum Beispiel, indem man die Wegebeziehung zwischen dem gut besuchten Baviercenter und der Fußgängerzone attraktiver durch sogenannte Magnetpunkte gestaltet und mehr filialisierte Handelsbetriebe im Zentrum ansiedelt. Passiert ist nichts. „Die Ladenlokale sind zu klein für Filialen und damit unattraktiv, die Mieten viel zu hoch, die Öffnungszeiten nicht einheitlich“; schimpft eine Passantin.

Margret Bottas Wollgeschäft „Strick&Strick“ ist eines der wenigen Beispiele für Läden, denen die unzähligen Problematiken rund um die Bahnstraße nichts anhaben können. „Dadurch, dass ich ein reines Fachgeschäft habe, kommen die Kunden von weit her zu mir, aus dem gesamten Kreis und Düsseldorf. Die Lage ist zweitrangig. Und für mich stellt der Onlinehandel keine Gefahr dar, weil in meinem Segment intensive Beratung gefragt ist und die Kunden die Ware unbedingt anfassen wollen, bevor sie sie kaufen.“

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