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Erkrath: Die Stimme, die in Erkrath fast jeder kennt

Erkrath : Die Stimme, die in Erkrath fast jeder kennt

Gisela Schottke sitzt seit zwölf Jahren im Vorzimmer des Bürgermeisters. Pro Tag rufen 60 bis 70 Bürger bei ihr an.

Sie ist die freundliche Stimme im Vorzimmer von Bürgermeister Arno Werner: Wer von Werner etwas will, kommt an Gisela Schottke nicht vorbei. Ungefähr 60 bis 70 Mal bimmelt an belebten Tagen ihr Telefon im Rathaus-Büro an der Bahnstraße. Die meisten Erkrather wollen am liebsten mit ihrem Anliegen sofort zum Stadtoberhaupt durchgestellt werden - oft, weil sie sich über ein Knöllchen ärgern und es loswerden wollen, weil sie Dreckecken an der Morper Allee entdeckt haben, weil am Spielplatz im Bavierpark Papierkörbe fehlen, weil Sperrmüll an der Maximilian-Weyhe-Straße liegengeblieben ist und und und. Manche lassen nichts unversucht, um an ihr Ziel zu gelangen. Sie scheuen sogar nicht davor zurück, sich als gute Freunde des Bürgermeisters auszugeben, erzählt Schottke.

Nicht alle Bürger reagieren verständnisvoll und freundlich, wenn sie erfahren, dass der erste Bürger der Stadt nicht so ohne weiteres für sie zu jeder Tageszeit zu erreichen ist und sie sich vielleicht bis zur offiziellen Sprechstunde gedulden müssen. Gisela Schottke hat sich da ein dickes Fell angeschafft. Beschimpfungen prallen an ihr ab. So schnell lässt sie sich nicht provozieren. "Eigentlich gar nicht", sagt sie, "obwohl es auch einige penetrante Nervensägen gibt, die sich immer wieder am Telefon aufregen. Manchmal muss ich die Leute erst mal runterholen und beruhigen, das schaffe ich aber fast immer", sagt sie. Offenbar auch ohne Kommunikationsschulung und Supervision. "Ich bin eben so", sagt die 56-jährige Mutter von zwei Kindern und Oma von fünf Enkeln.

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Gisela Schottke und Arno Werner sind seit über zehn Jahren ein hervorragendes Team. Wenn nötig, ist sie das Bollwerk zwischen ihm und dem allzu aufgebrachten Bürger. Denn ihre Aufgabe ist es auch, überflüssige Arbeit vom Bürgermeister fernzuhalten. Das macht sie geschickt, freundlich und kompetent, ohne die Beschwerdeführer zu brüskieren. "Ich bin gebürtige Erkratherin und kenne hier fast alles und fast jeden", sagt sie. "Ich weiß, wovon die Bürger reden, wenn sie sich beschweren. Und ich weiß auch, ob ihr Einwand berechtigt ist." Dann vermittelt sie einen Ansprechpartner. Es muss ja nicht immer der Bürgermeister sein.

Neun Stunden dauert ihr Arbeitstag - von 6.30 bis 16 Uhr, dafür hat sie freitags frei. Ein Leben ohne Arbeit kann die 56-Jährige sich nicht vorstellen. "Ich gehe gerne ins Rathaus", sagt sie überzeugend, "vielleicht fällt es mir montags etwas schwerer", fügt sie schmunzelnd an. Ob sie nach der Pensionierung von Arno Werner 2015 ihren Job in dieser Form behält, weiß die gelernte Justizangestellte nicht. "Eigentlich sucht sich der Bürgermeister seine Vorzimmerdame immer selbst aus", sagt sie, "ob ein neuer mich übernimmt, weiß ich nicht." Zwischen ihr und Arno Werner besteht ein Vertrauensverhältnis, das für die Zusammenarbeit unerlässlich ist. Was sie besonders an ihrem Chef schätzt, ist schnell gesagt: "Er weiß wirklich immer alles und vergisst nichts", erklärt sie mit einer Spur Bewunderung. Und: "Er ist sehr präzise und genau."

Aber auch mit Blick in die Zukunft behält Schottke ihre gewohnte Gelassenheit: "Ich werde sehen, was dann kommt. Ich mache auf jeden Fall die nächsten zehn Jahre noch voll." Weder ein anderes Amt noch viel Arbeit vermögen sie zu schrecken. "Ich liebe Action", sagt sie. Das Gefühl, völlig ausgepowert nach Hause zu kommen, kennt sie nicht. Wenngleich auch Gisela Schottke manchmal die Ruhe sucht. Zum Beispiel im großen Garten mit Hühnern, Vögeln und Fischen, der nur wenige Meter vom Arbeitsplatz an der Bahnstraße entfernt liegt. "Ich kann wunderbar im Grünen abschalten, beim Schmökern in einem Buch von Charlotte Link beispielsweise."

In Schach halten Schottke vor allem die fünf Enkel, von denen fast immer einer da ist und die sehr gerne bei Oma übernachten. "Das ist mein Hobby", sagt sie.

Sonst setzt die Vorzimmerdame des Bürgermeisters auf ein entspanntes Leben. Im Urlaub ist kein blinder Aktivismus angesagt, sondern Strand, Lesen ausspannen - sehr gerne in der Türkei.

(RP)