Der Integrationsverein Du-Ich-Wir und der Verein „Cercle des Pétanqueures Erkarth“ (CdP) haben Flüchtlingskinder zum Boulespieletag eingeladen

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Flüchtlingskinder hatten einen schönen Ferientag, arrangiert vom Verein Du-Ich-Wir und dem Boule-Verein (CdP).

Dildar hat noch Probleme mit der Aussprache des französischen Wortes für „Schweinchen“. „Cocho, Coschi… Cochinek…wie heißt das nochmal?“, fragt der neunjährige Iraker und schaut Norbert Koch mit großen neugierigen Augen an. „Cochonnet“, antwortet der sportliche Leiter des Erkrather Boulevereins CdP und lacht: „Ist ja auch ein ganz schön schwieriges Wort, aber du warst schon nahe dran.“

Dildar hält eine kleine rote Kugel hoch. „Also, das ist die Cochonnet und die schmeiße ich jetzt ganz weit.“ Der fröhliche Junge holt aus, die Kugel bleibt nach einigen Metern auf der Boulebahn liegen. „Komm, jetzt spielen wir, Delin“, fordert er seine kleine Schwester auf. Die beiden Geschwister sind vor zwei Jahren mit ihren Eltern aus dem Irak geflüchtet, hier in Erkrath fühlen sie sich wohl.

„Ich gehe gerne in die Schule und ich habe viele Freunde“, erzählt Dildar in nahezu einwandfreiem Deutsch, das er unter anderem mit Unterstützung des Vereins „Du-Ich-Wir“ gelernt hat. „Wir fördern die Integration durch kostenfreie Sprachschulungen“, erklärt Dominik Adolphy, der den Bouletag für die Flüchtlingskinder maßgeblich organisiert hat. „Eine unserer Mitarbeiterinnen ist Mitglied im Bouleverein, so ist der Kontakt zusammengekommen.“

Dildar wirft die erste seiner drei silbernen Kugeln mit den blauen Streifen. Konzentriert ist der kleine Junge bei der Sache, nimmt sich ganz ruhig die Zeit, vorher mit den Augen den Abstand zum Schweinchen zu ermessen, um möglichst nahe mit seiner Silberkugel heranzukommen. „Je näher man dran ist, um so eher gewinnt man die Punkte“, erklärt der Grundschüler einem anderen Kind, das verspätet hinzu gestoßen ist.

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„Boule“, erklärt Norbert Koch, „ist ein Spiel das sehr simpel ist. Es bedarf keiner komplexen Spielregeln und erfordert auch keine großen motorischen Fähigkeiten, daher hat man schnell Erfolgserlebnisse und es funktioniert auch dann, wenn man der deutschen Sprache nicht mächtig ist, denn es erklärt sich von selbst.“ Und tatsächlich: Überall auf den zahlreichen Bahnen wird geboult, viele der rund 40 Kinder sind eifrig dabei, Dany und Dilshad machen dagegen eine Pause und beobachten das Geschehen von einer Bank aus.

„Wir haben das im Irak auch gespielt“, erzählt Dany, „wir hatten aber nur Steine. Es war aber auch schön da. Dann sind wir mit dem Boot geflüchtet, aber das war schrecklich, weil das Steuerruder kaputt war und das Boot nur nach rechts lenken konnte. Aber jetzt hab ich keine Angst mehr.“ Umrahmt von vielen ihnen zugewandten Betreuern fühlen sich die Kinder geborgen, haben Vertrauen. „Es ist schön, dass sie solche Sachen mit uns unternehmen“, schwärmt Dilshad. Auch für Raghad und ihre Freundin Hamza ist es ein besonderer Tag: „Vor allem, weil ich heute Geburtstag habe“, lässt Hamza wissen, „das ist eine schöne Feier.“

Nach dem gemeinsamen Essen – Pizza in allen Variationen – singen die Kinder noch einmal zusammen, Norbert Koch spielt mit seiner Ukelele dazu. Dildar kann sich vom Boulespiel kaum trennen, immer wieder versucht der Junge, mit seiner Kugel näher an das „Schweinchen“ heran zu kommen.

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