Die Neanderhöhe in Erkrath ist Diskussionsthema

Erweiterung des Gewerbegebiets geplant : Neanderhöhe – Bürger vermissen Politiker

Bei der Begehung auf der Neanderhöhe, zu der die Naturschutzgemeinschaft erneut eingeladen hatte, fehlten Ratsmitglieder.

Die Naturschutzgemeinschaft Neandertal (NSG) lässt nicht locker. Schon viele Begehungen haben auf der Neanderhöhe stattgefunden, teils mit unterschiedlichen Schwerpunkten, um möglichst viele Bürger davon zu überzeugen, dass das geplante Gewerbegebiet verhindert werden muss. Für den Ortstermin am vergangenen Sonntag hatte die NSG nun alle Ratsmitglieder und den Bürgermeister schriftlich eingeladen. Jedoch: Zeitgleich fand die traditionelle Gedenkfeier zum Volkstrauertag im Bavierpark statt. Statt sich auf der kalten Neanderhöhe mit dem leidigen Streitthema zu beschäftigen, zogen es die meisten Ratsmitglieder wohl vor, der Kranzniederlegung beizuwohnen.

Initiator und Landwirt Elmar Stertenbrink war mehr als nur enttäuscht. „Wir haben nur zwei konkrete Absagen, von Bürgermeister Schultz und Detlef Ehlert. Die anderen haben es noch nicht einmal für nötig gehalten, uns kurz zu informieren, so dass wir den Termin hätten verschieben können.“

Nur die Fraktion der Grünen, deren Votum gegen die Bebauung sowieso feststeht, war fast vollzählig erschienen. Für die BmU, auf deren Stimmen es am 11. Dezember ankommen wird, war immerhin Ratsmitglied Thomas Spiritus gekommen.

„Ist ja ein bisschen wie ‚Dinner for one‘ hier“, kommentierte Spiritus die immer gleichen Gesichter. Die SPD (auch gegen die Bebauung) fehlte komplett, die CDU-Fraktion (für das Gewerbegebiet) ließ sich von den Stadtverbands-Vorständen Thomas Vogel und Martin Bracht vertreten. „Das grenzt schon an Ignoranz“, sagte ein parteiloser Besucher auf die Frage von Elmar Stertenbrink, wie das Fehlen der Ratsmitglieder auf die Bürger wirke.

Jedoch musste Stertenbrink einräumen, dass der Termin am Volkstrauertag sehr ungünstig gewählt war. „Das hatten wir lange Zeit gar nicht auf dem Schirm, sorry.“ Barbara Geiss-Kuchenbäcker (Grüne) sah trotzdem ihre Ratskollegen in der Pflicht: „Man hätte ja auch schon längst an einem der Sonntage vorher kommen können.“

Peter Knitsch (auch sehr grün) schlug vor, den Termin für die Politiker am 2. Dezember zu wiederholen und dann insbesondere die Mitglieder des Planungsausschusses einzuladen. Bis dahin machte man das Beste aus der Situation und zog die Begehung durch, da ja auch einige interessierte Bürger gekommen waren. Wolfgang Sternberg, Kreisvorsitzender des NABU, erläuterte die Bedeutung der Neanderhöhe als Teil des Hochdahler Biotop-Verbundes mit Nähe zum FFH Neandertal, und als Jagdrevier für Greifvögel und Eulen.

Thomas Vogel, stellvertretender Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes, räumte ein, dass die unbebaute Fläche sehr schön sei, und es schade wäre, sie zu versiegeln. „Aber der Bürger erwartet Leistungen von der Stadt, und dafür brauchen wir Geld“, sagte der Apotheker, „man muss Kompromisse machen.“ Das sah Thomas Spiritus ähnlich: „Der Biotop-Verbund ist schon längst durch Timocom und das Neanderbad beeinträchtigt. Man muss auch die Realitäten sehen.“

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