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Erkrath: Ein Macher, der seine Hochdahler Heimat liebt

Erkrath : Ein Macher, der seine Hochdahler Heimat liebt

Udo Kampschulte setzt sich weiter ehrenamtlich ein - trotz schwerer Erkrankung. Er hat Freude am gemeinsamen Tun: im Lokschuppen, beim Straßenfest und im Arbeitskreis "Tourismus".

Andere hätten womöglich längst aufgegeben. Er macht einfach weiter. Dabei ist nichts mehr wirklich einfach im Leben von Udo Kampschulte. Die Leichtigkeit des Dahinlebens ist dem "und dennoch" gewichen, seit er vor Jahren an Krebs erkrankte und inmitten eines Rückfalls den Tod seiner Frau verkraften musste. "Dann starb auch noch meine Mutter. Es waren viele Schicksalsschläge in den vergangenen Jahren", spricht der Vorsitzende des Lokschuppen-Vereins über eine Zeit, in der die Verzweiflung nahe war. Im Grunde ist sie das immer noch. Aber Udo Kampschulte ist keiner, der schnell aufgibt. Er war immer schon ein Macher-Typ, daran hat sich bis heute nichts geändert.

Besucht man ihn in seinem gemütlichen Haus am Millrather Höhenweg, ist man sofort mittendrin im Leben des passionierten "Eisenbahners". Eisenbahnmodelle im Wohnzimmer, an der Wand, im Flur: Irgendwo fährt in Gedanken immer ein Zug. Der Rasen im Garten darf wachsen, auf der Terrasse steht eine bequeme Couch. Keiner versucht zwanghaft mit dem Rasenmäher oder der Heckenschere "das Leben in den Griff zu bekommen". Udo Kampschulte hat keine Lust mehr, sich anzupassen. "Ich mache nur noch, was mir Spaß macht", sagt er selbst.

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Man merkt schnell, dass damit wohl kaum das oberflächliche Vergnügen inmitten einer belanglosen Spaßgesellschaft gemeint ist. Große Entwürfe oder die Welt bereisen? All das interessiert den 59jährigen nicht. Stattdessen stapeln sich auf dem Wohnzimmertisch die Ideen der vergangenen Jahre. Masterplan Neanderthal, eisenbahnhistorischer Lehrpfad, Lokschuppenprojekte: Die Kreativität von Udo Kampschulte kreist um seine Heimatstadt und all das, was es dort noch zu erleben gäbe, wenn sich nur irgendjemand der Sache annehmen würde. Es liegt nahe, dass er es oft selbst ist, der die Dinge immer noch gerne ins Rollen bringt.

Jahrelang hat er das auch schon neben seinem Job als Pressesprecher der Bahn getan. "Die Familie hat darunter gelitten", blickt er auf Zeiten zurück, in denen er überall war - nur nicht zuhause. Das Ehrenamt hat ihn getrieben, und es treibt ihn immer noch. Hört man Udo Kampschulte zu, wird allerdings eines ziemlich klar: Er ist ein Macher, aber kein Verhinderer. Auch wenn er sich selbst und anderen eingesteht, dass ihm das stetige Tun derzeit hilft, um nicht in der Verzweiflung zu erstarren, so weiß er doch: "Diese Dinge bringen mich auf andere Gedanken. Sonst würde ich verrückt werden." Seine beiden Kinder und die neue Lebensgefährtin tragen alles mit, sie lassen ihn machen. All die Projekte, die sich auf seinem Tisch stapeln - niemand würde es dem Lokschuppen-Chef wohl verdenken, wenn er sich damit einfach nur die schwere Zeit ein wenig leichter machen würde.

Aber damit allein lässt sich sein Engagement nicht erklären. Im Gegenteil, in jedem Satz schwingen das Gefühl von Gemeinsinn und die Freude an gemeinsamem Tun mit. Würde es ihm um Macht und Einfluss gehen, wäre er wohl eher Kommunalpolitiker geworden. Wo andere auf die Karriere und das große Geld schielen, schaut Udo Kampschulte vor allem darauf, etwas für andere zu schaffen. Man kann sich gut vorstellen, dass er sich freuen würde, wenn irgendwann jemand den historischen Eisenbahnlehrpfad entlang wandert. Oder wenn Kinder mit großen Augen eine Modelleisenbahn im Lokschuppen bewundern.

Was ihn außerdem antreibt, ist ungewöhnlich und naheliegend zugleich. Udo Kampschulte umschreibt es selbst mit dem "Bacillus Vaticus". Gemeint ist damit seine Nähe zum Vater Friedrich Kampschulte, der kürzlich seinen 90. Geburtstag feiern durfte. Das Miteinander von Vater und Sohn scheint immer schon ein besonderes gewesen zu sein. "Wir waren oft gemeinsam mit der Bahn unterwegs", erinnert sich Udo Kampschulte an seine Kindheit. Der Vater war Hundeführer bei der Bahnpolizei, die Mutter saß am Fahrkartenschalter - was lag also näher als ein Leben inmitten von Zügen, Gleisen und Bahnhöfen.

Aber es ist nicht nur das, was Vater und Sohn bis heute verbindet. Auch Friedrich Kampschulte hat sich jahrzehntelang im Bürgerverein Hochdahl, im Lokschuppenverein und in der Kommunalpolitik engagiert. Obwohl darüber nur selten am Küchentisch gesprochen wurde, scheint es im Hause Kampschulte doch eine Selbstverständlichkeit zu sein, dass man sich für die Heimatstadt engagiert. Und dass auch ohne persönliche Eitelkeiten.

(magu)