Erkrath: Eine junge Frau, die Verantwortung sucht

Erkrath : Eine junge Frau, die Verantwortung sucht

Pia Schulke ist mit einem internationalen Preis für Oberstufenschülerinnen ausgezeichnet worden. Die Schülersprecherin macht gerade Abitur. In der Rudergemeinschaft ist sie Sportwart und bei den Pfadfindern Hilfsleiterin.

Wenn eine Abiturientin mit einem Preis für überdurchschnittliches Engagement in Schule, Vereinen oder Organisationen ausgezeichnet wird, erwartet man eine Streberin. Doch Pia Schulke ist erfreulich bodenständig und sympathisch. Das Engagement, für das sie kürzlich den "Young Women in Public Affairs Award" von Zonta International erhalten hat, scheint vielmehr in ihrer Natur zu liegen.

Die Abiturprüfungen, die die 18-Jährige in den letzten Monaten abgelegt hat, hat sie mit ziemlich gutem Schnitt bestanden. "Vieles fiel mir leichter als anderen" sagt sie. Trotz G8. "Es ist stressig, aber noch auszuhalten". Man habe zwar kaum Freizeit, aber die Freunde säßen ja im selben Boot.

Pia Schulke hat das Beste daraus gemacht und ihre Hobbys in die "Arbeitswelt" verlagert. Seit der fünften Klasse war sie quasi durchgehend Klassensprecherin und hat ihre "politische" Karriere kontinuierlich weiterverfolgt. Sie ist früh in die Schüler-Ruder-Gemeinschaft (SRG) eingetreten, wo sie schon bald Verantwortung übernommen hat. Die SRG, die zunächst eine AG, dann ein Verein war, hat einen eigenen Bereich am Unterbacher See. Pia absolvierte einen Steuermannslehrgang und trat in den Vorstand ein, als sie in der neunten Klasse war. Als Sportwart unterstütze sie zwei Jahre lang das Anfängertraining.

Zeitgleich engagierte sie sich in der Schülervertretung des Gymnasiums am Neandertal, wurde in der zehnten Klasse Kassenwart und in der elften Schülersprecherin.

Natürlich trifft sich Pia auch viel mit Freunden und geht auf Konzerte oder Festivals (Die Toten Hosen, Boilers, Ruhrpott Rodeo), aber eigentlich ist das ehrenamtliche Engagement schon Hobby genug. "Ich lerne so viele Menschen kennen durch die Sachen, die ich mache", schwärmt sie.

Auf der anderen Seite ist man auch ganz schön gefordert. Als Schülersprecher ist man das Bindeglied zwischen Schülern und Lehrern, bei Veranstaltungen ist man "die erste und letzte Person vor Ort". Man organisiert Events wie Karnevals- und Halloween-Partys oder das Nikolaus-Fußballturnier, vertritt die Anliegen der Schüler (Antrag auf Erlaubnis zur Handynutzung) und kümmert sich um die Renovierung des Oberstufenraums. "Man muss sich daran gewöhnen, dass man von der Schülerschaft kaum Anerkennung bekommt", sagt Pia. "Ich hab schon ein dickeres Fell bekommen".

Seit drei Jahren ist sie außerdem bei den Pfadfindern St. Georg. Aber nicht, "um Kekse zu verkaufen", sondern um Verantwortung zu übernehmen. Früh hat sie als Hilfsleiter die "Wölflingsgruppe" (6 bis 10 Jahre) betreut, wurde mit 18 dann Vollleiter.

Mit den Pfadfindern kommt man viel rum. Erst kürzlich haben sich zwölf Stämme zum Pfingstlager in Düsseldorf getroffen. Im letzten Jahr war Pia mit den Rovern (ab 16) und den anderen Leitern in Nordamerika (Chicago, Toronto, Niagara Falls, New York). "Unser Ehemaliger Lothar Götz kennt viele Spendentöpfe".

Für die Zukunft hat Pia auch schon Pläne. "Ich möchte einen Bachelor in Psychologie und einen Master in Kriminalistik machen". Ziel ist es, jugendliche Straftäter zu resozialisieren. Aber liebsten wäre ihr ein Studienplatz zum kommenden Semester in Düsseldorf, in einer WG mit zwei Freundinnen. Eine Weltreise vorher ist nicht geplant. "Ich bin zwar gerne unterwegs, aber auch gerne zu Hause". Wie gesagt, bodenständig.

(tpp)
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