Campus Sandheide bleibt ein Reizthema in der Erkrather Politik

Erkrath : Campus Sandheide bleibt ein Reizthema

Die Planungen für das künftige Nebeneinander von Grund- und Förderschule gehen voran. Grüne und BmU melden weiter Bedenken an und auch das Grundschulkollegium ist nicht restlos begeistert.

Lange vor dem Brand, der die Grundschule Sandheide zerstört und den weiteren Schulbetrieb unmöglich gemacht hat, war schon klar, dass es auf dem Gelände grundlegende Änderungen geben würde. Und die Politik hat auch schon mehrheitlich beschlossen, dass neben einem Neubau von Grundschule und Turnhalle künftig, in unmittelbarer Nachbarschaft, auch die bislang an der Rathelbecker Sraße in Alt-Erkrath untergebrachte Förderschule angesiedelt werden soll. Unter Verwaltungsleuten sowie bei CDU und SPD gilt das als ideale Lösung.

Denn beide Schulen können Mensa, die geplante Doppelsporthalle, Hausmeister und Verwaltungsräume nutzen. So werden Steuergelder effizient eingesetzt. Und mit dem Doppelprojekt sind Stadt und Kreis gleich zwei marode Schulgebäude los und schaffen ein modernes Lernzentrum zwischen Brechtstraße und Kinderhaus Sandheide. Klingt gut und ist auch dringend nötig, denn die Grundschule ist ausgebrannt und die ohnehin zu kleine Förderschule seit Jahren in einem traurigen baulichen Zustand.

Ein Architekturbüro hat die Machbarkeit des Projektes untersucht und für gegeben befunden, die Ergebnisse vorgestellt und mit den beteiligten Schulen und ihren Trägern ein pädagogisch-räumliches Gesamtkonzept entwickelt, das den geschützten Raum der Grundschule durch getrennte Gebäude, Schulhöfe, Mensabereiche und Toiletten so weit wie möglich aufrecht erhalten soll. Nächster Schritt ist nun ein Architektenwettbewerb. Der erste Bauabschnitt ist für Mitte 2022 geplant.

Die Entscheidung ist gefallen, die Vorarbeiten schreiten voran, aber es bleibt ein Unbehagen angesichts der künftigen Nachbarschaft, das auch in der jüngsten Schulausschuss-Sitzung noch einmal einigen Raum einnahm. Die Bedenken der Politiker, vor allem von den Grünen und von der BmU: Es könne beträchtliche Probleme geben, wenn Grundschüler mit sechs bis zehn Jahren auf ältere Jugendliche mit sozialen und emotionalen Störungen treffen.

Die BmU hält die Doppellösung daher für pädagogisch falsch. Sie hatte als Kompromiss eine räumliche Trennung von Primär- und Sekundarstufe vorgeschlagen, was jedoch als nicht umsetzbar abgelehnt wurde. Die Grünen betonten, dass die Zusammenlegung von Grund- und Förderschule in einem ohnehin problematischen Gebiet unglücklich sei und nichts mit Inklusion zu tun habe. Jetzt schon schickten bildungsnähere Hochdahler Eltern ihre Kinder lieber in die Regenbogen- oder die Sechseckgrundschule – ein Trend, der sich durch den Campus noch verstärken könnte.

Die Grünen berufen sich bei ihrer Kritik auch auf von der Schulkonferenz der Sandheider Grundschule selbst vorgebrachte Bedenken. Das oberste Beschlussgremium der Schule befürchtet, dass es in Pausen, beim Mittagessen, in der Turnhalle und auf dem Schulweg unweigerlich zum Aufeinandertreffen größerer Schülergruppen auf engem Raum kommt, was zu Konflikten führen könnte. Den aus der Grundschule hervorgehenden Förderschülern (bis Klasse 10) verwehre die Campuslösung zudem ein Herauskommen aus dem Stadtteil und den Austausch mit gleichaltrigen Jugendlichen anderer Schulen und Schulformen. Sie würden durch den Verbleib in der Sandheide stigmatisiert und lernten keine anderen sozialen Strukturen kennen.

Grundschulleiterin Susanne Adomeit hatte in der Ausschuss-Sitzung allerdings betont, sich trotz der Bedenken auf die neue Herausforderung zu freuen. Die ebenfalls anwesende Schuldezernentin des Kreises, Ulrike Haase, unterstrich, dass aus fachlicher Sicht nichts gegen eine unmittelbare Nachbarschaft der Schulformen spreche, im Gegenteil. Auf Antrag der Grünen wird es nun eine Bürger-Informationsveranstaltung der Stadt zum Campusprojekt geben.

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