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Corona Der Neustart in der Grundschule Sandheide wird spannend

Erkrath : Der Neustart wird spannend

In der Grundschule Sandheide werden am 4. Mai wieder 43 Viertklässler erwartet – mit gemischten Gefühlen. Eine Herausforderung für Leiterin und Lehrkräfte, denn „kein Kind hält ohne Weisung zwei Meter Abstand“, weiß Leiterin Susanne Adomeit.

Von Cordula Hupfer

Nach dem Großbrand und dem darauf folgenden Umzug der gesamten Schule in die alte Realschule Schmiedestraße war gerade wieder so etwas wie Alltag in die Grundschule Sandheide eingekehrt. Und dann kam Corona und legte den Betrieb komplett lahm. Muss das jetzt alles auch noch sein, habe sie sich da gefragt, erzählt Schülleiterin Susanne Adomeit.

Sie wird voraussichtlich noch vier Jahr im Amt sein, bevor es in den Ruhestand geht. Und muss, gemeinsam mit ihrem Team, nun wieder eine große Herausforderung stemmen. Am Montag, 4. Mai, kann die Schule aller Voraussicht nach mit den vierten Klassen wieder starten. Das betrifft 43 von insgesamt 205 Schülern, für die derzeit alles Corona-gemäß vorbereitet wird.

„Wie haben schon einen großen Sicherheitsschirm gespannt, um den Betrieb zu ermöglichen. Unterrichtet werden darf jetzt nur in Gruppen von bis zu 15 Kindern. Hier bei uns werden es wohl zehn bis elf Kinder pro Gruppe sein. Sie erhalten dann Unterricht von jeweils einem Lehrer, der nicht zwischen den Gruppen ausgetauscht werden darf“, berichtet Adomeit. Die Idee dahinter ist klar: Es muss nachvollziehbar bleiben, wer mit wem Kontakt hatte, um bei einer Infektion schnell reagieren zu können.

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Unterrichtet wird dann auch nicht das volle Programm, sondern lediglich in den beiden Kernfächern Deutsch und Mathematik, morgens für drei Stunden und insgesamt 15 Stunden pro Woche. Die Tische wurden dafür schon auseinander gerückt, um den gebotenen Abstand zwischen den Schülern zu garantieren. „Natürlich dürfen die Schüler ihre Plätze auch nicht wechseln und die Lehrer müssen auf Distanz unterrichten. Es geht also nicht, dass man mal eben einem Schüler über die Schulter schaut und etwas korrigiert.“

Die Gruppen haben einen eigenen, festen Raum, die Türen bleiben offen, um das Klinken-Pproblem zu vermeiden. Es stehen zehn Räume zur Verfügung, die täglich penibel gereinigt werden. Die Kinder dürfen während des Unterrichts nicht aufstehen und sollten sich auch während des Toilettengangs nicht zu nahe kommen.  Eine Herausforderung für Leiterin und Lehrkräfte, denn „kein Kind hält ohne Weisung zwei Meter Abstand“.

Zum Unterricht kommen die Kinder in zwei Schichten, Beginn ist für die einen um 8 Uhr und für die anderen um 11 Uhr. Sie sollen sich so wenig wie möglich begegnen und im Gruppenraum mit so wenig Material wie möglich arbeiten, „denn das müsste anschließend jedes Mal von den Lehrern abgewaschen werden“, sagt die Schulleiterin.

Theoretisch ist alles durchdacht und praktisch vieles eingerichtet, aber mindestens ein Problem bleibt. „Sagen Sie mal einem Kind, dass es seine Wiedersehensfreude nicht durch Nähe, Umarmen, um den Hals Fallen ausdrücken darf. Dass sie das nicht mehr dürfen, das ist das Schlimmste“, sagt Susanne Adomeit. Sie rechnet damit, dass die Lehrer ganz schön viel Arbeit damit haben, die Kinder zu disziplinieren, damit sie auch wirklich den geforderten größeren Bogen umeinander machen.

„Die Kinder stürmen doch nach der langen Zeit erst einmal auf die Lehrer und ihre Kameraden zu und die Lehrer müssen dann sagen, nee, bleibt mal weg. Das ist furchtbar und tut mir so leid für die Kinder. Sie vergessen das mit dem Abstandhalten leicht, selbst die Lehrer tun es manchmal.“ Insofern betrachtet Susanne Adomeit den Neustart des Unterrichts mit gemischten Gefühlen. „Mein Vorschlag wäre folgender gewesen: Statt Unterricht in Gruppen in der Schule kommt jede Stufe einmal in der Woche vorbei und holt sich Aufgaben ab, arbeitet sie durch und kommt in einer Woche wieder. So hätte man den Kindern auch einmal etwas erklären können.“

Die Zeit der geschlossenen Schule hätte nicht so ohne Weiteres per Mail-Kontakt überbrückt werden können, denn „einige Kinder haben noch nie eine Mail geschrieben und tippen zum Beispiel alles in den Betreffzeile. Wir konnten aber zu den meisten Kontakt halten, denn wir haben für alle Schüler Pakete mit Aufgaben gepackt, die auch abgeholt wurden, aber wir haben leider nicht von allen Rückmeldung erhalten. Für diese Kinder ist die Zeit jetzt fatal, für sie ist die Zeit ohne Schule einfach zu lang“, sagt Adomeit.

Die Lehrer der Grundschule haben Pakete mit Arbeitsblättern an  die Drittklässler verteilt, gingen dabei von Tür zu Tür. Die Lehrer bereiten sich derzeit vor, machen sich Gedanken um jedes Kind: Wie wirkt sich der Schulausfall auf den jeweiligen Schüler aus?  Wo muss angesetzt werden? Die Drittklässler machen dann ein Foto von den erledigten Aufgaben und schicken es per Mail an die Lehrer, die sie auch jederzeit anrufen können. Das klappt natürlich nicht reibungslos.

„Die Kinder sind jetzt auf ihre Elternhäuser zurückgeworfen, Erst- und Zweitklässler müssen angeleitet werden. Fünf Monate ohne Schule, das wirft sie zurück, da muss ganz viel wiederholt werden, denn die haben doch alles vergessen“, erklärt Adomeit.