Bürgerversammlung zur Bebauung der Neanderhöhe in Erkrath

Baupläne : Neanderhöhe: Bürger gegen mehr Gewerbe

Auf dem Höhepunkt des Streits um die geplante Bebauung der Neanderhöhe hatte die Stadtverwaltung zu einer Bürgerversammlung eingeladen.

Nach mehreren Ortsterminen, zu denen die Gegner des Gewerbegebietes mobil gemacht hatten, sollte nun die breite Öffentlichkeit informiert werden und auch zu Wort kommen. Rund 150 Bürger folgten der Einladung der Stadt und kamen am Dienstag ins Bürgerhaus an der Sedentaler Straße. Die meisten von ihnen waren gegen die Bebauung.

Um nach all den Protesten und Auseinandersetzungen (Aktivisten verteidigten Banner gegen Verwaltung) ein wenig Sachlichkeit hineinzubringen, stellte zunächst Jörn Wessendorf vom Planungsamt die Änderung des Bebauungsplans vor. Demnach liege der Anteil von Freiflächen in Erkrath mit 56,3 Prozent nur knapp unter dem Durchschnitt im Kreis Mettmann.

Durch die Bebauungsplanänderung, die neben 3,8 Hektar neuem Gewerbe an der Hochdahler Straße auch Ausgleichs-, Abstands- und Waldflächen vorsehe, ändere sich das Verhältnis von Siedlungs- und Freiflächen in Erkrath kaum. Anschließend stellte Kämmerer Thorsten Schmitz die Finanzlage der Stadt dar, die neues Gewerbe und damit mehr Gewerbesteuereinnahmen notwendig mache.

Seit 2008 habe Erkrath keinen ausgeglichenen Haushalt mehr aufstellen können, die Ausgaben seien fast kontinuierlich gestiegen, während die Einnahmen aus der Gewerbesteuer, die mehr als 50 Prozent der Gesamteinnahmen ausmachen (zuletzt 31 Millionen Euro), gerade einmal stabil geblieben seien. „Wir haben in Erkrath seit Jahren keine neuen Gewerbeflächen mehr ausgewiesen“, sagte Schmitz und verwies darauf, dass die Stadt die geringste Gewerbefläche pro Einwohner im Kreis Mettmann habe. Die Leerstände in Unterfeldhaus seien qualitativ und quantitativ nicht geeignet, um neue Firmen in die Stadt zu locken. „Wir schließen uns bewusst von der positiven wirtschaftlichen Entwicklung aus“, so die Sicht des Kämmerers.

Schließlich hatten auch die Fraktionsvorsitzenden Gelegenheit, ihre Statements abzugeben. Interessant war, dass Detlef Ehlert, dessen SPD-Fraktion gegen die Bebauung stimmen wird, versöhnliche Töne anschlug und den Befürwortern in einigen Punkten Recht gab. Für die BmU, auf deren Stimmen es im Rat ankommt, wand sich Bernhard Osterwind herum, gab auf Nachfrage aber zu Protokoll, dass seine Fraktion sich für den Bebauungsplan entschieden habe.

Die meisten Bürger dagegen waren gekommen, um ihre Ablehnung zu äußern. Ludwig Merker erzählte, er sei vor zwei Jahren nach Erkrath gezogen, um im Grünen zu leben. „Nun wird versucht, die Natur innerhalb der Stadt systematisch zu schädigen“, kritisierte der Neu-Bürger. Er schlug vor, sich mehr auf neue Wohngebiete zu konzentrieren, weil mehr Bürger auch mehr (Einkommen-) Steuereinnahmen brächten.

Weitere Bedenken gab es wegen der archäologischen Bedeutung des Neandertals. „Das alleine ist schon eine Verpflichtung“, sagte Archäologe Wolfgang Heuschen. Und Wolfgang Sternberg (NABU) mahnte: „Für eine Handvoll Dollar wird ein Stück Natur vernichtet“.